PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHamburger WahrzeichenBlitzeinschlag von 1750 – warum der Michel-Turm jetzt dringend stabilisiert werden mussStand: 14:02 UhrLesedauer: 3 MinutenDer Turm des Hamburger Michel wird saniert. Quelle: Marcus Brandt/dpaJahrhundertealte Brandschäden setzen dem Hamburger Wahrzeichen zu. Risse ziehen sich durch den Michel-Turm, Regen dringt ein. Nun greift ein „himmlischer Bautrupp“ zu Spezialankern und Harz – finanziert von 1.700 Spendern für ein „nicht ganz so sexy Projekt“Am Hamburger Michel, der Hauptkirche St. Michaelis, hat die Außensanierung des markanten Kirchturms begonnen. Dafür ist an der Südseite des Turms ein 33 Meter hohes Gerüst errichtet worden. Es bleibt dort voraussichtlich vier bis sechs Wochen stehen, bevor es im August und September an die Westseite und ab Oktober an die Nordseite des Turms versetzt wird, wie Bauleiter Uwe Pfeiffer am Donnerstag erklärte.Bis zum Jahresende sollen an der Süd-, West- und Nordseite insgesamt 220 Löcher in die Backsteinfassade gebohrt und bis zu vier Meter lange Bewehrungsstäbe eingeklebt werden. Ziel der Arbeiten ist es, das Mauerwerk zu stabilisieren und die Bewegung der teils bis zu 30 Meter langen vertikalen Risse im Turm zu verringern. Durch die Schäden im äußeren Bereich des bis zu sechs Meter dicken Mauerwerks kann bereits heute Regenwasser in das Bauwerk eindringen.Lesen Sie auchWie groß die Schäden sind, zeigt sich auch im Inneren des Turms. Wer die engen Treppen hinaufsteigt, kann Risse unterschiedlicher Größe sehen, manche kaum sichtbar, andere bereits spaltbreit. Messungen mit 32 sogenannten Rissuhren hätten gezeigt, dass sich die ungünstigsten Risse jährlich um bis zu 0,4 Millimeter vergrößerten. „Das klingt nicht wahnsinnig viel, aber über Jahre kommt da einiges zusammen“, erklärte Pfeiffer.Die Entstehung der Schäden liegt teils lange zurück. Laut Pfeiffer gehen sie unter anderem auf einen Blitzeinschlag im Jahr 1750 zurück. Damals sei die Kirche bis auf den unteren Teil des Turms abgebrannt. „Aus Kostengründen entschied man sich damals dafür, den unteren Teil des Turms stehenzulassen, und den Rest der Kirche daran zu bauen“, erklärte der Bauleiter. „Da kommen die Risse her, mit denen wir heute kämpfen.“ Neben dem Wiederaufbau nach diesem Brand im 18. Jahrhundert spielt auch ein Feuer von 1906 eine Rolle. Damals brannten Turm und Kirche ein weiteres Mal bis auf die Grundmauern nieder, im Inneren des gemauerten Turms wütete das Feuer besonders stark. Noch heute sind geschmolzene und schwarz glasierte Steine sichtbar.„Der Turm ist in seiner Tragfähigkeit nicht gefährdet“, sagte Hauptpastor Alexander Röder kurz vor dem Start der umfangreichen Sanierungsarbeiten. „Aber da müssen wir ran – und das lieber jetzt als später.“Lesen Sie auchRan bedeutet in dem Fall auch rein. Zusätzlich zu den Bewehrungsstäben werden Spiralanker und vorgespannte Stahlkonstruktionen eingebaut, um das Mauerwerk dauerhaft zu stabilisieren. Rund 100 Anker verbinden dabei die äußere Mauerwerksschale mit dem älteren Kern des Turms. Beschädigte Steine und Fugen werden erneuert und Risse gegen eindringendes Regenwasser abgedichtet, teilweise auch mit Epoxidharz aufgefüllt. „Solche Maßnahmen stehen nicht im Lehrbuch“, sagte Pfeiffer. Gemeinsam mit seinem Team habe er die Verfahren seit September erprobt. Mit dem Baustart ist ein 16 Meter langes Banner mit der Aufschrift „Hier arbeitet der Himmlische Bautrupp“ entrollt worden. Damit dankt die Stiftung St. Michaelis den Spendern, die die Arbeiten finanzieren. Michel-Hauptpastor Alexander Röder erklärte: „Mit der Spendenkampagne konnten wir mehr als 1.700 Menschen motivieren, dieses nicht ganz so sexy Projekt finanziell zu unterstützen.“ Insgesamt seien 1,3 Millionen Euro eingeworben worden.lno/epd/juve