PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaft„Kann kommen, wer will“ – Der große Traum des ersten Mainzer WM-SpielersStand: 19:14 UhrLesedauer: 5 MinutenEx-Nationalspieler Thomas Brdaric sieht die Jokerrolle von Deniz Undav und Nadiem Amiri als großen Vorteil für die DFB-Elf. Er erwartet trotz der jüngsten Erfolge von der Bank keine größeren Änderungen in Nagelsmanns Startelf.Der 1. FSV Mainz 05 stellte nie einen deutschen WM-Spieler. Dann kam Nadiem Amiri. Der Offensivprofi zeigt sich in den USA enorm selbstbewusst. Sein Klubchef Christian Heidel äußert sich begeistert.Sein Lausbuben-Grinsen kam zum Vorschein, und er antwortete ganz ehrlich. „Ich bin eben erst aufgestanden, habe geduscht und bin dann hierher“, sagte Nadiem Amiri, als er Montagvormittag zur Pressekonferenz der Fußball-Nationalmannschaft im Auditorium der Wake Forest University bei Winston-Salem erschien.Und – ist er am freien Tag der Mannschaft gern hierhergekommen? „Natürlich“, antwortete der Offensivprofi des 1. FSV Mainz 05. Und grinste wieder sein Lausbuben-Grinsen.Für Amiri geht in diesem Sommer ein Kindheitstraum in Erfüllung. Erst kurz vor dem Tag der Kadernominierung im vergangenen Mai erfuhr er, dass er bei dieser WM dabei ist. Er weinte vor Freude. Beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste im zweiten Gruppenspiel kam er als Einwechselspieler zu seinem ersten Einsatz. Und bereitete gleich das 1:1 mit einer herausragenden Flanke vor. „Ich wusste, dass so ein Moment kommen wird. Das Spiel war das perfekte Beispiel dafür. Für mich war es ein Riesenmoment“, sagte der 29-Jährige am Montag.25 seiner Familienmitglieder und Freunde seien in Toronto auf der Tribüne gewesen, „20 von ihnen waren das erste Mal im Stadion.“ Jeder Moment, den er auf dem Spielfeld erlebe, sei für sie. „Sie haben gejubelt, als hätten sie die Vorlage gemacht. In schwierigen Zeiten habe ich gemerkt, dass es für mich nur die Familie gibt, die immer da ist“, so Amiri.Die Fußball-Reise des Nadiem Amiri ist bis hierhin eine sehr besondere. Bereits vor sieben Jahren debütierte er für Deutschland. Und war doch lange kein Teil der Nationalmannschaft. Die WM ist sein erstes großes Turnier. „Ich habe die Nationalmannschaft immer verfolgt. Es hat wehgetan“, sagte er rückblickend. Bei Bayer Leverkusen habe er mitunter eine schwierige Zeit erlebt. 2022 verlieh ihn der Klub zum italienischen Verein CFC Genua. „Es hat mich aber nicht komplett gebrochen.“ Diese Talfahrt habe wohl auch ihre guten Seiten gehabt. Seit 2024 spielt Amiri für Mainz.Nadiem Amiri ist Julian Nagelsmann „einfach dankbar“Kaum ein Nationalspieler kennt den Bundestrainer Julian Nagelsmann so lange wie er. Als Nagelsmann Jugendtrainer der TSG Hoffenheim war, trainierte er ihn in der U19. Beide gewannen die Deutsche Meisterschaft. WELT fragte Amiri: Wie besonders ist die Zusammenarbeit, wenn man sich so lange kennt? „Wir kennen uns sehr gut und haben ein besonderes Verhältnis“, antwortete Amiri. „Ich schätze ihn menschlich sehr. Und bin ihm einfach dankbar.“ Die Trainings unter Nagelsmann im WM-Teamquartier in North Carolina seien eher kurz und intensiv. „Er fordert sehr, sehr viel von uns.“Lesen Sie auchGenauso wie Joshua Kimmich. Gegen die Elfenbeinküste kam es zu einer Szene, die unter Experten und Fans immer noch diskutiert wird. Kimmich forderte Amiri auf, schneller hochzukommen, als dieser nach einem Zweikampf auf dem Rasen lag: „Komm, steh auf!