PfadnavigationHomePolitikDeutschland„Sea Tiger“Neue Helis für Deutsche Marine – „Wenn wir ein U-Boot orten, hat es keine Chance, zu entkommen“Stand: 11:40 UhrLesedauer: 3 MinutenDer Bordhubschrauber NH-90 MRFH Sea Tiger der Deutschen MarineQuelle: picture alliance/Metodi Popow/M. PopowDeutschlands neuer Marinehubschrauber soll U-Boote aufspüren und bekämpfen. Der NH-90 MRFH „Sea Tiger“ löst den „Sea Lynx“ ab und stärkt die Flotte. Nun kam er erstmals in einer Übung zum Einsatz.Die Deutsche Marine hat erstmals ihren neuen Hubschrauber NH-90 MRFH „Sea Tiger“ bei der Nato-Übung „Baltops“ in der Ostsee eingesetzt. „Das ist etwa so, als wenn man von einem alten Golf auf einen neuen Tesla umsteigt, nur eben mit hochmodernen Waffen“, zitiert „Focus online“ einen anonymisierten Marinepiloten während der Übung. An der „Baltops“-Übung Anfang Juni nahmen zuletzt rund 6000 Soldaten aus 15 Nationen mit 20 Schiffen unter der Führung der US Navy teil. Die Deutsche Marine beteiligte sich mit der Fregatte „Sachsen-Anhalt“, den Korvetten „Braunschweig“ und „Erfurt“, U-Boot „U 34“ sowie einem Seefernaufklärer P-8A Poseidon. Der Mehrzweckhubschrauber „Sea Tiger“ soll künftig die U-Boot-Abwehr der Marine deutlich stärken und den bisherigen „Sea Lynx“ schrittweise ersetzen, der seit 1981 bei der Marine im Einsatz ist und über Jahrzehnte als Rückgrat der U-Boot-Jagd und der Überwasserseekriegsführung galt. Bislang wurden demnach zwei „Sea Tiger“ an das Marinefliegergeschwader 5 in Nordholz ausgeliefert, insgesamt sollen bis 2030 insgesamt 31 Maschinen beschafft werden.Die Marine bezeichnet die Einführung als „technologischen Meilenstein für die U‑Boot‑Jagd und die Seekriegsführung aus der Luft“. Der Hubschrauber soll die Fregatten der Marine deutlich schlagkräftiger machen und zugleich zur maritimen Abschreckung beitragen. Denn der „Sea Tiger“ kann sowohl gegnerische U-Boote aufklären als auch unmittelbar bekämpfen – der grundlegende Unterschied zum bisherigen „Sea Lynx“. „Seit 15 Jahren beobachten wir, dass die Russen ihre Marine kontinuierlich aufrüsten. Der ‚Sea Tiger‘ ist eine schlagkräftige Antwort darauf“, wird der 45-Jährige weiter zitiert.„Sea Tiger“ verfügt über ein spezielles TauchsonarZur U-Boot-Ortung verfügt der Hubschrauber über Sonarbojen sowie ein Tauchsonar der neuesten Generation, das unter die sogenannte Sprungschicht abgesenkt werden kann – eine Wasserschicht, die Schallwellen reflektiert und die Ortung von U-Booten erschwert. „Vom ‚Tiger‘ können wir aus einer Höhe von 60 Metern einen Tauchsonar mit hochmoderner Sensorik unter diese Schicht sinken lassen, ohne dass ein feindliches U-Boot uns sieht“, erklärt der Pilot. „Wenn wir ein U-Boot geortet haben, hat es keine Chance, zu entkommen.“ Zusätzlich verfügt der „Sea Tiger“ über hochauflösende Wärmebildkamera sowie Lasertechnik zur Zielaufklärung. Lesen Sie auchZur Bewaffnung gehören unter anderem MU90-Torpedos, die nach dem Abwurf eigenständig ihr Ziel verfolgen. Neben der U-Boot-Abwehr kann der Hubschrauber auch Überwasserziele bekämpfen. Dafür steht ihm der Seezielflugkörper „Marte ER“ mit einer Reichweite von mehr als 100 Kilometern zur Verfügung. Zudem verfügt der „Sea Tiger“ über eine Reichweite von rund 900 Kilometern und eine Flugzeit von bis zu 4,5 Stunden.Während der Nato-Übung kam es nach Angaben des Piloten zudem zu einer Begegnung mit russischen Militärflugzeugen. „Ich hatte den ‚Sea Tiger‘ gerade auf dem Deck der ‚Sachsen-Anhalt‘ aufgesetzt, da schossen in einer Höhe von 150 Metern zwei russische Su-27 ,Flanker‘ direkt über unsere Köpfe hinweg. Die Rotorblätter des Hubschraubers drehten sich noch“, berichtete der Pilot demnach. Bei der Suchoi Su-27 „Flanker“ handelt es sich um einen zweistrahligen russischen Kampfjet zur Luftraumüberwachung und Luftverteidigung.Zwar seien derartige Annäherungen zwischen Militärflugzeugen nicht ungewöhnlich. Allerdings beobachte er seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine eine Veränderung des Verhaltens russischer Piloten. „Das gibt einem nach dem russischen Überfall auf die Ukraine natürlich zu denken. Die Flugweise ist deutlich aggressiver geworden“, sagte er.Nach Angaben der Marine laufen derzeit weitere Test- und Erprobungsflüge. Der Pilot zeigte sich zuversichtlich, dass der neue Bordhubschrauber bald vollständig einsatzfähig sein wird. „Bei Baltops sind in den letzten zwei Wochen jede Menge Flugstunden dazugekommen. Das lässt den vollständigen Einsatz einen großen Schritt nach vorne rücken.“kami mit dpa