PfadnavigationHomeSportFußballWMGastgeber USAChristian Pulisic – das erste American Idol, das Fußball spieltStand: 11:52 UhrLesedauer: 4 MinutenDie USA treffen in ihrem zweiten Spiel bei dieser Weltmeisterschaft auf Australien. Beide Mannschaften haben ihre Auftaktspiele gewonnen und wollen sich sicher für die nächste Runde qualifizieren. Die Highlights im Video.Christian Pulisic ist ein Pionier. Der Ex-Spieler von Dortmund hat sich in europäischen Top-Ligen durchgesetzt – was zuvor keinem Amerikaner zugetraut worden war. Damit treibt er die Entwicklung des US-Fußballs wesentlich voran.Der wichtigste Schritt in seinem Leben war Christian Pulisic nicht leicht gefallen. Sollte er es tatsächlich wagen? „Es war die härteste Sache, die ich in meinem Leben bis dahin gemacht hatte. Aber es war das Opfer, das ich für meinen Traum, in Europa zu spielen, bringen musste“, sagte der Star der US-Nationalmannschaft einmal, als er zu den Anfängen seiner Karriere befragt wurde.2014 reiste er mit der U17-Nationalmannschaft der USA zu einem Turnier in die Türkei. Pulisic scherte sich um nichts. Er spielte befreit auf, dribbelte und schoss Tore. Irgendwann im Verlauf dieses Turniers nahm ihn sein Vater Mark, der bei fast allen Spielen seines Sohnes anwesend war, beiseite. Er sei von einem deutschen Scout angesprochen und gefragt worden, ob Christian nicht nach Dortmund kommen wolle, um sich das dortige Nachwuchsleistungszentrum anzusehen. Natürlich wollte der. Ein paar Monate später wechselte Pulisic zum BVB. Da war er 15 – und hin- und hergerissen zwischen dem Schmerz über die Trennung von seiner Mutter, seiner Schwester – und einer großen Chance.Der Rest ist Geschichte. Im Januar 2016 gab er sein Debüt in der Bundesliga. Da war er 17. Es folgte eine Karriere, die für einen US-amerikanischen Fußballer zuvor utopisch schien: 90 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund, dann der Wechsel zum FC Chelsea – für 64 Millionen Euro Ablöse. Nie davor und danach wurde so viel Geld für einen US-Profi gezahlt. Es folgten 98 Einsätze in der Premier League und schließlich, seit 2023, 100 Partien für die AC Mailand in der Serie A. Pulisic, mittlerweile 27, hat es auf stolze 63 Spiele in der Champions League gebracht.„Ein Türöffner“„Christian Pulisic ist ein Wegbereiter, ein Türöffner“, sagte Gregg Berhalter. Ohne den Offensivspieler, glaubt der frühere US-Nationaltrainer, wäre die Entwicklung, die der Fußball in den USA in der vergangenen Dekade genommen hat, kaum möglich gewesen. „Dass er schon im jungen Alter für einen großen Klub gespielt hat, hat großen Eindruck gemacht – sowie die Tatsache, dass er für so viel Geld transferiert worden ist. Das hatte sich hier vorher niemand vorstellen können“, so Berhalter. Pulisic habe nachfolgenden Talenten gezeigt, was möglich ist – und dem amerikanischen Verband, dass es sich lohnt, in ihre Ausbildung zu investieren.„Die Kids entscheiden sich immer öfter für Fußball statt für Football oder Basketball“, erklärte Dan Hunt gegenüber WELT. Der texanische Unternehmer muss es wissen: Er ist Mitbesitzer des FC Dallas und Bruder von Clark Hunt, dem CEO der NFL-Franchise Kansas City Chiefs. „Wir sind mittlerweile an einem Punkt, an dem große europäische Vereine unsere Top-Talente scouten“, so Dan Hunt.Lesen Sie auchImmer mehr dieser Talente haben den Weg nach Europa gefunden. Weston McKennie, Chris Richards, Tyler Adams, Josh Sargent, Malik Tillman, Ricardo Pepi, Gio Reyna, Joe Scally und weitere. Die Anzahl der US-Spieler in Europa hat sich gegenüber der Zeit, in der Pulisic erstmals in der A-Nationalmannschaft auftauchte, mehr als verdoppelt. Als ihn Jürgen Klinsmann vor zehn Jahren ins Aufgebot für die Copa America berufen hatte, standen zwar zehn weitere Spieler bei europäischen Klubs unter Vertrag – viele allerdings bei unterklassigen Vereinen. Im aktuellen 26er-Aufgebot von Mauricio Pochettino gibt 20 Europa-Legionäre – die meisten von ihnen spielen in Top-Ligen: Premier League, Primera Division, Serie A. Und die meisten sind dort Stammkräfte.„Christian ist unser wichtigster Spieler“, sagte Pochettino – und bezieht sich dabei auch auf die Vorbildrolle, die Pulisic einnimmt. Derzeit kuriert der Pionier allerdings eine Wadenverletzung aus, die er sich beim Auftaktsieg gegen Paraguay (4:1) zugezogen hat. Bereits beim 2:0 über Australien, mit dem sich das Pochettino-Team vorzeitig den Gruppensieg gesichert hatte, fehlte er. In der letzten, tabellarisch bedeutungslosen Vorrundenpartie am Freitag gegen die Türkei (4 Uhr MESZ, Magenta TV und im WELT-Liveticker) soll er geschont werden.Denn Pulisic wird, da ist sich Pochettino sicher, noch seine WM-Momente haben. „Christian ist stark, hat eine großartige Mentalität“, so der Argentinier. Das Team brauche ihn – so wie ihn der US-Fußball braucht.Wie groß die Wertschätzung für Pulisic ist, wurde am Mittwoch deutlich. Es sickerte durch, dass der New York City FC ihn aus seinem Vertrag mit dem AC Mailand herauskaufen möchte. Das Kalkül: Mit dem Role Model Pulisic sollen mehr Fans angelockt werden. Es ist das erste Mal, dass man sich so etwas von einem Amerikaner verspricht.