Was nach der Nuklearkatastrophe von 1986 als verseuchtes Niemandsland galt, hat sich in den Jahrzehnten danach zu einem wildtierreichen Gebiet entwickelt. Die geringe menschliche Präsenz in der Tschernobyl-Sperrzone trug dazu bei, dass Tierarten zurückkehrten, die zuvor lokal ausgestorben waren – darunter Braunbär und Luchs. Elche, Rothirsche, Wildschweine und Grauwölfe kommen wieder in beachtlicher Zahl vor. In den 1990er-Jahren wurden zusätzlich die Arten Europäischer Bison und Przewalski-Pferd wiederangesiedelt.

Was sich aber änderte, als russische Truppen die Zone besetzten, hat nun ein Forschungsteam der Universität Freiburg dokumentiert. Die Streitkräfte hielten das Gebiet 36 Tage lang besetzt, vom 24. Februar bis 1. April 2022. Grundlage der Studie, erschienen in den „Proceedings of the Royal Society B“, waren Aufnahmen von Kamerafallen, die bereits seit 2021 im Einsatz waren. Nach dem Abzug der russischen Truppen konnten die Daten von 31 Kameras geborgen werden – mit Unterstützung ukrainischer Streitkräfte, die das Gebiet zuvor von Minen geräumt hatten.

Artenvielfalt höher als in ungeschützten Flächen

Tschernobyl schnitt in der Auswertung in allen Kategorien besser ab als andere Schutzgebiete der Region: Artenvielfalt, Besiedlungsdichte und Nachweiswahrscheinlichkeit waren in der Zone durchweg höher als in kleineren Naturreservaten oder ungeschützten Flächen. Das zentrale Ergebnis der Forscher: Schutzgebiete sind dann am wirksamsten, wenn sie groß, zusammenhängend und mit konsequenten Zugangskontrollen ausgestattet sind.