“, brüllte Kimmich.Lesen Sie auchAuf diese Situation angesprochen, sagte Amiri lächelnd: „Wir kennen alle Jo. Er ist immer sehr, sehr motiviert. Ich fand es gut. Ich habe es natürlich gehört auf dem Spielfeld. Die Stimme, die hört man“, betonte er. „Ich hatte in dem Moment wirklich Schmerzen, weil es Knie auf Knie war. Alle, die mal gespielt haben oder das erlebt haben, wissen, was das für Schmerzen sind.“ Die Aktion Kimmichs habe ihm geholfen, „um einfach sofort aufzustehen und den Schmerz rauszulaufen. Von daher bin ich froh, dass wir so einen Kapitän wie Joshua haben.“Christian Heidel ist stolz auf Amiri. Der Sportvorstand des 1. FSV Mainz 05 saß am vergangenen Samstag beim Sieg gegen die Elfenbeinküste mit seinem Sohn in Toronto im Stadion – im Deutschland-Trikot, mitten im Fanblock. „Ich freue mich riesig für Nadiem, weil ich weiß, dass es ein Lebenstraum von ihm war, bei einer WM dabei zu sein“, sagte der 63-Jährige im Gespräch mit WELT.„Ich muss schon gestehen, dass ich ein bisschen Gänsehaut hatte, als er auf den Rasen gelaufen ist. Er ist der erste deutsche WM-Spieler unseres Vereins. Das ist natürlich sehr schön. Das hat sich Nadiem auch verdient. Ich finde, er hat es nach seiner Einwechslung prima gemacht. Das passt dann auch irgendwie zu dieser Geschichte. Es war ein schöner Tag.“ Unter anderem Manuel Friedrich, André Schürrle, Lewis Holtby, Anton Stach und Jonathan Burkhardt spielten auch schon für Deutschland, aber nicht bei einer WM.Was zeichnet Amiri aus? „Besser konnte man die Flanke vor dem Ausgleich nicht schlagen. Doch unabhängig davon hat er ein sehr auffälliges Spiel gemacht. Er hat halt keine Angst“, so Heidel. „Er will jeden Ball – und auch in einem Spiel wie diesem, das zu diesem Zeitpunkt ja etwas in die falsche Richtung gelaufen ist.“Amiri „hat jetzt ein Zeichen gesetzt – und ich glaube, dass sich seine Chancen nach dem Spiel sicherlich nicht verschlechtert haben, dass er zu weiteren Einsätzen kommt“, so der Mainzer Vorstand. „Es gab ja Leute, die vor dem Turnier gesagt haben: den nehmen Sie mit, aber er wird nicht spielen. Doch Nadiem hat gezeigt, dass man sich auf ihn verlassen kann.“ Am Donnerstag (22 Uhr, ARD, MagentaTV und Liveticker auf WELT) treten Amiri und Kimmich mit Deutschland in New Jersey im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador an. Die Auswahl Nagelsmanns ist nach zwei Siegen bereits für die K.-o.-Runde qualifiziert. Der Trainer muss entscheiden, ob er rotieren lässt. Amiri könnte davon profitieren und von Beginn an spielen. Was ist aus seiner Sicht die richtige Herangehensweise?Lesen Sie auch„Wir müssen im Flow bleiben, jeder Sieg tut uns gut“, sagte der Mainzer Offensivspieler. „Wir gehen das Spiel an, als würde es für uns um alles gehen. Das Spiel ist sehr wichtig. Ich glaube nicht, dass Julian viele Experimente machen wird. Wir gehen das Spiel an, als wäre es das Finale.“Und welchen Gegner wünscht sich Amiri für das Sechzehntelfinale am kommenden Montag (16:30 Uhr) in Foxborough bei Boston? „Es kann kommen, wer will. Man sieht bei der WM, dass jede Nation gut ist. Viele kleine Nationen spielen ein gutes Turnier.“Dann verließ Amiri lächelnd den Saal. Und genoss den Rest seines freien Tages.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit Jahren über die Nationalmannschaft. Seit knapp drei Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die deutsche Auswahl bei der WM.
Nationalmannschaft: „Kann kommen, wer will“ – Der große Traum des ersten Mainzer WM-Spielers Nadiem Amiri - WELT
Der 1. FSV Mainz 05 stellte nie einen deutschen WM-Spieler. Dann kam Nadiem Amiri. Der Offensivprofi zeigt sich in den USA enorm selbstbewusst. Sein Klubchef Christian Heidel äußert sich begeistert.
















