Es ist Freitag zur Mittagszeit. Ein heißer Juni-Tag. Arslan steht mit den anderen in der stechenden Sonne. Trotz der Hitze trägt er einen grell orangefarbenen Hoodie. Gut 200 Leute warten hier in vor dem Check-Point in Narva auf die Grenzkontrolle. Sie wollen von Estland nach Russland rüber. Zu Fuß über die Brücke. Autos dürfen dort seit zwei Jahren nicht mehr fahren, weil die russische Seite die Grenzstation ausbaut. Arslan ist Student, erzählt er, kommt aus Russland und hat Freunde im estnischen Narva besucht. Jetzt geht es wieder zurück. Aber das dauert.
„Seit dem Krieg mit der Ukraine wird es immer schwieriger über die Grenze zu kommen“, erzählt Arslan. „Früher konnte man rund um die Uhr die Grenze passieren, jetzt nur noch zwischen sieben und 19 Uhr.“ Die Einreise nach Estland gehe schneller, sagt er. Bei der Ausreise werde man dagegen gründlich durchsucht, ob man etwa Euro-Scheine oder Wertgegenstände nach Russland schmuggeln wolle. Wie lange es wohl noch dauert? Arslan schaut zu dem 20 Meter entfernten Grenzposten hinüber und schätzt: „Vier bis fünf Stunden ungefähr.“
Narva: Achilles-Ferse Estlands, der EU und NATO
Auf der estnischen Seite in Narva thront die Hermannsfeste auf ihrem Burgberg. Gegenüber, auf der anderen Seite des Narva-Flusses die Festung Iwangorod in der gleichnamigen russischen Grenzstadt. Die beiden Städte bildeten über Jahrhunderte eine Einheit. Bis der kommunistische Zar Josef Stalin die beiden Stadtteile 1945 unterschiedlichen Unionsrepubliken zuschlug. Heute, 35 Jahre nach der Unabhängigkeit Estlands von der UdSSR, stehen sich die beiden Burgen feindlich gegenüber und belauern sich mit ihren Schießscharten gegenseitig.







