Mit der aktuellen Hitzewelle hatte der Komplettausfall des deutschen Bahnverkehrs in der Nacht zum Mittwoch nichts zu tun. Das Wetter könnte der Bahn aber in den nächsten Tagen dennoch zu schaffen machen. Der Konzern warnte am Donnerstag vor möglichen „Störungen und Verzögerungen im Zugverkehr deutschlandweit“ angesichts der „extremen Belastungen durch das Hitzehoch“ – und verwies auf andere Verkehrsträger mit ähnlichen Problemen. Aktuell hat die DB-Infrastrukturgesellschaft DB Infrago für das Schienennetz die „Vorwarnstufe 0“ ausgerufen.Wie im Fall von aufweichendem Straßenasphalt, Niedrigwasser an Flüssen oder Beeinträchtigungen am Bau brächten die hohen Temperaturen von voraussichtlich um die 40 Grad auch für die Bahntechnik, für Anlagen und Züge, eine Rekordbelastung mit sich, heißt es seitens der Bahn. Und lokal auftretende Starkregengüsse und vom Deutschen Wetterdienst prognostizierte Gewitter mit Sturmböen bilden dem Zugbetreiber zufolge ein Risiko für Signale, Gleise, Weichen und Oberleitungen. Dazu gesellt sich die Gefahr von Böschungsbränden an den Gleisen.Diese Befürchtungen sind angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht von der Hand zu weisen. Wiederholt kam es in Europa in den vergangenen Jahren zu wetterbedingten Zugunfällen. Im Juli 2025 führte ein Erdrutsch als Folge eines Starkregens an einem Bahndamm im oberschwäbischen Zell zu einem schweren Zugunglück mit drei Toten und 41 Verletzten.Klimawandel weit oben auf der DB-AgendaDas Thema Klimawandel steht für die DB spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 weit oben auf der Agenda. „Als Betreiber kritischer Infrastruktur und als Flächenorganisation sind wir von den möglichen Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen“, ist im Integrierten Bericht des Konzerns des Jahres 2024 zu lesen. Deshalb verstärke man die Anstrengungen in Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium.Das Ziel lautet: die Bahntechnik besser auf Witterungsextreme abzustimmen. Die Devise lautet: Klimaresilienzmanagement.Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht, das Unternehmen gegen Klimaextreme widerstandsfähiger zu machen. Vor drei Jahren wurde für die Bahnhöfe und Haltepunkte eine sogenannte Expositionsanalyse mit zwölf Klimaindikatoren erstellt. Sie untersucht, wie stark eine bestimmte Region Klimagefahren wie Temperaturanstieg und Extremwetterereignissen ausgesetzt sein könnte.Unter dem Strich sind es viele unterschiedliche Projekte, mit denen der Schienenkonzern die Auswirkungen der vermehrt auftretenden Witterungskapriolen in den Griff bekommen will. Ein wichtiger Aspekt ist das Vegetationsmanagement, um die Gefahr umstürzender Bäume zu bannen. Mehr als zwei Drittel des gut 33.000 Kilometer langen Streckennetzes der DB sind von Bäumen gesäumt.„Hitze-Sonderkulanz“ und Wasser für die KundenMit Blick auf die Hitze in diesem Jahr hat sich die Bahn zu einer Premiere entschieden. Erstmals kommen die Kunden in den Genuss einer „Hitze-Sonderkulanz“. Alle Fahrgäste, die bis einschließlich 23. Juni ein Ticket für eine Reise im Fernverkehr bis 30. Juni gebucht haben, können ihr Ticket kostenfrei stornieren – digitale Fahrkarten auf bahn.de, analoge Tickets in den DB-Verkaufsstellen vor Ort.Die Bahn empfahl „dringend“, für Reiseplanungen die amtlichen Hitzewarnungen zu beachten. „Allen, die in dieser extremen Wetterlage auf ihre Fahrt verzichten können, legen wir die Sonderregelung zur Stornierung nahe.“ Wer unterwegs sein müsse, solle den Mitarbeitern Verständnis entgegenbringen und gegenseitige Rücksicht üben. Für Reisende steht in dieser Zeit laut Bahn an den großen Bahnhöfen zusätzliches Wasser bereit, „insgesamt mehrere Zehntausend Liter“. Auch zusätzliche Servicekräfte stünden den Kunden in den kommenden Tagen und zum Beginn der Sommerferien an den Bahnhöfen zur Seite.In der Politik wurde die Ankündigung der Hitze-Sonderkulanz zurückhaltend aufgenommen. Paula Piechotta, grünes Mitglied im Bundestagshaushaltsausschuss und Berichterstatterin für den Verkehrsetat, nannte sie ein „nettes PR-Signal“ der Bahnchefin an die inzwischen viel zu leidensfähigen Bahnfahrer in Deutschland. „Solch eine Hitzeaktion wäre aber gar nicht notwendig, wenn es ein hitzeresistentes Schienennetz, ICEs mit zuverlässig funktionierenden Klimaanlagen und Hitzeschutz an Bahnhöfen geben würde.“ Dieser Anspruch fehle bisher in der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ von Verkehrsminister Patrick Schnieder und Palla.
Kostenfreie Stornierungen: Wie die Bahn mit der Hitze umgeht – und vor Störungen warnt
Die Bahn fürchtet die aktuelle Hitze und stellt sich auf Betriebsstörungen ein. Für Kunden gibt es dennoch eine gute Nachricht.










