PfadnavigationHomeReise„Self-Guided Tour“ in GriechenlandLässt sich das Gipfelglück mit einer Wander-App finden?Von Silvia StammerStand: 06:52 UhrLesedauer: 7 MinutenWeitblick: Eine Wanderin auf Hydra, im Hintergrund das Elias-Kloster Quelle: Silva StammerDie beiden Inseln Hydra und Poros sind nur eine Fährstunde von Athen entfernt, aber eine andere Welt. Sie ganz auf eigene Faust erkunden? Ein kleines Abenteuer. Zum Glück aber gibt es den kundigen Begleiter für die Hosentasche: Selbstversuch mit dem Smartphone als Wanderführer.Eros lockt. Seine runden Felskonturen zeichnen sich scharf gegen den blauen Himmel ab. Mit 588 Metern ist er im Vergleich zu den Alpen ein Zwerg, aber immerhin die höchste Erhebung auf der griechischen Insel Hydra.Die Wanderer, die ihn ansteuern, sind gemächlich auf einem steinigen Pfad unterwegs, als ihnen plötzlich zwei Mulis flott entgegentrappeln. Schnell zur Seite, denn für diese Lastentiere ist der Weg schließlich gedacht. Auf dem ersten sitzt ein alter Mann. „Yassas!“, grüßt er und deutet weit hinter sich: „Monastíri!“Das Kloster des Propheten Elias ist kurz darauf nicht zu übersehen, es liegt auf einem Bergrücken unterhalb des Eros. Auf dem Gipfel schweift der 360-Grad-Blick über den tiefblauen Saronischen Golf. Durchatmen, Handy einstecken und genießen. Dieser Moment ist einer der Höhepunkte einer einwöchigen Self-Guided-Tour auf Hydra und Poros, eine Fährstunde von Athen entfernt. Abenteuer mit SicherheitsgurtSelbstgeführte Reisen sind Abenteuer mit Sicherheitsgurt. Man ist auf eigene Faust unterwegs, aber mit Wander-App, ohne Guide und ohne Reisegruppe. Die Tour verbindet Komfort mit individuellem Erlebnis: Unterkünfte und Transfers sind gebucht, manchmal auch Gepäcktransport, hinzu kommt die tägliche Wanderempfehlung samt Navigation.Diese neue Art von Reisen haben verschiedene Veranstalter im Programm. Hauser Exkursionen ist Vorreiter auf diesem Gebiet, er hat auch den Wander-Selbstversuch auf Hydra und Poros, um den es hier geht, im Angebot. Lesen Sie auch„Wir haben die Self-Guided-Touren aufgrund stetig steigender Nachfrage kontinuierlich ausgebaut“, sagt Produktmanagerin Sarah Rohrmoser. Beliebt sei diese Reiseart in klassischen Mittelmeerregionen wie Italien, Spanien und Griechenland, zunehmend auch in Albanien, Montenegro, Großbritannien und neuerdings bei Fernreisen in Costa Rica oder im südlichen Afrika.Hauser Exkursionen nutzt bei der Griechenland-Reise die App Guided Book (GUIBO) und liefert zusätzlich ein ausgedrucktes Roadbook. Andere Anbieter wie AbenteuerWege, Wikinger Reisen, Eurohike oder ASI Reisen bieten eigene digitale Reisebegleiter. Alle können auch offline genutzt werden.Lesen Sie auchDie beiden griechischen Inseln sind wegen ihrer Überschaubarkeit gut geeignet für selbstgeführtes Wandern: Hydra (2000 Einwohner und geschätzt ebenso viele Katzen) misst gerade mal 50 Quadratkilometer, Poros (4000 Einwohner) ist halb so groß. Die eine ist autofrei und filmreif, die andere immergrün mit Pinien und schattigen Plätzen – was gerade in wärmeren Monaten angenehm ist. Anschauliche Echtzeit-AnweisungenDie Wanderung beginnt auf Hydra. Das Erscheinungsbild der Insel hat sich in den vergangenen 200 Jahren kaum verändert, die