Schweinefleisch hat es derzeit nicht leicht. Mitten in der Grillsaison und zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft befinden sich die Erzeugerpreise für Schweine auf Talfahrt. Der Preisrutsch ist angesichts der sommerlichen Temperaturen ungewöhnlich. Normalerweise steigen die Schweinepreise zu dieser Jahreszeit, weil mehr Menschen Grill- und Frischfleisch vom Schwein kaufen. Das ist derzeit anders. Für das Kilogramm Schweinefleisch erhielt ein Tierhalter zuletzt nur noch rund 1,50 Euro. So niedrig waren die Preise zuletzt 2022. Der Verbraucherpreis für ein Kilogramm Schweinefleisch lag in den vergangenen Jahren relativ konstant im Bereich von 8 Euro.Das bringt viele Betriebe wirtschaftlich in Bedrängnis. Von kostendeckender Produktion kann keine Rede sein, heißt es aus der Branche. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, ISN, spricht von Verlusten von rund 50 Euro je Schwein. Das sei ein ähnlich großes Defizit wie während der Corona-Pandemie. „Dass wir in der eigentlich besten Jahreszeit für den Schweinemarkt so einen enormen Druck erleben, und das bei ohnehin schon sehr niedrigen Preisen, ist zutiefst beunruhigend“, sagt ISN-Marktanalyst Klaus Kessing. Damit rutsche die deutsche Schweinehaltung noch tiefer in die „existenzbedrohende Verlustzone“. Auch Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt, dass derzeit jeder Schweinehalter „Geld drauflege“.Für die fallenden Erzeugerpreise gibt es mehrere Ursachen. Der EU-Binnenmarkt sei strukturell überversorgt mit Schweinefleisch, sagt Kessing. Hinzu kämen globale Handelshemmnisse. Auf das heimische Preisgefüge wirke das wie eine „massive Bremse“.Fleisch aus Spanien als KonkurrenzEine zentrale Rolle spielt dabei Spanien als wichtiger Schweinefleischproduzent. Wegen Einschränkungen im Export infolge der Afrikanischen Schweinepest drängten zusätzliche Mengen auf den ohnehin dicht besetzten europäischen Binnenmarkt, sagt Kessing. Spanien produziere zudem vergleichsweise günstig. Das treffe Deutschland besonders hart, weil ein großer Teil der hiesigen Schweinefleischexporte innerhalb der EU abgesetzt werde.Auch im Inland fehlt es an Dynamik. Der Lebensmittelhandel bietet angesichts der bald beginnenden Urlaubszeit tendenziell weniger Fleisch an. Zudem schwächelt der Verzehr in der Gastronomie, sagt Kessing. Damit fällt gerade in der Sommersaison ein wichtiger Absatzkanal teilweise aus. Zugleich sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch weiter. Marktanalysten erwarten für 2026 einen Verbrauch von 27,9 Kilogramm je Einwohner, das wären 0,4 Kilogramm weniger als im Vorjahr und bestätigt den insgesamt rückläufigen Trend des Schweinefleischkonsums.Vor dem Fußball grillenDass Verbraucher während der laufenden Weltmeisterschaft derzeit nicht mehr Schweinefleisch kaufen, führt Bauernpräsident Rukwied auch auf die späten Anstoßzeiten am Abend zurück. Deshalb ruft er dazu auf, das Grillen zeitlich vorzuziehen. „Wenn man am nächsten Tag zur Arbeit geht, dann fängt man nicht um 21 Uhr an zu grillen, um sich bis Mitternacht dem Fußball zu widmen“, sagt er. Gezielte Preisaktionen des Lebensmittelhandels kritisierte er dabei nicht. Solche Maßnahmen seien durchaus sinnvoll, um größere Mengen aus dem Markt zu nehmen.Rukwied fordert darüber hinaus staatliche Unterstützung. „Wenn man die Schweinehaltung in Deutschland erhalten will, dann braucht es jetzt sofort mindestens 200 Millionen Euro für die Sauenhalter, um den Betrieben noch eine Perspektive zu schaffen.“ Langfristig brauche es sogar Milliarden, wenn Tierhaltung in Deutschland mit höheren Standards erhalten bleiben solle.Landwirte zögern beim Umbau ihrer StälleGerade darin liegt ein wesentlicher Grund für den Frust vieler Tierhalter. Einerseits verlangen Politik, Gesellschaft und Handel mehr Tierwohl und höhere Standards für die Tiere. Andererseits gelingt es vielen Höfen nicht, die dafür nötigen Mehrkosten am Markt wieder hereinzuholen. Viele Landwirte haben investiert oder wollen ihre Ställe umbauen, sehen aber keine verlässliche Refinanzierung.Für zusätzlichen Unmut sorgt in der Branche der Lebensmitteleinzelhandel. Exemplarisch steht dafür das jüngste Vorgehen von Edekas Regionalgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen. Sie will ab 2026 keine neuen Betriebe mehr in ihr Tierwohl-Preismodell aufnehmen und bestehende Verträge auslaufen lassen. Berichten zufolge sei das bisherige Modell nicht rentabel; der Preisabstand zu preisgünstigerem Fleisch sei zu groß, um genügend Kunden von den Tierwohl-Produkten zu überzeugen.Für viele Schweinehalter ist das ein fatales Signal. Von ihnen werden höhere Tierwohlstandards erwartet, zugleich fehlt die Sicherheit, dass der Handel diese Leistungen verlässlich abnimmt und bezahlt. Weil Landwirte ihre Preise nicht selbst setzen können, sind sie von den Abnehmern besonders abhängig. Die Monopolkommission hat diese Schieflage jüngst kritisiert.Hoffnung setzt die Branche auch auf Fortschritte im Export. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) war dafür kürzlich in Japan und China. Eine spürbare Entspannung erwarten viele Marktteilnehmer jedoch erst mittelfristig. Auch auf dem Bauerntag in Freiburg dürfte die wirtschaftliche Lage der Betriebe in dieser Woche Thema werden.
Trotz Grillsaison und Fußball-WM: Der Schweinepreis für Bauern fällt. Warum?
Die Fußball-WM und das Sommerwetter sollten den Schweinefleischabsatz ankurbeln. Stattdessen sinken die Erzeugerpreise. Tierhalter klagen über existenzbedrohende Verluste.







