PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungTV-Kritik„Unten durch, nicht dass man Dein Gesicht sieht! Unten durch!“Von Michael MakusStand: 18:59 UhrLesedauer: 4 MinutenDas Spiel zwischen Frankreich und dem Irak musste wegen Gewittern für zwei Stunden unterbrochen werden. Jens Lehmann erklärt in der „Welt am Ball“, welche Herausforderungen solche Unterbrechungen für die Spieler bedeuten.Über Philadelphia zieht ein Gewitter, und das ARD-Team läuft zu Höchstform auf. Im Stadion und im Studio. Das war die unterhaltsamste TV-Nacht der Weltmeisterschaft.Noch nie hat der Regen einem WM-Sender so gutgetan. Beim legendären „Torfall von Madrid“ haben die RTL-Kommentatoren Günter Jauch und Marcel Reif 1998 Fernsehgeschichte geschrieben. Wie sie die 76-minütige Unterbrechung des Champions-League-Duells zwischen Real und Dortmund (2:0) mit einer bis heute unvergessenen Sprüche-Salve überbrückten, gilt bis heute als Geburtsstunde des deutschen Anarcho-TVs. Ab sofort gibt es eine Art Neuauflage davon.Was die ARD ihren Zuschauern von Montagabend bis Dienstagfrüh gegen 3 Uhr aus Dallas, dem Studio in Köln und ganz besonders Philadelphia (Frankreich gegen Irak) servierte, war die bisher unterhaltsamste TV-Nacht dieser Fußball-Weltmeisterschaft.Aber der Reihe nach: Anfangs hatte man schließlich Befürchtungen, dass das Erste sich kapern lässt …▶ Während Moderatorin Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger beim Spiel Argentinien gegen Österreich (2:0) – mal wieder im verschärften Neck-mich-Modus – über Messi fachsimplen, crasht nach einem Einspieler plötzlich Konkurrenz-Experte Thomas Müller ins Programm auf der Texas-Tribüne. Neue Guerilla-Werbemethoden von MagentaTV, denkt man unweigerlich – so weit ist es nach zwei WM-Wochen schon. Immerhin: Die streng gezopfte Sedlaczek erkennt die Situation Diomande-schnell und ermahnt die beiden Weltmeister scharf: „Wir sind übrigens wieder live drauf!“ Zur Krönung kommandiert Schweini seinen Ex-Kollegen zurück auf dessen Moderationsposition, zwei Boxen weiter: „Unten durch, nicht dass man Dein Gesicht sieht! Unten durch!“Wichtig für die nächste Intendantenkonferenz: Das Gesicht-Gate hat Schweinsteiger mit vorbildlichem Armeinsatz verhindert. Auch sonst ist der gut gewandete „Baron von Herzogenaurach“ (einmal geht der Drei-Streifen-Gag noch, ab 2027 wird der DFB ja von Nike gesponsert) auf Ballhöhe, eröffnet etwa ein spannendes Diskussions-Thema rund um Bundestrainer Julian Nagelsmann. Stoßrichtung: Er lässt Manuel Neuer im 3. Gruppenspiel gegen Ecuador (Do., 22 Uhr/ARD und im Liveticker bei WELT) für Oliver Baumann pausieren. Wir werden es beobachten.▶ Womit wir beim „Wetter vor acht“ – pardon – beim ARD-Wetter in der Nacht sind. Ganze 132 Minuten lang wird die Partie Frankreich gegen den Irak (3:0/Abpfiff: gegen 3 Uhr dt. Zeit!) wegen eines kreisenden Unwetters zur Halbzeit unterbrochen. Zuschauer werden evakuiert, TV-Reporter zu Alleinunterhaltern in Schutzfolie. Ungewissheit pur. Am Ende wird es ein Fest für die Nachteulen vor der heimischen Glotze.Lesen Sie auchWeil Tom Bartels (60/„Hier blitzt gar nichts mehr!“) und Thomas Hitzlsperger (44) als routiniertes Kommentatoren-Duo im Stadion sowie der starke Newcomer-Moderator Malte Völz (31/früher Animateur), Experte Robin Gosens (31/AC Florenz) und teils Schiri Lutz Wagner (63) im Studio extrem gechillt bleiben. Keine Hektik, stattdessen frischer Sprech und gute Unterhaltung. Kleine Sofa-Runde, große Wirkung …Der Spontan-Mix aus Humor und Information macht Bartels, Völz und Co. dabei wechselweise zu Gewitter-Forschern, Gefahren-Suchern, Rettungsschwimmern, Bierpreis-Analysten und Infantino-Kritikern. Sollten die Fußball-Süchtigen Reif und Jauch („Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben. Das erste Tor ist schon gefallen!“) nicht live zugeschaut haben – klare Nachguck-Empfehlung in der ARD-Mediathek!Völz: „Jetzt ist der Fleck auf der Linse wieder da – das ist Wischen impossible!“ Wenn Menschen eine Kameralinse putzen und das Begleitgespräch dazu ähnlich unterhaltsam ist wie Mbappé-Tore, bleibt es in Erinnerung! Ähnlich wie Irak-Profi Merchas Doski (26) von dem Bartels zu berichten weiß, dass er früher auf deutschen Baustellen malocht hat. Herrlich, darauf ein Frühstücksbrötchen mit Maurer-Marmelade (Mett)!▶ Dialog der verregneten Nacht:Hitzlsperger (ironisch): „Wo ist Gianni Infantino, wenn man ihn wirklich braucht?“Bartels: „Über Wasser gehen kann er noch nicht. Selbst Infantino kann nicht alles möglich machen – das Wetter kaufen kann er nicht!“Lesen Sie auchHitzlsperger: „Daran wird er jetzt sicher arbeiten.“(...) Bartels: „Die Fifa hat entschieden, heute wird es keine Trinkpausen mehr geben!“Am Ende bleiben von 7,2 insgesamt 2,3 Mio. Zuschauer an den Geräten kleben. Kein Zufall! Rausschmeißer „Hitz the Weatherman“: „Es ist Zeit, dass es endlich weitergeht. Sie haben DJ Ötzi aufgelegt.“ Danke für die schlaflose Nacht!
TV-Kritik: „Unten durch, nicht dass man Dein Gesicht sieht! Unten durch!“ - WELT
Über Philadelphia zieht ein Gewitter, und das ARD-Team läuft zu Höchstform auf. Im Stadion und im Studio. Das war die unterhaltsamste TV-Nacht der Weltmeisterschaft.













