PfadnavigationHomeReiseTierische Begegnungen in den BergenWenn Kühe „auf Krawall gebürstet sind“ – und wie Wanderer sich dann schützenVon Tom NebeStand: 15:37 UhrLesedauer: 4 MinutenKuh am Wegesrand: Mit Ruhe und Abstand bleibt die Begegnung in guter ErinnerungQuelle: Tom Nebe/dpa-tmnRinder gehören zur Alpenidylle wie Berge und Hütten. Sie sind coole Fotomotive, die stillhalten. Aber man sollte den Tieren nicht auf die Pelle rücken. Denn das Vieh lässt sich provozieren.Wanderwege in den Bergen führen oft über Almen. Und manchmal versperrt da jemand Stoisches den Weg: eine Kuh. Und wenn sie nur den Kopf wiegt und sonst bewegungslos verharrt – nicht ausgeschlossen, dass sich das Tier gestört oder provoziert fühlt. Zum Glück können Wanderer sich in solchen Situationen besonnen verhalten, damit Gefahr erst gar nicht aufkommt. Die wichtigsten Fragen und ihre Antworten:Wo trifft man auf Tiere?Rinder weiden oft in leichter erreichbaren Gegenden, durch die auch viele Wege führen. Dann kann es zu Begegnungen kommen. „Almen sind primär Weidegebiete, dementsprechend ist wahrscheinlich, dort auf Vieh zu treffen“, sagt Judith Haaser von der Landwirtschaftskammer des österreichischen Bundeslandes Tirol.Allein in Tirol werden rund 110.000 Rinder, 68.000 Schafe, 3.000 Pferde und 6.000 Ziegen „gealpt“, wie es in der Fachsprache heißt. Das heißt, sie leben im Sommer in den Bergen.Lesen Sie auchDer Almauftrieb, wenn die Tiere aus den Tälern auf die Bergweiden gebracht werden, ist je nach Region zwischen Anfang Mai und Ende Juni – am häufigsten rund um Pfingsten.Wie hoch ist das Risiko?Es passiert äußerst selten, doch Kühe haben Wanderer in der Vergangenheit schon angegriffen und schwer oder tödlich verletzt. 2024 wurde eine Wanderin im Schlossalmgebiet im Salzburger Land von einer Rinderherde niedergetrampelt.Lesen Sie auchSolche tragischen Fälle machen deutlich, welche Wucht die Tiere entwickeln können. Und dass man das nicht unterschätzen darf.Jeder Unfall sei einer zu viel. Zugleich sagt Haaser: „Wenn man allerdings bedenkt, wie viel Vieh und wie viele Menschen sich auf den Almen tummeln, ist die Zahl der Zwischenfälle glücklicherweise sehr gering.“„Leider merken wir immer wieder, dass der Respekt vor Rindern fehlt.“ Haaser schildert, dass in sozialen Netzwerken Bilder von Kindern zu sehen sind, die von ihren Eltern auf eine Kuh gesetzt wurden.Doch eine Alm ist kein Streichelzoo. Man müsse sich an Regeln halten und schlaumachen. In den Wandergebieten gibt es Flyer und Schilder zum korrekten Verhalten.Welche Verhaltensregeln sind wichtig?„Wichtig ist, Tiere nicht zu provozieren, nicht versuchen zu streicheln und einfach generell Abstand zu halten“, sagt Haaser. Tatsächlich sind Rinder meist friedlich. Wer die Almen ruhig und ohne hektische Bewegungen auf den markierten Wegen durchschreitet, macht laut Deutschem Alpenverein alles richtig.Weil Rinder sich um deren Verlauf nicht scheren, blockieren sie auch mal Wege. Dann sollte man einen Bogen um sie machen. Wichtig ist, die Rinder nicht zu erschrecken. Und man sollte sie nicht mit den Augen fixieren.Wann ist besondere Vorsicht geboten?Vor allem bei Kühen mit Nachwuchs. Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt und wollen ihre Kälber vor Gefahren schützen, heißt es auf dem Portal sichere-almen.at, das vom österreichischen Landwirtschaftsministerium verantwortet wird. Hier gilt umso mehr: nicht stören, nicht streicheln.Lesen Sie auchUnd vor allem mit Hunden vorsichtig sein: Mutterkühe nehmen sie oft als Bedrohung wahr. Mit Hunden sollten Herrchen oder Frauchen Kuhweiden nicht queren, sondern Wege suchen, die um sie herumführen. Geht es nicht anders, sollte man den Hund an der kurzen Leine führen. Bei einem Kuhangriff gilt aber: sofort die Leine loslassen.Gibt es Warnzeichen?Wirken Kühe unruhig, sollte man die Weidefläche zügig verlassen. Es sei in der Regel bereits von Weitem zu erkennen, ob Kühe „auf Krawall gebürstet“ seien, so der Deutsche Alpenverein. Das Senken des Kopfes, Scharren, Brüllen oder Schnauben sind typische Drohgebärden.Nähert sich eine Kuh, gilt der Rat: ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen. Im „alleräußersten Notfall“ kann man der Kuh auf die Nase schlagen, heißt es vom Alpenverein. Zum Beispiel mit einem Wanderstock.Und was ist mit anderen Tieren?In erster Linie trifft man bei Bergwanderungen auf Rinder und nur gelegentlich auf Ziege und Schafen, wie Julian Rohn vom Deutschen Alpenverein berichtet. Die Verhaltensregeln seien aber für alle Tiere gleich: Abstand halten und Weidegebiet ruhig und zügig durchqueren.dpa/srw