Indonesien wollte Gratismahlzeiten für Kinder verteilen – jetzt wird das Programm nach Skandalen zusammengestrichenDie geplanten Budgetkürzungen sind ein Rückschlag für den Präsidenten Prabowo Subianto. Seine Ambitionen scheitern an der indonesischen Realität.25.06.2026, 14.18 Uhr3 LeseminutenIndonesische Kinder mit ihrem Gratis-Mittagessen in der indonesischen Stadt Tangerang..Adi Weda ( EPADas Versprechen, das der indonesische Präsident Prabowo Subianto im Wahlkampf abgab, klang gut: 83 Millionen Kinder und Schwangere würden unter seiner Regierung Gratismahlzeiten bekommen. Damit wollte er die unter indonesischen Kindern verbreitete Mangelernährung bekämpfen – jedes fünfte Kind unter fünf Jahren ist davon betroffen. Prabowo wurde 2024 tatsächlich zum Präsidenten gewählt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Programm für Gratis-Mittagessen war sein prominentestes Wahlversprechen. Die neue Regierung machte sich sofort an die Umsetzung.Fast zwei Jahre später ist das Programm zwar noch nicht gescheitert. Aber es dürfte in den kommenden Wochen schmerzlich reduziert werden. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungsquellen. In Zukunft sollen vom Programm nur noch 49 Millionen Menschen profitieren, Budgetkürzungen von mehr als 2 Milliarden Dollar sollen geplant sein. Regierungsvertreter sprechen gegenüber Reuters davon, das Programm effizienter zu machen.20 Milliarden veranschlagtPrabowos Gratismahlzeiten waren von Beginn an ein Programm mit vielen Mängeln. Diese zeigten sich schon bald nach der Einführung. Kritiker fragten sich, wieso die Kosten dafür so hoch sind – im letzten Budget waren dafür fast 20 Milliarden Dollar veranschlagt, eine der höchsten Ausgaben der Regierung. Zudem waren im vergangenen Jahr mehrere Kinder von den Mittagessen erkrankt: Mehr als 6000 erlitten Lebensmittelvergiftungen. Die Vergiftungen schienen ein Hinweis darauf zu sein, dass das Programm zu schnell ausgerollt wurde und es Qualitätsmängel in den Produktionsküchen gab. Und dass Beamte und lokale Verantwortliche wohl Geld in die eigenen Taschen gesteckt haben, anstatt hochwertige Nahrungsmittel zu kaufen.Prabowo, ein ehemaliger General, liess Kritik an seinem Programm nicht zu – einem indonesischen Journalisten, der kritische Fragen stellte, liess er prompt die Akkreditierung entziehen.Anfang Juni entliess der Präsident dann den Verantwortlichen des Programms, Dadan Hindayana. Einen Tag später wurde dieser wegen Verdachts auf Korruption verhaftet. Auch zwei von Hindayanas Mitarbeitern sind in Haft. Alle werden verdächtigt, sich am Gratismahlzeiten-Programm bereichert zu haben. Sie sollen lokale Projektpartner auf dem weit verstreuten Archipel unzureichend überprüft und Schmiergeld entgegengenommen haben.In den vergangenen Tagen gab es Studentenproteste gegen das Programm, es sei laut den Demonstranten schuld an Indonesiens schlechter Wirtschaftslage. Zuletzt erreichten die Gratis-Mittagessen 63 Millionen Menschen.Im Windschatten von Donald TrumpDie geplanten Kürzungen sind ein Scheitern für Prabowo. Der indonesische Präsident präsentiert sich gern als starker Mann. Im Windschatten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump behauptete er sich in den vergangenen Monaten auch auf der Weltbühne: sei es als Teil von Trumps «Board of Peace» oder mit dem Versprechen, den Grossteil der Friedenstruppen in Gaza zu stellen. Der heimischen Wirtschaft wollte er mit Rohstoff-Nationalismus zum Aufschwung verhelfen und erliess Hürden für den Export von Nickel und Kohle – die Regierung will Rohstoffausfuhren in Zukunft selbst kontrollieren und davon profitieren.Prabowos Ambitionen scheitern derzeit aber an der indonesischen Realität. Rating-Agenturen waren zuletzt pessimistisch bezüglich der Wachstumsaussichten für Indonesiens Wirtschaft und besorgt über intransparente bürokratische Strukturen. Der lokale Konsum ist tief, gerade im Textilsektor sind in den vergangenen Monaten Jobs verlorengegangen. Zu den neuen Zöllen in den USA kam der Iran-Krieg: Die Blockade der Strasse von Hormuz traf Indonesien wie andere Länder in der Region hart, es mangelte an Treibstoff und Dünger. Die Folgen werden wohl erst in einigen Monaten offensichtlich, wenn sich zeigt, wie viele Bauern diesen Frühling auf eine Aussaat verzichtet haben.Passend zum Artikel
Indonesien: Programm für Gratis-Mittagessen wird gekürzt
Die geplanten Budgetkürzungen sind ein Rückschlag für den Präsidenten Prabowo Subianto. Seine Ambitionen scheitern an der indonesischen Realität.









