Wer von der EU-Kommission Einblick in interne Dokumente fordert, braucht Geduld. Als die Europäische Bürgerbeauftragte vor Jahren eine Untersuchung wegen systemischer Verzögerungen einleitete, rechtfertigte sich die Kommission mit Überlastung. Die Zahl der Anträge sei massiv gestiegen und habe 2021 mit 8420 Registrierungen einen Höchststand erreicht. Doch die frisch veröffentlichten Daten zum Antragsjahr 2025 entkräften dieses Argument. Das Rekordjahr leitete keine neue Normalität ein, sondern markierte den Scheitelpunkt.

Seitdem sinken die Antragszahlen kontinuierlich. 2025 wurden laut der neuen EU-Statistik zu Informationsfreiheitsanfragen nur noch 6434 Erstanträge verzeichnet – ein Minus um fast ein Viertel im Vergleich zum Höchstpunkt. Die aktuelle Zahl stellt den niedrigsten Stand seit acht Jahren dar.

Trotz dieser Entlastung hat sich die Bearbeitungspraxis kaum gebessert. Verzögerungen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Das untermauert die Vermutung der Ombudsfrau, dass es sich um ein strukturelles und systemisches Problem handelt. Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Menge der tatsächlich formell beantworteten Verfahren: Im Spitzenjahr 2021 wurden noch 8280 Antworten erteilt. Diese Zahl sank 2025 auf magere 4471 Bescheide. Die Kommission schafft es folglich nicht, die deutlich geschrumpften Eingänge schnell abzuarbeiten. Antragsteller müssen monatelang auf Informationen warten.