PfadnavigationHomeGesundheitNeuroblastomeNeuartiger Impfstoff soll gegen die häufigsten Krebstumore bei Kindern helfenStand: 06:52 UhrLesedauer: 3 MinutenNeuroblastome verursachen rund 15 Prozent aller Todesfälle bei Säuglingen und KleinkindernQuelle: Getty Images/Morten Falch SortlandNeuroblastome sind verantwortlich für 15 Prozent der Todesfälle im Kindesalter. Irische Forscher haben einen neuen Therapieansatz entwickelt, der jungen Patienten Hoffnung macht.Das Neuroblastom ist eine besonders aggressive Krebserkrankung bei Säuglingen und Kleinkindern und verursacht rund 15 Prozent aller Todesfälle in dieser Altersgruppe. Irische Forscher der RCSI University of Medicine and Health Sciences in Dublin haben nun einen neuartigen Ansatz für eine Krebsimpfung gegen Neuroblastome vorgestellt. In sogenannten präklinischen Modellen konnten sie das Tumorwachstum um zehn bis elf Tage verzögern und die Tumorgröße um 70 Prozent reduzieren.Studienleiterin Olga Piskareva spricht im Fachmagazin „Molecular Therapy Oncology“ von einem „ersten Meilenstein“. Man stehe noch am Anfang einer Impfstoffentwicklung, aber die Pilotstudie zeige ein vielversprechendes Potenzial und biete neue Hoffnung für betroffene Kinder und ihre Familien.Das Neuroblastom ist ein bösartiger Tumor des noch unreifen Nervensystems. Er kann an unterschiedlichen Stellen im Körper entstehen, besonders oft im Bereich der Nebennieren oder entlang der Wirbelsäule. Es ist der häufigste nicht im Schädel gelegene Tumor bei Kindern. Lesen Sie auchDie Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Tumoren bilden sich spontan zurück, andere wachsen rasch, bilden schnell Metastasen, zum Beispiel im Knochenmark, und sprechen nur schlecht auf eine herkömmliche Behandlung an.Gerade die Hochrisikoformen des Neuroblastoms gehören zu den schwierigsten Diagnosen in der Kinderonkologie. Trotz intensiver Behandlung mit Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Stammzelltransplantation und Immuntherapie kommt es bei vielen Kindern zu Rückfällen. Bildet sich nach der ersten Therapie ein Rezidiv, ist der Tumor häufig resistent gegen vorhandene Medikamente. Lesen Sie auchDer nun getestete Krebsimpfstoff setzt auf eine Technologie, die seit der Corona-Pandemie einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist: den mRNA-Impfstoff. Dabei wird dem Körper nicht der Erreger oder die Krebszelle selbst verabreicht, sondern eine Bauanleitung. Diese soll Zellen dazu bringen, bestimmte Eiweißbestandteile herzustellen, die anschließend vom Immunsystem erkannt werden. Lesen Sie auchIm Falle der Neuroblastom-Impfung richtet sich der Ansatz gegen Glypican 2, kurz GPC2. Dieses Protein befindet sich auf der Oberfläche vieler Neuroblastomzellen und eignet sich deshalb als Zielstruktur für eine Immunreaktion. Das Immunsystem wird quasi trainiert, dieses Protein auf einer Krebszelle zu erkennen und zu bekämpfen. Die Forscher verwendeten sogenannte selbstassemblierende Peptid-Nanopartikel, die sich von allein zu größeren Strukturen zusammenfügen. „Die mRNA-Impfstofftechnologie ist wie ein Lego-Baukasten“, erklärt Piskareva. „Durch die Kombination verschiedener Bausteine können wir den Impfstoff präzise auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zuschneiden.“Impfstoffe flexibel verändernDer Fokus auf GPC2 könnte über das Neuroblastom hinaus von Bedeutung sein. Das Protein kommt auch bei verschiedenen anderen Krebsarten vor. Sollte sich der Ansatz in weiteren Studien bewähren, könnte der Impfstoff prinzipiell angepasst werden, um auch andere Tumoren anzugreifen. Genau darin liegt ein Teil der Attraktivität der mRNA-Technologie: Sie erlaubt es, Impfstoffkandidaten vergleichsweise flexibel zu entwerfen und zu verändern.Die Forscher betonen, dass es sich bislang noch nicht um eine Therapie handelt, die bei Kindern eingesetzt werden kann. Die Daten aus der präklinischen Pilotstudie sind aber ein notwendiger Schritt, damit klinische Studien am Menschen beginnen können. Ob ein vergleichbarer Effekt bei Patienten erreicht werden kann, ist also noch offen. Ebenso müssen Sicherheit, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen in weiteren Untersuchungen geprüft werden.Trotzdem ist der Befund aus Sicht der Forscher bemerkenswert. Krebsimpfstoffe gelten seit Jahren als ein großes Versprechen der Onkologie, ihre Entwicklung ist jedoch schwierig. Anders als klassische Impfungen gegen Infektionskrankheiten sollen therapeutische Krebsimpfstoffe ein bereits bestehendes Leiden bekämpfen. Das Immunsystem muss lernen, Tumorzellen als gefährlich zu erkennen, obwohl sie aus körpereigenem Gewebe hervorgegangen sind. Bis dahin bleibt ein weiter Weg. Aus einem erfolgreichen präklinischen Experiment muss erst ein sicherer, wirksamer und reproduzierbarer Behandlungsansatz entstehen. Die aktuelle Arbeit zeigt, dass ein Ziel, das lange eher theoretisch wirkte, näher rückt: das Immunsystem von Kindern so gezielt gegen Neuroblastomzellen zu mobilisieren, dass selbst aggressive Tumoren angreifbar werden.dia
Krebs: Neuroblastome – neuartiger Impfstoff soll gegen die häufigsten Tumore bei Kindern helfen - WELT
Neuroblastome sind verantwortlich für 15 Prozent der Todesfälle im Kindesalter. Irische Forscher haben einen neuen Therapieansatz entwickelt, der jungen Patienten Hoffnung macht.
Forscher der RCSI Dublin entwickelten einen mRNA-Impfstoff gegen Neuroblastom mit 70% Tumorverkleinerung in präklinischen Tests. Die mRNA-Plattform ist ein skalierbarer framework, adaptierbar für verschiedene Tumorarten – ein Prinzip analog zu foundation models.