Ausflugsschiffe aus Piräus und die paar Yachten im Hafen einmal ausgenommen. Weiße Kapitänshäuser und Kirchen schmiegen sich wie in einem Amphitheater an die Berge. Menschen, Mulis und Katzen teilen sich den Lebensraum in Gassen, zwischen Treppen und Tavernen. Alles wird per Lastesel oder Boot transportiert. Nur die Müllabfuhr und die Feuerwehr sind motorisiert. Am Ankunftstag empfiehlt die App eine kurze Tour als „schöne Einführung in Dein Wanderabenteuer auf Hydra“. Die Echtzeit-Anweisungen sind anschaulich: „An Kreuzung mit Baum & Bank Treppen hoch“. Biegt man falsch ab, ertönt ein warnendes „Pling“. Generell ist der GPS-Empfang auf der gesamten Reise bis auf wenige Momente einwandfrei. Wie versprochen, bietet sich beim ersten Rundgang stets ein „fantastischer Ausblick auf Hydra-Stadt“. Ende der 50er-Jahre machte der Film „Der Knabe auf dem Delphin“ – mit Sophia Loren als Schwammtaucherin Phaedra – Hydra international berühmt. Für Loren, 91, ist die Insel einer „der schönsten Orte der Welt“. Wer heute in Zimmer 304 im „Hydroussa Hotel“ in einem der prächtigen Reederhäuser logiert, kann denselben Ausblick auf Zitronenbäume und das Meer genießen wie die Loren. Laut Hotelrezeptionist schlief sie genau dort. Das Bad ist allerdings so klein, dass man das kaum glauben mag. Später entdeckten Bohemians die Insel, allen voran Leonard Cohen. Der kanadische Schriftsteller und Singer-Songwriter wurde von den ersten Telefonleitungen auf Hydra zu „Bird on the Wire“ (1969) inspiriert. Seine Romanze mit der Norwegerin Marianne Ihlen („So long, Marianne“) ist untrennbar mit Hydra verbunden. Das Haus oben nahe des Four Corners Supermarkts, das er 1960 für 1500 Dollar kaufte, ist auch nach seinem Tod 2016 in Familienbesitz. Jeff Koons und Leonard CohenDie Wanderung am nächsten Tag führt passenderweise an der Leonard-Cohen-Gedächtnisbank am Meer vorbei. Vom Küstenweg nach Kamini schaut man stets aufs klare Wasser. Über die pittoreske Kamaroti-Steinbrücke geht es nach Vlychos. Beim Schiffsfriedhof von Palamnidas biegt die Route ab ins Inselinnere, wo außer einigen Schäfern und Touristen kaum jemand anzutreffen ist.Die abwechslungsreiche Strecke führt durch Blumenwiesen und unter Olivenbäumen hindurch. Über Episkopi in der Inselmitte werden die App-Nutzer in Richtung des eingangs erwähnten Eros-Gipfels geleitet – klappt alles tadellos.Lesen Sie auchNach der Tour schmerzen die Füße? Blasenpflaster gibt es in der Farmakio Rafalia in Hydra-Stadt, einer der ältesten Apotheken Griechenlands von 1890. Sehenswert ist zudem das Historische Museum, mit spannenden Stücken zum griechischen Unabhängigkeitskrieg und Kunstausstellungen. Abends reflektiert der „Apollo Windspinner“, den US-Künstler Jeff Koons 2022 am ehemaligen Schlachthaus installierte, die untergehende Sonne.Soll oder darf man überhaupt vom Reiseplan abweichen? Verboten ist es nicht, aber man sollte es mit Augenmaß tun, denn die Touren bauen logisch aufeinander auf. Trotzdem schadet Mitdenken auch beim Self-Guided-Urlaub nicht. Ein Gegencheck mit bewährten Wander-Apps lohnt sich ebenso wie ein Blick auf die örtlichen Wegmarkierungen. Auf Hydra sind sie blau-weiß, auf Poros rot-weiß.Beschrieb Henry Miller 1941 Hydra als „steinernes Brot“, von der