Ob Janis Joplin, Bruce Springsteen oder Whitney Houston. Clive Davis wusste, welcher Song zu welcher Stimme passtEr war selber kein Musiker. Als Manager und Produzent von zahllosen Stars aber hat Clive Davis die amerikanische Pop-Musik mitgeprägt. Am Montag ist er 94-jährig gestorben.23.06.2026, 14.41 Uhr4 LeseminutenClive Davis: ein Leben an der Spitze der amerikanischen Musikindustrie.Casey Curry / APSein musikalisches Können war speziell und manifestierte sich spät. Dann allerdings rasch mit erstaunlicher Kraft und gewinnbringender Permanenz. Clive Davis glänzte weder als Virtuose auf einem Instrument noch als Komponist oder Songwriter. Selbst als Produzent im Studio blieb er Mikrofonen und Mischpulten später zumeist fern. Dafür hatte er ein geradezu magisches Ohr – «a golden ear», wie es später hiess.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Unabhängig von Genres und Traditionen spürte er, welche Talente und welche Songs das breite Publikum in ihren Bann ziehen konnten. Diesem Instinkt verdankte Clive Davis, der am Montag 94-jährig gestorben ist, seine glamouröse, zuweilen auch wechselhafte Karriere im amerikanischen Musikbusiness.Das Schicksal schien ihm zunächst einen ganz anderen Weg vorzuzeichnen. Geboren 1932 in Brooklyn als Sohn jüdischer Eltern, mochte er sich als Kind für Broadway-Shows begeistert haben. Sein Bildungsweg aber führte nicht ins Theater oder in die Musik, sondern über Politologie und Rechtswissenschaft in den Beruf eines Juristen. 1960 übernahm er eine Anwaltsstelle bei CBS Records, wo er sich über die Jahre langsam emporarbeitete, bis er 1967 zum Chef des Labels avancierte.Die Entdeckung von Janis JoplinErst jetzt entfaltete sich sein musikalisches Engagement. Ein erstes Mal bewährte es sich in der Zusammenarbeit mit der Blues- und Rocksängerin Janis Joplin. Als er sie 1967 live am Monterey Pop Festival gehört hatte, bot er der jungen Künstlerin gleich einen Vertrag bei CBS an. Es folgten weitere Verträge, unter anderem mit Carlos Santana, Aerosmith, Bruce Springsteen, Blood, Sweat and Tears, Chicago. Immer wieder gelang es dem Anwalt, der sich von den langhaarigen Musiker-Freaks durch seine Stirnglatze und seine adretten Anzüge abhob, die Nachwuchskünstler in internationale Karrieren zu katapultieren.Clive Davis wurde zum Inbegriff eines «A&R-Managers» – die Abkürzung steht für «artists and repertoire» und bezeichnet die zentrale Abteilung jeder Plattenfirma. Er hat in seiner Karriere nicht einfach Talente entdeckt. Vielmehr hat er sich stets gefragt, mit welchen Songs den Talenten der Durchbruch gelingen könnte. Simon & Garfunkel überzeugte er 1970 davon, «Bridge over Troubled Water» als Single zu veröffentlichen – prompt wurde ein Hit daraus. Und als Bruce Springsteen dem Mentor das Menu für das Debütalbum «Greetings from Asbury Park, N. J.» (1973) vorstellte, fehlte diesem noch ein hitverdächtiger Titel. Erst jetzt schrieb Springsteen «Blinded by the Light».Je länger, desto mehr aber kümmerte sich Clive Davis auch um die Rechte an Liedern bedeutender Songwriter (wie zum Beispiel Gamble und Huff), die er dann seiner Imagination entsprechend auf Schützlinge wie Barry Manilow verteilte. Der Crooner und Frauenschwarm war etwas indigniert, weil er sich selber als Singer-Songwriter verstand, landete aber dank Clive Davis einen Hit nach dem anderen.Es scheint, dass Clive Davis mit der Zeit versucht hat, mehr Einfluss auf die Künstler auszuüben. Selbstbewussten Künstlern wie Patti Smith überlasse er alle Freiheiten, bei jungen Pop-Stars sei es manchmal wichtig, sie auf die richtige Bahn zu bringen, erklärte er später in einem Interview mit der Zeitschrift «Variety». Clive Davis’ Einfluss auf künstlerische Prozesse war freilich typisch für die Musikindustrie, wo die Vertreter der Major-Labels letztlich die wichtigen Entscheidungen trafen.Clive Davis überzeugte die meisten Musiker durch seinen naiven Charme. Auch Whitney Houston, die er 1983 entdeckte, hat sich nie über ihn beschwert. Auch nicht über seine Idee, ihren Gospelgesang einem breiten weissen Publikum anzupassen, indem man die schwarzen Rhythmen und Sounds bleichte in seichten Aufgüssen. Aber manchmal verlief eine Zusammenarbeit auch konfliktreich. Die Pop-Sängerin Kelly Clarkson warf Clive Davis künstlerische Übergriffe vor. Er habe ihren Song «Because of You» (2007) wörtlich als «shit» bezeichnet und den Erfolg ihres Albums «My December» gebremst.Turbulenzen in der KarriereDass Clive Davis den einen oder anderen Karriereknick erleben musste, hatte mit künstlerischen Konflikten nichts zu tun. 1973 wurde er bei CBS von einem Tag auf den andern entlassen. Der Vorwurf, Geld für private Zwecke hinterzogen zu haben, konnte indes nie bewiesen werden. Nach dem Rauswurf gründete Davis das Label Arista Records, mit dem er abermals Grosserfolge feiern konnte dank Stars wie Barry Manilow, Whitney Houston, Aretha Franklin.Clive Davis hat sich bis ins hohe Alter für musikalische Trends interessiert.Marty Reichenthal / APArista Records wurde 1979 vom deutschen Entertainment-Major BMG übernommen. Im Jahre 2000 schien der damals 68-jährige Musikproduzent der BMG-Führung zu alt. Er wurde zunächst als Chef entlassen. Weil er aber mit seiner nächsten Labelgründung J Records abermals sehr erfolgreich war – vor allem dank Alicia Keys und neuen Santana-Hits wie «Smooth» –, wurde er vom Konzern (unterdessen Sony/BMG) zurückgeholt.Bis zu seinem Tod hat der Elder Statesman der Musikindustrie seinen Sinn für junge Trends bewiesen: Ob Rock’n’Roll, R’n’B, Country oder Hip-Hop: Mit seinem Ohr machte Clive Davis stets neue musikalische Goldgruben aus.Passend zum Artikel
Clive Davis: Visionär hinter den größten Hits des Pop gestorben
Er war selber kein Musiker. Als Manager und Produzent von zahllosen Stars aber hat Clive Davis die amerikanische Pop-Musik mitgeprägt. Am Montag ist er 94-jährig gestorben.










