Branchenvertreter schlagen Alarm. „Das kann noch richtig heftig werden. Die Sommersaison beginnt jetzt erst“, sagte ein Airline-Manager. Der Druck auf die EU-Kommission, gegenzusteuern, wächst.Der deutsche Verband der ausländischen Fluggesellschaften (Barig) hat gemeinsam mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport einen Brief an das Bundesinnenministerium geschrieben. Darin ist von Wartezeiten in Frankfurt von bis zu zweieinhalb Stunden die Rede. „Daraus ergeben sich unmittelbare Auswirkungen auf die Stabilität des Hubsystems.“ Hub ist der Fachbegriff für einen Drehkreuz-Flughafen. Es komme zu negativen Effekten bei der Pünktlichkeit, verpassten Anschlüssen, zurückgelassenem Gepäck und negativen Kundenrückmeldungen, schreiben die Autoren.Was im Sommer passieren kann, zeigt ein Vorfall bei der britischen Billiggesellschaft Easyjet im April. Auf einem Flug von Mailand nach Manchester musste die Fluggesellschaft mehr als 100 Passagiere zurücklassen. Einige warteten in einer Schlange so lange wegen der neuen Ein- und Ausreiseregeln, dass sie Kreislaufprobleme bekamen, berichtete damals der britische Sender BBC. Ein Passagier habe sich übergeben müssen.Was ist EES?Die EU-Kommission will die manuelle Kontrolle bei der Ein- und Ausreise und das obligatorische Stempeln des Passes durch einen automatischen Prozess ersetzen. Das Verfahren gilt für alle Bürgerinnen und Bürger, die keinen Pass aus einem der 27 EU-Mitgliedsländer oder einem der vier assoziierten Schengen-Länder (Island, Norwegen, Schweiz, Liechtenstein) besitzen und die für maximal 90 Tage pro Aufenthalt in den Schengen-Raum einreisen wollen. Der Prozess läuft folgendermaßen:Reisende müssen sich zu einem speziellen Automaten, auch Kiosk genannt, begeben. Dort wird ihr biometrischer Ausweis ausgelesen. Es werden Bilder vom Gesicht gemacht und Fingerabdrücke genommen. Alle diese Daten werden in einem System gespeichert. Danach geht es zur eigentlichen Grenzkontrolle. Dort werden die Daten mit der Person abgeglichen und der Reisende kann passieren, sofern nichts gegen seine Ein- oder Ausreise spricht.Das System wurde ab dem vergangenen Oktober schrittweise eingeführt, seit dem 10. April ist es vollständig in Betrieb und muss bis September komplett umgesetzt werden. Eigentlich soll es die Ein- und Ausreise vereinfachen und beschleunigen. Doch in der Praxis zeigen sich die Schwächen.So berichteten die Fluggäste des erwähnten Easyjet-Fluges von zähen Abläufen an den Automaten. In dem Schreiben, das Barig und Fraport verfasst haben, ist von Prozesszeiten die Rede, die pro Gast bis zu fünf Minuten dauern können. Das klingt erst einmal wenig. Aber „in der Folge entstehen bereits heute erhebliche Wartezeiten“, heißt es in dem Brief.
Tourismus: Das neue EU-Einreisesystem verursacht Chaos
Fluggesellschaften und Fluggäste aus dem EU-Ausland kämpfen mit den Folgen des Grenzkontrollsystems EES. Reisende verpassen ihren Flug, Gepäck bleibt zurück. Die Branche schlägt Alarm.








