KONTEXT:Wochenzeitung

Bereits sechs Mal hat Baden-Württembergs SPD in den vergangenen gut 40 Jahren versucht, durchzustarten und den Abwärtstrend zu stoppen. Nach 5,5 Prozent bei der Landtagswahl im März unternahm sie beim Parteitag in Ulm den siebten Anlauf – mit vielen Sprechblasen und wenig Analyse.

Nun soll's ein Duo an der Spitze der Südwest-SPD richten: Isabel Cademartori vom rechten, Robin Mesarosch vom linken Parteiflügel. Fotos: Jens Volle

Oft gehen auf Parteitagen die Rechenschaftsberichte von Schatzmeister:innen unter, weil direkt vor ihnen die jeweiligen Landesvorsitzenden sprechen. Am Wochenende in Ulm nahm der glücklose SPD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl Andreas Stoch seinen Abschied als Chef der Südwest-SPD, mit stehenden Ovationen bedacht in einer Mischung aus Anerkennung und Mitgefühl. Danach dankte auch Karl-Ulrich Templ ab, ein Urgestein der SPD im Südwesten mit fast zwei Jahrzehnten als Kassenwart auf dem Buckel. Die gute Nachricht: Es sind noch Rücklagen da. Die schlechte: Sie reichen noch genau für einen einzigen Wahlkampf.

Schon heute, mahnt der frühere Vizedirektor der Landeszentrale für politische Bildung eindringlich, sei die Organisationskraft der Partei in der Fläche in Frage gestellt. Die Aussichten auf die kommenden Jahre sind laut Templ so düster wie noch nie. Denn nach den schlechten Ergebnissen bei Bundes- und Landtagswahl gibt es nur noch wenig Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Und noch ein Alarmsignal: 70 Prozent der Mitglieder sind zwischen 50 und 90 Jahre alt.