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Karriereplanung: Immer nur der Fachidiot? Wie Sie aus der Expertenrolle ausbrechen können Wenn Expertise im Job den eigenen Spielraum begrenzt, hat das Folgen für die Karriere. Eine Studie untersucht, welche Auswege es aus der Rollenfalle gibt.
Leonard Knollenborg 24.06.2026 - 18:54 Uhr Sie möchten neue Aufgaben? Eine Studie zeigt, wie ein Wechsel gelingt. Foto: Getty ImagesAls promovierter Mathematiker kannte sich Carl mit Zahlen aus. Für das Rohstoffteam einer großen Investmentbank entwickelte er Modelle, die für die Entscheidungen der Händler bald unverzichtbar wurden. Wann immer die Preise für Rohöl, Kupfer oder Gold schwankten, suchten die Kollegen seinen Rat. Carl hatte seine Rolle gefunden: Er war der Rohstoffexperte.Der Erfolg hatte einen Preis. Carl saß in unzähligen Besprechungen. Selbst nachts klingelte sein Telefon, wenn ein Händler seine Einschätzung brauchte. Wollte sich Carl einmal mit einem anderen Thema beschäftigen, scheiterte er schon im Ansatz: Seine Kollegen erwarteten, dass ihnen sein Wissen jederzeit zur Verfügung stand. Carl war in seinem Expertenstatus gefangen. Seine Nische war zur Falle geworden.Den Fall beschreiben der Strategieprofessor Matthew Bothner und vier Kollegen in einer aktuellen Studie. Das Dilemma von Carl und andere Beispiele stammen aus einer global agierenden Investmentbank. Doch Menschen wie Carl gibt es fast in jedem Unternehmen. Menschen, die sich nach Sicherheit sehnen – und erst spät erkennen, dass darin auch ein Risiko liegt. Bothner, der an der European School of Management and Technology in Berlin lehrt, zitiert den Soziologen Erving Goffman: „Was als Maske beginnt, kann zum Gesicht werden.“KI und der Arbeitsmarkt Karriere in Zeiten des Jobabbaus – so machen Sie sich unersetzlich Die Zahl der Arbeitslosen ist hoch, Unternehmen bauen weiter Stellen ab. Wie Sie unersetzlich werden – und warum Sie trotzdem wachsam bleiben sollten. von Anabel SchröterFür immer zweite Geige?Diese Maske muss nicht im Expertentum liegen, so wie bei Carl. Auch andere Rollen können zum engen Korsett werden: Erfolgreiche Führungskräfte dürfen keinen anderen Bereich übernehmen, weil das Unternehmen die Profite der Abteilung nicht aufs Spiel setzen will. Mitarbeiter erhalten keine zusätzliche Verantwortung, weil sie als perfekte Teamplayer gelten. „Wenn jemand zuverlässig die zweite Geige spielt, erwarten alle, dass er diese untergeordnete Rolle weiter wahrnimmt“, sagt Bothner.Wie also bricht man aus der Rolle aus, ohne die eigene Karriere zu gefährden? Für Führungskräftecoach Gudrun Happich geht es um das eigene Handeln: „Wenn ich darauf warte, dass jemand anderes mein wahres Potenzial entdeckt, dann verändert sich nie etwas“, glaubt sie.Für dieses Handeln identifizieren Bothner und seine Kollegen drei Wege. Der erste: informelle Kontakte zu anderen Abteilungen knüpfen. Dieses Brückenbauen kann heikel sein. Wer hierarchische Grenzen überschreitet, gilt bei seinen Kollegen und Vorgesetzten schnell als illoyal. Laut Bothner kommt es deshalb nicht zuletzt auf die Story an. Es braucht eine plausible Erklärung für die Kontaktaufnahme. Noch wichtiger: Brückenbauer müssen zeigen, dass die geknüpften Kontakte den Kollegen im eigenen Team helfen – etwa, indem sie schneller an Informationen aus anderen Abteilungen kommen. So gelten sie nicht als illoyal, sondern als wertvolle Netzwerker.Carl, der Rohstoffexperte, wählt einen zweiten Ansatz: gezielte Unruhe. Er sorgt dafür, dass die Rollen in seinem Team ordentlich durchgeschüttelt werden. Die Energieexpertin muss fortan alle Fragen zu Agrarprodukten beantworten, den Energiebereich übernimmt der Agraranalyst. Jede Woche werden die Rollen getauscht. Unentbehrliche Experten gibt es nun nicht mehr. Die Strategie funktioniert laut der Studie jedoch nur, wenn der Unruhestifter in der Position ist, solche Änderungen durchzusetzen – und ein hohes Ansehen sowie Vertrauen genießt.Leistungskultur So fordern kluge Führungskräfte Leistung ein Deutschland streitet darüber, wie es in die Erfolgsspur zurückfindet. Wie schaffen Führungskräfte eine Kultur, in der sich Mitarbeiter gerne reinhängen? von Katja SchererFührungskräftecoach Happich hat es bei einem Klienten selbst erlebt: Um sich von Managementlasten zu befreien, schlug er seinem Chef ein Arbeitsmodell mit weniger Stufen in der Hierarchie und mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter vor. Er verkaufte die Veränderung nicht als persönlichen Wunsch, sondern als Experiment zum Vorteil des Unternehmens – für das er die Verantwortung übernahm. „Das gemeinsame Interesse ist entscheidend“, betont Happich.Vollendete TatsachenAuch die dritte in der Studie vorgeschlagene Strategie setzt einen gewissen Status voraus. Sie besteht darin, eine gewünschte Veränderung so darzustellen, als sei sie bereits Realität.Nicht: Wir könnten. Sondern: Wir machen. Aus Happichs Sicht gehört dazu mehr als ein rhetorischer Kniff: „Es kommt auf die innere Überzeugung an.“ Nur wer selbst fest an sein Vorhaben glaube, könne auch andere davon überzeugen.Alle drei Strategien seien ein Balanceakt, räumt Bothner ein: „Es braucht dabei eine Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein.“ Wer diese Balance hält, kann aus seiner Rolle ausbrechen, ohne Vertrauen zu verspielen. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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