Der Telekommunikationskonzern Vodafone will stärker im Verteidigungssektor aktiv werden und diesen Bereich von Deutschland aus steuern. Schließlich ist Deutschland nicht nur der wichtigste Einzelmarkt des britischen Mobilfunkkonzerns, sondern auch der größte Rüstungsmarkt in Europa. Hagen Rickmann, der im Vorstand von Vodafone Deutschland für das Geschäftskundensegment zuständig ist, baut nun am Standort in Düsseldorf ein neues Team dafür auf und will dort kräftig investieren.Nach Informationen der F.A.Z. will Vodafone dies am Dienstag bekannt geben. „So etwas führt nicht direkt morgen zu riesigen Umsätzen, aber wenn wir das Thema Verteidigung stärker koordinieren und gezielte Angebote entwickeln, liegt hier großes Wachstumspotential“, sagt Rickmann.Technologisch entwickele sich derzeit bei Clouds, durch Künstliche Intelligenz oder mit Datencentern vieles in einer Geschwindigkeit, die es früher nicht gegeben habe, sagt Vodafones Firmenkundenchef, der früher in gleicher Position für den Wettbewerber Deutsche Telekom tätig war. „Wir sind gerade in Zeiten, in denen Weichen für die Zukunft gestellt werden“, sagt Rickmann: „Jetzt müssen wir in Europa aufmerksam sein, sonst werden wir abgehängt.“„Sicherheit beginnt im Netz“„Wir wollen als Digitalisierungskonzern unseren Beitrag leisten, um so einer Bewegungslosigkeit Europas entgegenzuwirken.“ Vodafone investiere in Deutschland und in Europa, mit Security-Dienstleistungen im Netz, mit KI und mit souveränen Cloud-Angeboten. „Der nächste Schritt ist jetzt Verteidigung“, sagt Rickmann: „Wir müssen es ganz klar benennen: Es geht aktuell um unsere Demokratie und um unsere Sicherheit. Und die beginnt im Netz.“Heute arbeiten in ganz Europa rund 200 Mitarbeiter für Vodafone an Themen rund um kritische Sicherheitsinfrastruktur, etwa für Behörden oder Militärs. Allerdings waren diese bislang nicht gebündelt. Es sind zunächst mehr als zehn Personen im Hauptquartier in Düsseldorf, die eng mit der Technologieentwicklung in Dresden zusammenarbeiten – aber das auch in Zusammenarbeit mit den internationalen Kollegen tun sollen. „Wir stellen uns hier stärker auf, wollen noch mehr tun, denn die Nachfrage steigt“, sagt Rickmann.Ganz bei null fängt Vodafone nicht an. Die US Army setzt an ihren deutschen Standorten auf den Mobilfunk von Vodafone. MCX-Technologie, was für „Mission Critical Communications“ steht, bieten die Netzbetreiber alle an. Auch Vodafone hat Polizei und Rettungsdienste und einige Unternehmen aus dem Verteidigungssektor als Kunden. Schon länger gibt es private 5-G-Capus-Netze, die Unternehmen etwa für besonders sicherheitsrelevante Standorte benutzen. Sensor-Dienste zum Beispiel zur Lageerfassung oder von Logistik in Kriegsgebieten gehören außerdem zum Geschäft von Unternehmen wie Vodafone.Die Telekom hat sich mit Rheinmetall zusammengetanDas will Rickmann nun aber stärker entwickeln: „Ich bin überzeugt, dass Abschreckung in diesen Zeiten die beste Verteidigung ist. Und dazu zählt auch eine starke digitale Infrastruktur.“ In Deutschland und Europa würde zu wenig über Möglichkeiten, aber viel über Probleme gesprochen: „Das führt oft zu einer Bewegungslosigkeit. Dabei haben wir als Deutschland und als Wirtschaft eine riesige Verantwortung gegenüber Europa und der Welt.“Während der Bonner Telekommunikationskonzern sein Wissen aus der Mobilfunktechnik und digitaler Infrastruktur einbringt, soll sich Rheinmetall auf die Sensorik und Elektronik fokussieren, also etwa Lasertechnik. Noch ist die Partnerschaft aber in einem frühen Stadium, weitere Details wollen die Unternehmen später bekannt geben. „Wir wissen aus der Ukraine, wie wichtig Digitalisierung und digitale Kompetenz sind“, hatte Telekom-Chef Tim Höttges im Mai anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen gesagt.Drohnenabwehr sei das logische erste Thema, aber mit der terrestrischen Versorgung und dem Breitband im Boden könnten weitere Verteidigungsgeschäftsmodelle skaliert werden. „Ich sehe dort großes Wachstumspotential“, sagte Höttges. Die Telekom schützt nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2017 kritische Infrastruktur, Liegenschaften von Unternehmen oder Großevents für Behörden. Die Polizei habe etwa die Telekom damit beauftragt, die Fußball-Europameisterschaft 2024 abzusichern und illegale Drohnenflüge zu erkennen.Vodafones Geschäftskundensegment wächst wiederRickmann ist jedenfalls auch angriffslustig und bringt Schwung mit. Denn seit seinem Antritt als Geschäftskunden-Chef in mehreren europäischen Ländern im März vergangenen Jahres hat der Manager die Konkurrenz schon unter Druck gesetzt. „Der Geschäftskundenbereich bei Vodafone Deutschland war auf Schrumpfungskurs“, sagt Rickmann: „Das haben wir gestoppt. Jetzt wachsen wir hier wieder bei den Umsätzen.“Zu den Quartalszahlen im Mai hatte der Platzhirsch Telekom über intensiveren Wettbewerb berichtet, und auch davon, dass die Wachstumsraten mit Neukunden im „B2B“-Geschäft zurückgegangen seien. Dies dürfte auch auf aggressives Marketing von Rickmanns Team zurückzuführen sein. Dazu äußert sich der Manager auf Nachfrage nicht direkt. Nur so viel: „Wir haben viel im Portfolio aufgeräumt. Wir haben uns fokussiert und sind disziplinierter geworden. Und schließlich haben wir in Zukunftstechnologien wie Cloud, Security und KI investiert, um uns hier stärker aufzustellen.“Im Geschäft mit Cybersicherheit habe es zu Beginn überschaubare zwanzig Kunden gegeben. Nun sei die Zahl schon dreistellig. Im Cloud-Geschäft, wo sich Vodafone mit einem Zukauf eines Serviceunternehmens gestärkt habe, liege man sogar über dem ursprünglichen Plan. 250 Mitarbeiter habe Vodafone im Geschäftskundenbereich neu eingestellt.