Zwei neue Bücher hat Wilhelm Schmidt-Biggemann in seinem achten Lebensjahrzehnt verfasst: zum einen „Der Dämon des 19. Jahrhunderts. Anatomie eines überforderten Säkulums“ (2021). Der Band ist eine ambitionierte Abrechnung mit dem 19. Jahrhundert, sofern sich hier im darwinistischen Register ein Absolutismus des Naturalismus Bahn brach. Kernthese: Eine neue Variante von Heilsgeschichte kam zum Zug, während sie für überwunden ausgegeben wurde. In der polemischen Zuspitzung darf das Buch dem Genre Pamphlet zugerechnet werden, in der Rolle des Dämonenaustreibers tritt Schmidt-Biggemann als Aufklärer hervor.Das zweite Buch heißt „Gott, versuchsweise. Eine philosophische Theo-Logie“. Der Religionsphilosoph Thomas Brose, Präsident der Guardini-Stiftung, hat schon darauf hingewiesen, dass der Titel auf kurzem Weg zu Blaise Pascal führt, zu dessen Fragment „Die Wette“, derzufolge Gewinn und Verlust der Gottesthese zu verrechnen seien. Bleibt man im experimentellen Modus – im „versuchsweise“ – geht die Rechnung auf, so versteht man Schmidt-Biggemann.Der Gewinn, der damit verbunden ist, die Gottesthese zu bejahen, steht demnach in keinem Verhältnis zum Verlust, wenn man sie verneint. Es ist so oder so ein offenes Spiel, sofern wir am Absoluten nur durch den „Terror der Kontingenz“ teilhaben: „Der Absolutismus der Realität“, so schreibt der Schüler Hans Blumenbergs, im Stil so hell und opak wie sein Lehrer, „besteht nämlich wesentlich im Terror der unausweichlichen Zukunft, in der Unsicherheit, die durch Kontingenz ausgelöst wird“. Eine andere Frage ist, ob sich gläubige Existenz in der Verhaltensweise des „Als ob“ führen lässt. Glaubenszweifel können mutmaßlich nur durchgefochten werden von der Position eines Glaubens her, der sich selber als nicht hypothetisch versteht. Derartige epistemische Vorkehrungen klingen im Buch an, ohne ausgeführt zu werden.Das Theologumenon des Teufels holt Schmidt-Biggemann in seinem Büchlein im Genre der Mustergeschichte ein und findet angesichts der disparaten Zeugnisse diabolischer Effizienz: „Die Mustergeschichte des Teufels ist keine schöne Literatur.“ Am 23. Juni wird der langjährig an der Freien Universität Berlin beheimatete Philosoph achtzig Jahre alt.
Religionsphilosoph Wilhelm Schmidt-Biggemann wird achtzig
Die Mustergeschichte des Teufels ist keine schöne Literatur: Der Religionsphilosoph Wilhelm Schmidt-Biggemann wird achtzig.






