Hitzefrei – schon das Wort weckt Erinnerungen an heiße Sommertage, Stunden im Freibad oder am See, Ferienstimmung statt Notenstress. Nur: Ganz so einfach wie früher ist das mit dem Hitzefrei inzwischen nicht mehr. Antworten auf die wichtigsten Fragen.Ab welcher Temperatur gibt es hitzefrei?Kein Gesetz schreibt vor, wann Schülerinnen und Schüler hitzefrei bekommen müssen, darauf weist ein Sprecher des Kultusministeriums hin. Es ist also nicht so, dass Schulen ab 30 oder 32 Grad Celsius hitzefrei geben müssen – und das sei auch früher nicht der Fall gewesen. Und doch hat sich vor 18 Jahren etwas verändert, es wurde nämlich ein Satz aus der Volksschulordnung gestrichen. Der lautete: „Über vorzeitige Unterrichtsbeendigung an besonders heißen Tagen entscheidet der Schulleiter, gegebenenfalls in Absprache mit benachbarten Schulen.“Seit September 2008 gilt dieser Satz nicht mehr. Möglich ist es trotzdem, Kindern hitzefrei zu geben.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.Wer entscheidet, ob der Unterricht früher endet?Das entscheidet die Schulleitung. Die müsse den Gesundheitsschutz der Schülerinnen und Schüler und auch der Beschäftigten im Blick haben, teilt ein Sprecher des Kultusministeriums mit. Je nachdem, wie die Schule gebaut ist und wie sie mit Sonnenschutz ausgestattet ist, sei die Situation unterschiedlich. Und dann, darauf weist der Sprecher hin, gebe es ja auch noch schulische Erfordernisse, denen man Rechnung tragen müsse – Abschlussprüfungen etwa.An der Grundschule Berg am Laim hat Schulleiter Michael Hoderlein Kinder und Eltern vor 20 Jahren über das Thema abstimmen lassen. Er habe zwei Möglichkeiten zur Wahl gestellt: ein früheres Unterrichtsende mit Hausaufgaben oder normaler Unterricht ohne Hausaufgaben. „Das Ergebnis war eindeutig. Gegen hitzefrei, für hausaufgaben-frei“, sagt Hoderlein. So machen sie es heute noch an der Schule.Warum gab es früher häufiger hitzefrei?Schule hat sich verändert, und auch der Alltag der Familien ist nicht mehr derselbe wie vor 30 Jahren. Der allergrößte Teil seiner Eltern sei berufstätig, sagt Grundschulrektor Hoderlein. Er könne die Kinder nicht einfach nach Hause schicken, wenn beide Eltern nachmittags in der Arbeit seien. „Hitzefrei lässt sich einfach nicht mehr machen.“ Die Kinder einfach früher in die Nachmittagsbetreuung zu schicken, wäre für die Mitarbeiter dort eine Zumutung, sagt er.Im Übrigen hätten die Schulen einen Bildungsauftrag, sagt er. „Und zwar auch, wenn es heiß ist.“ Vieles, worauf sich die Kinder freuten, wie die Bundesjugendspiele oder die Projektwoche, würden sonst wegfallen. „Das wäre sehr schade. Die Kinder wollen ja präsentieren, was sie sich das Schuljahr über erarbeitet haben.“Gibt es überhaupt noch hitzefrei?Das entscheidet jede Schule selbst, auch innerhalb der Stadt München gibt es keine einheitliche Regelung. Die Grundschule Berg am Laim hat hitzefrei zum Beispiel abgeschafft, bei manchen ist die Nachmittagsbetreuung an besonders heißen Tagen freiwillig, und wieder andere geben frei. Nur ist es ein wenig komplizierter als früher, als der Rektor eine Durchsage machte, und prompt in allen Klassenzimmern Jubel ausbrach.Am Gymnasium Freiham zum Beispiel haben sich Schulleitung, Eltern und Mensa-Betreiber schon im Winter Gedanken gemacht, wie man es organisieren könnte, dass der Unterricht an besonders heißen Tagen früher endet. So ist es vor allem deshalb kompliziert, weil manche Kinder täglich Nachmittagsunterricht haben und in der Mensa zu Mittag essen.Es muss also so einiges beachtet werden – spontan hitzefrei, so wie früher, gebe es nicht, sagt Schulleiter Thomas Schranner. „Ich habe den Eltern versprochen, dass wir sie immer am Vortag informieren.“ Einzelne Stunden fallen keinesfalls aus: Der Unterricht findet an dieser Schule ausschließlich in Doppelstunden statt. Und die werden verkürzt, von 90 Minuten auf 60 Minuten. So endet die Schule für alle spätestens um 14.15 Uhr. Für die Kinder, die um diese Uhrzeit noch nicht nach Hause gehen dürfen, wird eine Notbetreuung angeboten.Am Montag und Dienstag dieser Woche testet das Gymnasium Freiham den Hitzefrei-Plan. Geht alles gut, dann sollen die Kinder auch am Mittwoch und Donnerstag früher nach Hause gehen dürfen.Trotz der Hitze: Schulaufgaben müssten geschrieben und Noten gemacht werden, sagt der Schulleiter. Und er selbst und seine Lehrkräfte blieben so lange wie sonst auch – zu dieser Jahreszeit gebe es sehr viel zu korrigieren.Es gibt doch Lüftungs- und Klimaanlagen. Warum braucht es hitzefrei?„Im vergangenen Jahr hatten wir das erste Mal die Situation, dass es so heiß und stickig in manchen Klassenzimmern war, dass man es nicht mehr vertreten konnte. Da hilft alles Lüften nichts“, sagt Schulleiter Thomas Schranner vom Gymnasium Freiham. „Das Problem ist die Menge der Menschen in einem Raum.“ Sie haben schon die Temperatur in einigen Klassenzimmern gemessen – „da war nichts unter 30 Grad dabei“.Wie macht man bei dieser Hitze eigentlich Unterricht?Morgens lüften, Jalousien runter und die Fenster zu, so machen sie es in Freiham. In den Pausen säßen seine Schüler viel im Schatten, sagt Schulleiter Thomas Schranner, „sie nutzen jeden Baum“. Und das Schwimmbad am Nachmittag, das gönne er allen.An der Grundschule Berg am Laim verschieben sie den Unterricht an besonders heißen Tagen auch mal nach draußen, in den Schatten. Schreiben Buchstaben oder Matheaufgaben in den Sand, durchstreifen den Schulgarten und üben das Einmaleins unter einem Baum.
Hitze in München: Warum es in Schulen nicht mehr so einfach hitzefrei gibt
Pausenlos Sonne, mitunter unerträgliche Hitze schon am späten Vormittag. An Münchner Schulen gibt es unterschiedliche Hitze-Strategien.












