Es ist eine dieser Geschichten, die zeigen, was passieren kann, wenn wissenschaftliches Können auf unternehmerischen Mut trifft: Drei Chemikerinnen aus Bitterfeld-Wolfen wollen einen der gefährlichsten Bausteine der chemischen Industrie ersetzen – durch nichts Geringeres als Kohlendioxid. Für ihre Idee wurden Michéle Tille, Sophie Riedel und Marlene Baumhardt mit ihrem Startup CYNiO GmbH aus Bitterfeld-Wolfen nun mit dem Wirtschaftspreis Sachsen-Anhalt 2026 ausgezeichnet.

Bei dem gefährlichen Giftgas handelt es sich um Isocyanate. Das sind hochreaktive chemische Verbindungen, die als die wichtigsten Bausteine für die Herstellung von Polyurethan-Kunststoffen (PUR) dienen. Wer noch nie davon gehört hat, benutzt sie trotzdem täglich, denn sie stecken in Lack, Farben, Klebstoffen, Kunststoffen, Beschichtungen und Schaumstoffen. Sie machen Matratzen weich, Autolacke kratzfest, Prothesen verträglich und Schuhsohlen flexibel.

Das Problem an der Sache: Isocyanate werden klassisch mit Phosgen hergestellt – einem hochgiftigen Gas, das im Ersten Weltkrieg sogar als Kampfstoff eingesetzt wurde. Entsprechend aufwendig, teuer und riskant ist die industrielle Produktion. Nur wenige große Konzerne weltweit beherrschen sie. Der Isocyanatmarkt wird von globalen Unternehmen dominiert, die nur wenige Isocyanate in Massenproduktion herstellen. Es sind jedoch Tausende verschiedener Isocyanate möglich.