„Kontroverse im VdK Bayern beigelegt.“ Die Nachricht springt einen als gelber Banner auf der Internetseite des bayerischen Sozialverbandes an. Tatsächlich hat der zuletzt stark zerstrittene zehnköpfige Vorstand nach tagelangen Verhandlungen eine Einigung erzielt: Die Vorsitzende Verena Bentele und der Schatzmeister Konrad Gritschneder treten zum 30. Juni ab und der Vorstand nimmt die wechselseitigen Anschuldigungen allesamt zurück. Ende gut, alles gut? Zumindest an der Basis des Verbandes rumort es noch kräftig.„Von Verständnis bis blankem Unverständnis sind alle Reaktionen dabei“, sagt der Kreisvorsitzende des Kreisverbandes München, Robert Köster, der auch Vorsitzender des Ortsverbandes Hadern-Neuried ist. Er selbst bedauere es, Verena Bentele als Vorsitzende für Bayern zu verlieren. „Sie ist für mich das Gesicht des VdK, sie formuliert politische Positionen sehr eindeutig und schafft damit Politiker aufzurütteln und auch die Mitglieder mitzunehmen.“SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Er habe das selbst noch im Mai beim Haderner Dorffest des VdK erlebt, bei dem sie vor mehr als 300 Menschen im Bierzelt auftrat und die sozialpolitischen Forderungen des VdK vertrat. Die Leute seien begeistert gewesen und hätten ihr lang anhaltenden Beifall gezollt. Den internen Streit könne er selbst nicht beurteilen. Für die Zukunft hoffe er aber, dass weitere Diskussionen über Modernisierung der Verbandsstruktur wieder dort geführt werden, wo sie hingehören, nämlich innerhalb des Verbandes.Viele Menschen an der Basis seien verwundert, bestätigt auch Susann Enders. Die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler ist seit zehn Jahren Kreisvorsitzende des VdK-Verbands Oberland. Und möchte hier nur in dieser Position sprechen. Sie verstehe die Irritation, schließlich sei wenig von dem internen Streit nach außen gedrungen. Ihrer Meinung nach aber habe sich Bentele, die eben keine Kreisvorsitzende oder Ortsvorsitzende sei, zu weit von der Basis der Ehrenamtlichen entfernt. Unter den Mitgliedern des VdK sind viele auch konservativ geprägt, manch einem waren Benteles politische Thesen zu links. Die Arbeit des VdK habe nichts mit Parteien zu tun, betont Enders. Die Rechtsberatung erfolge auf Grundlage des Sozialgesetzbuches. „Da hat eine Partei nichts zu suchen.“Fragen zu Benteles Rückzug musste sich auch Doris Rauscher anhören. Die sozialpolitische Sprecherin der SPD im Landtag ist zugleich Kreisvorsitzende des VdK in Ebersberg, wo just am vergangenen Samstag, einen Tag nach der großen Aussprache in Nürnberg, die Kreisversammlung anstand. „Das war ein Aufreger“, sagt auch Rauscher. Von den 37 Delegierten, die am Samstag da waren, hätten „manche tiefenentspannt, andere entsetzt“ reagiert. Bentele sei nun mal eine starke Stimme auch für den VdK Bayern gewesen. Andererseits habe es eben im Landesvorstand Vorkommnisse gegeben, die nicht mehr ausgeräumt werden konnten.Das ist nicht der Untergang des VdK in Bayern.Doris Rauscher„Das ist nicht der Untergang des VdK in Bayern“, sagt Rauscher. Der Landesvorstand müsse sich schnell neu sortieren. Und Bentele, zu der sie selbst persönlich einen guten Kontakt habe, bleibe dem Verband auf Bundesebene als politische Stimme erhalten. Der Verband lebe von den zahlreichen Sozialrechtsberatungen. In Zeiten, in denen andere Verbände mit Mitgliederschwund kämpfen, beschere das dem VdK noch immer enormen Zulauf. Anders als die Wohlfahrtsverbände betreibe der VdK auch keine Kitas oder Altenheime. Er sei also von sozialpolitischen Entscheidungen völlig unabhängig und werde auch weiterhin seine Stimme für soziale Themen erheben.Nur mit wem an der Spitze? Die Frage kann im VdK Bayern bislang keiner beantworten. „Ich wüsste momentan keine Person, die das auch nur annähernd ausfüllen könnte“, sagt Köster. Bis zu einer Wahl im nächsten Jahr werden zunächst die vier Stellvertreter die Geschäfte führen. Sie werden sich womöglich auf der kommenden Vorstandssitzung einen kommissarischen Vorsitzenden wählen. Während des Streits war zuletzt der frühere CSU-Landtagsabgeordnete Hermann Imhof als Sprecher der Bentele-Kritiker aufgetreten.
„Manche tiefenentspannt, andere entsetzt“: Reaktionen auf den Rückzug von Verena Bentele beim VdK
An der Basis des Verbandes rumort es noch kräftig. Auf eine Frage hat keiner eine Antwort: Wer könnte Verena Bentele nachfolgen?









