Die Vespa ist 80 Jahre alt geworden, und sie feiert natürlich in Rom, wo auch sonst. Die Stadt und der Roller gehören unbedingt zusammen. Schuld sind Hollywood und Netflix und ein alltägliches Verkehrschaos, das sich gewaschen hat. Wer mal im Berufsverkehr in Rom unterwegs war, versteht sofort, warum es von enormem Vorteil ist, wenn man sich mit einem kleinen zweirädrigen Gefährt zwischen stehenden Blechkarossen nach vorn durchschlängeln kann.Diesen Samstag wird das nicht nötig sein. Denn dann werden Tausende Vespa-Fans in einer Parade durch die Stadt fahren, auf Modellen aus acht Jahrzehnten – und natürlich auf eigens abgesperrten Straßen. Schon Tage vorher werden die Vespisti in der Stadt erwartet. Im Foro Italico, der einst von den Faschisten errichteten Sportstätte, entsteht ein „Vespa Village“ mit Ausstellungen und Musik. Der Hersteller Piaggio jubelt, Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri ebenso, schließlich hätte man auch einfach in Pontedera in der Nähe von Pisa feiern können, wo die Vespa 1946 erfunden wurde und zumindest teilweise immer noch produziert wird.Vacanze Romane, römische Ferien also, mit Gregory Peck und Audrey Hepburn, der deutsche Titel klingt sehr viel uncharmanter: Ein Herz und eine Krone. imago images/Everett CollectionBei der Gelegenheit erinnert der Bürgermeister auch wieder einmal daran, wie wichtig das Kino dafür war, dass aus Rom und Vespa ein Match made in heaven wurde. Da war ja nicht nur „Vacanze romane“, auf Deutsch „Ein Herz und eine Krone“, im Jahr 1953. Der Film also, der die damals noch sehr junge Vespa in einer großen Rolle auf die Leinwand brachte und bewirkte, dass heute kaum ein Vespa-Bericht ohne Audrey Hepburn auskommt. Da war aber auch „Caro diario“, in dem Nanni Moretti 40 Jahre später beeindruckend freihändig durch das menschenleere Rom eines Augusttages fuhr und dazu Leonard Cohen singen ließ. Und wer sich die Netflix-Serie „Emily in Paris“ anschaut, die zeitweise nach Rom verlagert wurde, stellt fest: Vespa zieht noch immer.Für Italien ist die Vespa ein Nationalsymbol. Eine italienische Ikone, nicht nur praktisch, sondern auch elegant und lässig. Die Vespa ist genauso alt wie die italienische Republik. Man möchte ihr nicht attestieren, dass sie sich besser gehalten hat, aber sie hat sich nicht allzu oft gewandelt, was sich von der Republik wiederum nicht sagen lässt. Vor allem aber können sich auf die Vespa so ziemlich alle in Italien einigen. Und das, wo sich doch sonst um alles Lager bilden und über alles debattiert wird, vom Prosciutto bis zur Verfassung.Vor 80 Jahren, in der kargen Nachkriegszeit, war die Vespa das Versprechen auf ein besseres Leben. Sie stand für Freiheit, auch die weibliche, und sei es nur, weil man beim Vespa-Fahren problemlos lange Kleider und Röcke tragen kann. Und sie stand lange für Jugendlichkeit. Ganz besonders ein Vespa-Modell: die Cinquanta Special. 1999 sang die italienische Band Lùnapop im gleichnamigen Song von der Vespa, die „dich von deinen Problemen befreit“. Womöglich läuft es in der Schule nicht, und man hat keine Freundin, so heißt es im Lied, aber immerhin eine Vespa, mit der man zur nächsten Party fahren kann und raus aus der Stadt.Verbeulter Charme: Vespas sehen einfach immer lässig aus, ganz unabhängig von ihrem Zustand. Manfred Segerer/ImagoEin Cinquantino, also ein 50er, war mal der Traum vieler Jugendlicher. Es konnte eine Vespa sein oder ein anderes Modell von Piaggio, später dann von Aprilia oder Yamaha. Man konnte so ein Moped schon mit 14 Jahren fahren und brauchte keinen Führerschein. Doch die Zeiten sind vorbei. Seit Jahren sinken die Verkaufszahlen für Cinquantini, berichtet die Associazione Nazionale Ciclo Motociclo Accessori. Das liegt an gestiegenen Versicherungs- und Energiekosten, an mehr Umweltbewusstsein, vor allem aber an der Konkurrenz durch E-Bikes und E-Scooter.Geschadet hat das der Marke Vespa bisher nicht wirklich. Seit Jahren wird sie als Lifestyleprodukt vermarktet, das Zielpublikum ist längst internationaler. Und schaut man sich auf Roms Straßen um, sieht man auf den Vespas Touristen in Shorts, Damen in hohen Schuhen, auf ausgebeulten Modellen auch Männer mit Handwerkerhänden. Wer heute Vespa fährt, mag sich frei und wild und jung fühlen – ist aber ziemlich sicher: reichlich erwachsen.