Für Chemnitz wie gemacht: Das Festival Theater der Welt bringt 33 internationale Produktionen in eine Stadt, die Aufmerksamkeit braucht.

Vor dem Opernhaus in Chemnitz liegt ein großer Platz. Männer in dunklen Anzügen umschreiten ihn, während die ersten Besucher zum Festival Theater der Welt kommen. Es ist sehr heiß. Sind das Securityleute? Oder kommt hier gleich eine politische Demonstration? Sehen ihre Undercuts und Bärte nicht verdächtig aus? Die Männer gruppieren sich auf den Stufen und beginnen zu brüllen, die Körper angespannt, die Hälse dick, die Köpfe vorgeneigt, als gelte es, Wut und Zorn herauszuschleudern.

Aber! Da steht ein Dirigent. Rhythmus etabliert sich, das klingt dada, Textzeilen werden erkennbar, „Freude schöner Götterfunken“. Ah, das ist der finnische Männerchor Mieskuoro Huutajat (Schreichor). Er kommt aus Oulu, dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas. Vergangenes Jahr trug Chemnitz den Titel. So stiftet der Chor eine Verbindung zwischen dem Jahr als Kulturhauptstadt und dem diesjährigen Festival Theater der Welt in Chemnitz.

Gleich die erste Performance führt weit weg. „Split Tooth: Saputjiji“ von der kanadischen Künstlerin Tanya Tagaq, Sängerin, Autorin und Komponistin, spielt in der Welt und den Mythen der kanadischen Inuit. Die Stimmen von Tanya Tagaq und weiteren Sängerinnen summen, knarzen, knurren.