Sonne gebacken, schwärmte er in den höchsten Tönen von Poros’ Atmosphäre, von Pinien und Zitronenduft. Tatsächlich sind die Zitronenwälder, die Lemonodasos, in der Region Trizina auf dem Peloponnes nur eine winzige Überfahrt von Poros entfernt. Diesen Abstecher sieht jedoch der Reiseplan nicht vor. Erfreulicherweise bietet Poros adäquaten Ersatz: reichlich Orangenbäume als Straßenbegleitgrün, die ebenfalls betörend duften. Status-Meldung zum Zustand der Strecke Auch auf Poros klappt es gut mit dem Self-Guiding. Die Route führt zuerst durch den südlichen Inselteil Sferia. Die Tavernen unter dem blauen Uhrenturm könnten einem Griechenland-Bilderbuch entsprungen sein. Als individueller Reisender hat man freie Wahl und muss nicht mit einer Reisegruppe in vorgebuchten Lokalen essen.Besonders zu empfehlen ist das „Sti Rota“: Die Muscheln mit Ouzo sind ein Gedicht; Serviceleiter Christo begrüßt die Gäste aus Deutschland schon am zweiten Abend wie alte Bekannte. Der „Vessala Pastry Shop“ bietet lokale Spezialitäten wie Schafsmilch- oder Aegina-Pistazien-Eis, das auf der Zunge zergeht. Vorbei geht es an Badeurlaubern, die am Strand von Askeli in der Sonne liegen, hinein ins Hinterland des nördlichen Inselteils Kalavria, hinauf zu den Überresten des Poseidontempels. Ein schwerer Sturm hat auf Poros im Frühjahr einige Wege unterspült. Zum Glück haben Self-Guided-Hiker, die vorher hier unterwegs waren, via App Feedback zum aktuellen Zustand der Strecke gegeben, sodass man problemlos durchkommt.Immer weiter hinauf geht es durch rauschende Wälder. Von dem 2500 Jahre alten Poseidon-Heiligtum sind nur wenige Steine erhalten. Doch der Ort hat etwas Magisches, am Horizont werden Meer und Himmel eins. Beim Abstieg liegt eine stattliche Breitrandschildkröte entspannt auf dem Pfad in der Sonne. Sie steht für das Motto dieser Reise: Der Weg ist das Ziel. Tipps und Informationen:Wie kommt man hin? Flug bis Athen, zum Beispiel mit SkyExpress, Aegan Airlines oder Eurowings. Weiter mit der Speed-Fähre von Piräus nach Poros (rund eine Stunde Fahrzeit) und Hydra (1,5 Stunden).Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen WELT als Medium bevorzugenSelf-Guided-Touren in Griechenland: Hauser Exkursionen bietet fünf selbstgeführte Reisen in Griechenland an, darunter auf Kreta und Korfu, „Inselhopping auf Poros und Hydra“ dauert acht Tage und kostet bei Eigenanreise ab 1125 Euro pro Person (mit Übernachtung und Frühstück), sie wird bis Oktober angeboten (hauser-exkursionen.de). Wikinger Reisen hat neu die Self-Guided-Tour „Zakynthos – Wandern auf unentdeckten Pfaden“ im Programm, acht Tage ab 845 Euro pro Person (wikinger-reisen.de). Bei hike-greece.com ist eine siebentägige Tour über Sifnos und Serifos ab 945 Euro pro Person buchbar. Weitere Self-Guided-Touren: Beliebt ist die „Leichte Alpenüberquerung: Füssen–Meran mit Hotelkomfort“, acht Tage ab 1200 Euro (abenteuerwege.de). Neu ist „Alpe-Adria-Trail: Kranjska Gora–Cividale“, sieben Tage ab 859 Euro (eurohike.at). Bei asi-reisen.de ist „Mallorcas Schmugglerpfad erwandern – die Ruta de Contraban“ ab 1020 Euro buchbar.Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Hauser Exkursionen. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit