Mitten in … MünchenDas Katzenbaby ist die Treppe runtergefallen, es wirkt verstört. Sofort untersuchen lassen, sagt der KI-Assistent. Also auf in die Kleintierklinik, nachts um halb elf. In der Ambulanz treffen die Sorgen der Tierbesitzer auf die Triage. Ein Toypudel röchelt. Sein Frauchen, ebenfalls mit Locken, ruft: „An einem Darmverschluss könnte er sterben!“ Aber der Treppensturz trumpft. Da klingelt es, hinein kommt ein junger Mann mit Korb, er sei über die Ferien als Tiersitter engagiert worden und ... tja: „Kann ich ein totes Meerschweinchen abgeben?“ Er bleibt die Nacht über auf dem letzten Platz. Wieder Klingeln. Ein Cockapoo hat die E-Zigarette angekaut, die Familie ist aufgelöst. Der Hund wird vorgelassen. Protest. Dann ist das Kätzchen an der Reihe, es ist gesund. Nun darf endlich der Toypudel hinter der Schiebetür verschwinden. Durch den Flur hallt noch sein leises „Japs“. Helen Krueger-Janson Illustration: Marc HeroldMitten in … SaumurSelbst wer im Französischen nicht groß über „oui“ und „non“ hinauskommt, kennt in diesem Sommer ein Wort ganz sicher: Canicule, Hitzewelle. In den Gassen von Saumur werden die Sandalen weich beim Gehen über den glühenden Asphalt, so muss man sich in einer Heißluftfritteuse fühlen. Bei der „Fête de la musique“ schleichen weniger Menschen als sonst durch die Stadt, auf einer Bühne müht sich ein Musiker vor genau einer Zuhörerin, vermutlich seine Freundin. Die Touristen suchen Zuflucht in einer unterirdischen Pilzzucht und simulieren bei herrlichen zwölf Grad mehr Interesse an den Geheimnissen der Austernpilzproduktion, als es vielleicht normal wäre. Auch die Weinkeller sind noch verlockender als sonst. Als man aus der Kühle auftaucht, steht das Velo nicht mehr im Schatten, der Fahrradcomputer zeigt 61,9 Grad an. Immerhin ist der Sattel nicht geschmolzen. Barbara Mooser Illustration: Marc HeroldMitten in ... MainzSonntagnachmittag, und es ist ganz schön was los vor dem Mainzer Hauptbahnhof. Zwei Dutzend Menschen schwenken grün-weiß-rote Fahnen mit Löwe und Sonne, die Flagge Irans aus der Zeit vor der islamischen Revolution. Ein Mann ruft: „Weg, weg, weg, die Mullahs müssen weg!“ ins Mikrofon, begleitet wird er von Trommeln. Die Passanten eilen weiter, sogar die Kunden an den Imbissständen sind mit ihren Würsten vor dem Lärm hinter das Bahnhofsgebäude geflohen. Doch die Straße hinunter, kurz vor der Bahn-Unterführung, ist die Verzweiflung groß. „Das geht schon seit gestern, die kloppen da den ganzen Tag drauf rum“, klagt eine Frau, die zwischen Einkaufstaschen auf einer Isomatte sitzt. Ihre zwei Gefährten schütteln hilflos den Kopf. Aber der Schuldige ist schnell gefunden: „Das hat mal wieder jemand genehmigt, der woanders wohnt.“ Jakob WetzelWeitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.
Nachts in der Münchner Kleintierklinik: Meerschweinchen-Sitter im Pech
Eine SZ-Redakteurin muss mit ihrer Katze in die Notaufnahme – und trifft dort auf kuriose andere Notfälle. Kolumne „Mitten in“.








