Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt lobt die Ankündigung der Stadt, den Frankfurt Marathon von 2029 an über ein Ausschreibungsverfahren zu vergeben – und fordert, dass das Sportereignis schon für 2027 und 2028 nach denselben transparenten Spielregeln vergeben wird.„Wer öffentlichen Grund und städtische Infrastruktur nutzt, sollte sich dem Wettbewerb stellen“, teilte IHK-Präsident Ulrich Caspar mit. „Kein Veranstalter hat ein Anrecht auf eine Dauervergabe, das gilt auch für so traditionsreiche Veranstaltungen wie den Frankfurt Marathon. Warum eine mögliche Neuvergabe erst ab 2029 möglich sein soll, ist aus Sicht der Wirtschaft allerdings nicht nachzuvollziehen.“Die Stadt hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass sie eine Ausschreibung für den ältesten Stadtmarathon Deutschlands in Gang bringen wolle. Nachdem es im vergangenen Vierteljahrhundert keinen Mitbewerber für die ausrichtende Agentur Motion Events gegeben hatte, meldete nach dem Verkauf von Motion Events an die London Marathon Investments im Frühjahr die neu gegründete Frankfurter Sportagentur ihr Interesse mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister und Sportdezernenten Mike Josef (SPD) an. Zudem gibt es mindestens einen weiteren Interessenten, die französische Agentur ASO.„Wettbewerb führt zu besseren Ergebnissen“Die Stadt hält allerdings eine Ausschreibung erst für den Lauf im Jahr 2029 für möglich, die Sportagentur um den Zehnkämpfer Andreas Bechmann dringt hingegen auf eine frühere Bewerbungschance. Zu ihren Unterstützern zählt nun offenbar außer diversen lokalen Akteuren aus dem Sport wie der Eintracht und dem Sportkreis Frankfurt auch die IHK.Die IHK Frankfurt will nach eigener Darstellung eine Grundsatzdebatte rund um die Vergabe des Marathons anstoßen: Wettbewerb um die Ausrichtung öffentlichkeitswirksamer Großveranstaltungen führe zu besseren Ergebnissen für den Wirtschaftsstandort, die Veranstaltungsqualität und den Steuerzahler. Ein klar definiertes Kriteriensystem schütze die Interessen aller Beteiligten; sportliche Qualität, wirtschaftliche Wertschöpfung für die Region und langfristige Veranstaltungsstrategien könnten transparent gegeneinander abgewogen werden. Ohne ein schnelles und sauberes Verfahren drohten zudem wie etwa zuletzt in München Rechtsstreitigkeiten, die alle belasteten.Motion Events organisiert den Marathon, der dieses Jahr wie gewohnt am letzten Sonntag im Oktober stattfindet, seit 25 Jahren. Da es seither keinen einzigen Mitbewerber gab, wurde der Marathon stets allein auf eine Anmeldung der Veranstaltung hin organisiert, Motion Events kümmerte sich um Sponsoren, unterstützende Dienstleistungen stadtnaher Betriebe und einen städtischen Zuschuss von zuletzt 410.000 Euro, ohne den eine solche Veranstaltung nicht rentabel zu organisieren wäre. Frankfurt erhält als Gegenleistung Sichtbarkeit auch durch die Fernsehliveübertragung des Laufs. Hinzu kommt die Wertschöpfung durch die Ausgaben der rund 20.000 Teilnehmer und weit über 100.000 Zuschauer an der Strecke.