Die Tochter am Telefon, sie sei gut angekommen im Urlaubsdomizil, Eltern sind dankbar für eine kurze Nachricht nach der langen Reise. Mit gewisser Begeisterung berichtet sie, sie seien mit einer einzigen Tankfüllung ausgekommen. Von München an die Côte d’Azur, 1050 Kilometer. Noch 150 Kilometer im Reservoir. Durch Italien und die Schweiz liegt die Kraft in der Ruhe, der Lohn: 4,6 Liter Durchschnittsverbrauch. Das Fahrzeug des jungen Paares ist ein BMW 316 Diesel Kombi, zehn Jahre alt.Im Testfuhrpark der Redaktion fährt just in diesem Moment ein CX 60 von Mazda der neuesten Generation. Die Japaner stellen sich gegen den Trend, man würde wohl Mainstream dazu sagen können, und legen einen Sechszylinderdiesel frisch auf. Der hat es mit einem ausgewachsenen SUV zu tun, wir waren auf flotter Fernfahrt mit ihm und pendeln zwischen Homeoffice und Officeoffice. Das Verbrauchsprotokoll weist Stand jetzt einen Verbrauch von 5,6 Litern im Durchschnitt aus.Es wird betankt mit HVO 100Bei den lieben Kollegen aus der Wirtschaftsredaktion lesen wir, dass der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Christian Hirte sich einen Dienstwagen mit Dieselmotor zugelegt hat. Da fällt uns fast die Zeitung aus der Hand, andere würden sagen, das ist doch aus der Zeit gefallen. Offenbar ganz und gar nicht, der Mann, besser gesagt sein Auto, ist Teil einer Versuchsreihe von BMW. Es wird betankt mit HVO 100, hydriertes Pflanzenöl aus biologischen Reststoffen und Abfällen. Herauszufahren gilt, wie positiv die CO₂-Bilanz ist, ob sie inklusive Herstellung womöglich positiver ist als die eines Elektroautos.Spricht das gegen die Entwicklung des Elektroautos? Überhaupt nicht. Es spricht für Offenheit, für Vertrauen in technischen Fortschritt. Deutschland, Europa, hat den Diesel kaputtgeredet. Ob das schlau war? Es ist jedenfalls interessant, wenn Ideologie auf Realität prallt. Da kommen manchmal recht erstaunliche Ergebnisse heraus.
Politiker Hirte fährt mit Diesel: Versuchsreihe HVO 100
Da legt sich ein Staatssekretär doch glatt einen neuen Diesel zu. Die eigene Tochter bejubelt Knausrigkeit. Waren wir nicht sicher, dass der Diesel des Teufels ist?







