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Erneuerbare Energien: Rekordbeschäftigung mit brüchigem Fundament Die Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt so viele Menschen wie nie zuvor. Dennoch hängen laut einer Studie tausende Jobs am seidenen Faden.

Kevin Gallant 24.06.2026 - 06:38 Uhr Die Windenergie ist bei den Erneuerbaren Energien derzeit der größte Arbeitgeber. Foto: imago images/Westend61Es läuft gerade bei der Energiewende in Deutschland – zumindest, wenn man auf den Arbeitsmarkt blickt. 2025 erreichte die Beschäftigung in den erneuerbaren Energien mit rund 436.300 Menschen einen neuen Rekord. Zeitgleich stiegen die Investitionen auf 37,5 Milliarden Euro, ebenfalls Höchststand. Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, die in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) entstanden ist.Die Branche löst damit ihren eigenen bisherigen Rekord aus dem Jahr 2023 mit rund 420.400 Beschäftigten ab. Ohnehin lässt sich seit 2021, gemessen an der Bruttobeschäftigung, ein neuer Aufschwung bei den erneuerbaren Energien beobachten. Die Zahl der Beschäftigten ist seitdem um fast 100.000 gestiegen. Mit Bruttobeschäftigung ist in dem Kontext jene Beschäftigung gemeint, die direkt oder indirekt durch Investitionen, Exporte sowie Betrieb und Wartung von Anlagen zur Nutzung solcher Energien ausgelöst wird.Zugpferd bleibt hier die Windenergie. Mit 172.000 Menschen arbeitete 2025 rund ein Drittel aller Beschäftigten in den erneuerbaren Energien in dieser Sparte. Weitere wichtige Säulen sind die Biomasse mit fast 97.000 Beschäftigten, die Solarenergie mit ungefähr 90.000 und die Wärmepumpen-Branche, die 2025 auf über 72.000 Mitarbeiter kam.Beschäftigung und Investitionen korrelierenKlingt nach Erfolgsstory, hat allerdings einen Haken. Stimmt der politische Kurs aus Sicht der Branche, läuft der Beschäftigungsmotor schnell hoch. Doch wenn die Politik schwankt, stottert der Motor. Der Wandel verlaufe nicht gleichmäßig oder reibungslos, vielmehr reagiere die Beschäftigung in den erneuerbaren Energien „sehr sensibel“ auf politische Rahmenbedingungen, Marktveränderungen und geopolitische Ereignisse.Als vor ungefähr 15 Jahren die Investitionen in die erneuerbaren Energien schon einmal auf fast 28 Milliarden Euro jährlich stiegen, stellte die Branche massenhaft neue Leute ein und erreichte 2011 den damaligen Höchststand von ungefähr 415.000 Personen, also nur knapp weniger als 2025. Doch mit den danach einbrechenden Geldern für die regenerativen Energien, gingen auch tausende Jobs flöten.Wie schnell das gehen kann, zeigt laut der Bertelsmann-Studie die Entwicklung bei den Wärmepumpen besonders deutlich. 2023 war für die Branche ein Rekordjahr, mehr als 350.000 Geräte wurden neu installiert. Dann folgte das sogenannte Heizungsgesetz, also die umstrittene Novelle des Gebäudeenergiegesetzes im Jahr darauf – und darauf wiederum ein Absturz auf rund 200.000 neue Anlagen im Folgejahr. Die Beschäftigtenzahl fiel zu der Zeit um fast 30 Prozent auf gut 51.000 Menschen. Die Korrelation zeigt sich aber auch auf der anderen Seite: 2025 wurden wieder knapp 300.000 Wärmepumpen installiert und es arbeiteten laut der Studie wieder 72.000 Menschen in der Branche.Studienautoren warnen davor, den Photovoltaik-Fehler zu wiederholenDoch bloßer Ausbau einer Technologie reicht nicht immer aus. Das zeigt laut der Studienautoren die Photovoltaik-Branche. Demnach werden in Deutschland zwar immer mehr Anlagen gebaut, jedoch sinkt die Zahl der Beschäftigten. Die benötigten Module werden mittlerweile vor allem im Ausland gefertigt.Dabei gedieh die Branche, inklusive Produktion, in Deutschland gut. Von 3000 Beschäftigten im Jahr 2000 wuchs sie bis 2011 auf mehr als 142.000 Beschäftigte an, inklusive Investitionen von rund 20,5 Milliarden Euro für Solarenergie auf dem Höhepunkt 2010. Schon drei Jahre später waren es der Studie nach nur noch gute vier Milliarden.„Die vor 15 Jahren noch so starke Fertigung in Deutschland ist verschwunden“, sagt Jana Fingerhut, Arbeitsmarktexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung, und mahnt: „Diesen Fehler dürfen wir bei der Produktion von Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht wiederholen.“ Dabei gehe es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um strategische Abhängigkeit im Energiebereich. Dafür brauche es verlässliche Energiepolitik, auch über Wahlperioden hinweg.Energiepolitischer Kurswechsel könnte tausende Jobs kostenOb es die für die Branche geben wird, ist noch unklar. Vor dem Hintergrund zurückliegender Förderstopps und Beschäftigungsabbaus sei es „umso wichtiger, dass die derzeit geplante Gesetzesserie von der EEG-Novelle über das Gebäudemodernisierungsgesetz und das Netzpaket bis zum Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz beschäftigungssicher ausgestaltet wird“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung.Der sich „abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung“ könne ähnliche Effekte mit sich bringen wie einst etwa die Kürzung der Fördermittel bei der Photovoltaik. Tausende Jobs wären dann gefährdet, heißt es weiter.„In Zeiten wirtschaftlicher Krisen, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Wir dürfen den Ausbau der erneuerbaren Energien kein weiteres Mal abwürgen“, sagt Arbeitsmarktexperte Roman Wink von der Bertelsmann-Stiftung und ergänzt: „Es geht um Jobs, um mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und letztlich um unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick