Auch wenn allenthalben über die schwierige Wirtschaftslage angesichts von Kriegen und Krisen geklagt wird, zeigt sich der Frankfurter Messechef Wolfgang Marzin zuversichtlich. Dabei hat er keineswegs besonders gute Nachrichten zu verkünden: Der Umsatz ist – wie schon zu Jahresbeginn angekündigt – hinter den erwarteten 800 Millionen Euro zurückgeblieben und hat nur 766 Millionen erreicht, nach 775 Millionen Euro im Jahr 2024.Und auch für das laufende Jahr musste Marzin bei der Bilanzvorstellung an diesem Mittwoch die Erwartungen herunterschrauben. Bislang hatte er Umsätze von 839 Millionen Euro angepeilt, jetzt geht er davon aus, dass es „nicht ganz 800 Millionen“ werden. Das liege vor allem an den Absagen von Messen im arabischen Raum nach dem Beginn des Irankriegs, aber auch am Wegfall der Prolight+Sound, der deutlichen Verkleinerung der Eurobike und an Flächenverringerungen bei anderen Messen.Inlandsumsatz sinkt weiterDass das Ergebnis für 2025 nicht noch schlechter ausgefallen ist, ist wieder einmal den vielfältigen Aktivitäten der Messe Frankfurt im Ausland zu verdanken. Im Inland sind die Umsätze um 34 Millionen auf 398 Millionen Euro gesunken, im Ausland dagegen von 343 Millionen im Jahr 2024 auf 368 Millionen Euro gestiegen. Der Auslandsanteil am Konzernumsatz stieg damit auf 48 Prozent – was die Messegesellschaft als Bestätigung für ihre Strategie zur weiteren Internationalisierung wertet. Die ausländischen Tochtergesellschaften entwickelten sich erfreulich und erzielten vor Konsolidierung ein Jahresergebnis von 71,4 Millionen Euro nach 53,8 Millionen Euro im Vorjahr.Das hat nach Darstellung von Marzin auch dazu beigetragen, die Finanzlage weiter zu verbessern. Demnach stieg das Eigenkapital auf rund 650 Millionen Euro. So konnte auch die Tilgung der Darlehen, mit denen die Gesellschaft in der Pandemie gestützt worden war, fortgesetzt werden. Die Verbindlichkeiten sanken dadurch um rund 126 Millionen Euro auf 460 Millionen Euro. Der Verschuldungsgrad sank von rund 100 auf 71 Prozent. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich nach den Worten Marzins auf rund 52 Prozent. Damit bleibe die Messe Frankfurt „finanziell flexibel und für mögliche Krisenszenarien nachhaltig handlungsfähig“.Weltweit fanden 2025 unter dem Dach der Messe Frankfurt 349 Veranstaltungen mit fast fünf Millionen Besuchern statt, darunter 151 eigene Messen und Gastveranstaltungen mit rund vier Millionen Besuchern – ein Wachstum im Vergleich zum Vorjahr mit 3,9 Millionen Messegästen, wie die Messegeschäftsführung hervorhob. Als Wachstumstreiber wurden hier insbesondere die Tochtergesellschaften in Indien, China, Japan und Korea sowie in Dubai, aber auch in den USA genannt, hier soll auch weiter investiert werden. Ebenso wie an weiteren Standorten in Afrika und Lateinamerika.„Frankfurt bleibt wichtigster Standort“Am Heimatstandort läuft es derzeit alles andere als rund: Zwei Tage vor der Eröffnung der Eurobike am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Zweiradverband ZIV für den Herbst 2027 eine Konkurrenzveranstaltung in Köln plant. Vor diesem Hintergrund hob die Messegesellschaft, die zu 60 Prozent der Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört, die Bedeutung ihres heimischen Geschäfts hervor. „Frankfurt ist und bleibt der Fokus und wichtigster Standort für uns“, so Marzin. Es sei die „Homebase“ des globalen Netzwerks der internationalen Leitmessen. 90 Prozent der rund 20 internationalen Leitmessen fänden am Main statt.Zugleich zeigten sich hier aber auch die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftslage besonders deutlich. Der für die Konsumgütermessen zuständige Geschäftsführer Detlef Braun sagte, die vorwiegend mittelständisch geprägten Aussteller gäben oft rund 45 Prozent ihres Marketingbudgets für Messen aus. Wenn sie in Schwierigkeiten gerieten, werde da schnell gekürzt.Messe-Geschäftsführer Detlef Braun geht Ende des Jahres in den Ruhestand.Lando HassDennoch sieht man bei der Messe das Geschäftsmodell insgesamt nicht in Gefahr – auch nicht durch KI und Digitalisierung. Vielmehr würden Onlineplattformen schon jetzt genutzt, um die Messen ganzjährig im digitalen Raum fortzusetzen. Und in Zeiten von KI sieht Braun gerade für die persönliche Begegnung mit Geschäftspartnern und Produkten eine wachsende Bedeutung.Das zeige sich auch daran, dass weltweit im laufenden Geschäftsjahr 359 Veranstaltungen inklusive Kongresse und Events geplant und bis 2027 bislang 20 neue Messen vorgesehen seien. „Unser internationales Portfolio entwickelt sich über alle Industriecluster hinweg positiv und sorgt für Wachstumsimpulse“, sagte Braun, der zum Ende des Jahres in den Ruhestand geht.Stutzinger und von Schildt als neue GeschäftsführerSeine Nachfolge, ebenso wie die für den seit zwei Jahren vakanten dritten Geschäftsführungsposten, hatte der Aufsichtsrat der Messegesellschaft am Dienstagabend bekanntgegeben: Christine von Schildt übernimmt die Nachfolge von Uwe Behm, der 2024 verabschiedet wurde, und soll für die Entwicklung am Standort Frankfurt zuständig sein. Die 56 Jahre alte promovierte Juristin hatte zuletzt beim Bayer-Konzern das Immobilien- und Infrastrukturportfolio gemanagt. Heiko Stutzinger übernimmt zum Jahreswechsel die Aufgaben von Braun in den Bereichen Brands und Internationales. Der 52 Jahre alte Messemanager ist seit Januar 2024 Geschäftsführer der Hamburg Messe und Congress GmbH.Damit hat die Messe künftig wieder ein Trio an der Spitze und kann in Frankfurt mehr Präsenz zeigen. Denn der 62 Jahre alte Marzin, der seinen Hauptwohnsitz in München hat und viel im Ausland unterwegs ist, wurde zuletzt nur selten bei Veranstaltungen in Frankfurt gesehen.Trotz der durchwachsenen Bilanz sieht er sich in seiner Arbeit aber bestätigt: „Die Messe Frankfurt behauptet ihre Position als eine der weltweit führenden Veranstalterinnen von Messen, Kongressen und anderen Events mit einem breiten internationalen Veranstaltungsportfolio“, lautet das Fazit des Messechefs, dessen Vertrag 2030 endet. Zugleich sagt er: „Wir sind Berufsoptimisten und bleiben das auch.“
Messe Frankfurt: Der Umsatz wächst nur noch im Ausland
Die Messe Frankfurt hat ihr für 2025 prognostiziertes Umsatzziel nicht erreicht. Vor allem der Heimatstandort schwächelt. Die Weltlage wird als Grund genannt, ist es aber wohl nicht allein.






