Kaderschmiede statt Gesamtschule: Prinz George geht nach EtonDer älteste Sohn von William und Kate wechselt nach den Sommerferien auf das elitäre Internat Eton. Wegen der extrem hohen Schulgebühren und der elitären Männerwelt ist zu diesem Entscheid eine heftige Diskussion ausgebrochen.Elena Panagiotidis22.06.2026, 13.52 Uhr4 LeseminutenKate, Prinzessin von Wales, mit ihren Söhnen Prinz George (links) und Prinz Louis in einer offenen Kutsche bei der Rückkehr zum Buckingham Palace während der «Trooping the Colour», der jährlichen Geburtstagsparade des Königs, in London am 13. Juni 2026.Kirsty Wigglesworth / APDas schulische Wohlergehen der Kinder spielt wohl für alle Eltern eine grosse Rolle. Hat die Schule einen guten Ruf? Wie weit ist der Schulweg? Manche Eltern gehen sogar vor Gericht, weil sie einen Schulweg von 1,3 Kilometern für ihr Kind unzumutbar finden. Andere ziehen wegen einer Klassenzuteilung bis vor das Bundesgericht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die britischen Royals ticken da sehr ähnlich. Der Kensington-Palast hat vergangene Woche bestätigt, dass Prinz George ab dem kommenden Schuljahr nach Eton gehen wird. Wie britische Medien berichten, hätten William und Kate lange nachgedacht und zuvor mehrere Schulen besichtigt. So seien sie unter anderem am Marlborough College gewesen – wo Kate einst selbst zur Schule ging.Was für Eton gesprochen habe, sei die Nähe gewesen. Vom Familienwohnsitz in Forest Lodge in Windsor dauert es mit dem Auto nur eine Viertelstunde. Zudem ist Papa William hier zur Schule gegangen und hat die Zeit – im Gegensatz zu seinem Bruder Harry – sehr genossen. Akademisch geniesst Eton einen ausgezeichneten Ruf. Die Wahl der Eltern ist daher leicht erklärbar, auch aus Sicherheitsbedenken.Das altehrwürdige Eton College wurde 1440 gegründet. 20 britische Regierungschefs absolvierten hier ihre Ausbildung.Mark Kerrison / In Pictures / GettyPrinz William schreibt sich am 6. September 1995 an seinem ersten Tag in Eton ein, umringt von seiner Familie. Auch sein Bruder Harry besuchte später Eton.Anwar Hussein / WireImage / GettyExorbitante SchulgebührenAber Eton ist natürlich nicht irgendeine Schule. Die Schulgebühren liegen bei über 63 000 Pfund pro Schuljahr, das sind umgerechnet knapp 68 000 Franken oder 75 000 Euro. Laut dem Office for National Statistics lag der Durchschnittslohn in Grossbritannien im Jahr 2025 bei rund 37 000 Pfund.Aufgenommen werden ausschliesslich Jungen im Alter von 13 bis 18 Jahren. Das ist seit der Gründung durch König Heinrich VI. im Jahr 1440 so. Die Schule ist damit eine reine Männerdomäne und Kaderschmiede der Macht: Fünf britische Premierminister seit dem Zweiten Weltkrieg besuchten Eton, unter ihnen David Cameron und Boris Johnson. In der ganzen Zeit seines Bestehens brachte Eton nicht weniger als zwanzig britische Regierungschefs hervor.George, der im Juli 13 wird, tritt dort in einen isolierten Kosmos ein. In Eton erwarten ihn Elite-Unterricht und Frack-Pflicht, aber auch jahrhundertealte, skurrile Rituale wie das legendäre «Wall Game» – eine Art schlammiges Mauer-Rugby, bei dem seit über 1000 Jahren kein Tor mehr gefallen ist, aber das von der gesamten Schule frenetisch gefeiert wird.Eton-Schüler feiern in den 1930er Jahren den Ferienbeginn.Keystone-France / Gamma-Keystone / GettyHarry (Mitte) und sein Bruder Prinz William (ganz rechts) nehmen im März 2003 am «Wall Game» in Eton teil.Kirsty Wigglesworth / Getty«Das wird ihn bestimmt auf dem Boden der Tatsachen halten»Wegen dieser Exklusivität ist der Entscheid der Familie umstritten. Zarah Sultana von der sozialistisch-antiisraelischen Your Party fragte spöttisch auf X: «Was stimmt denn mit der örtlichen Gesamtschule nicht? Wenn staatliche Schulen für alle anderen gut genug sind, warum dann nicht auch für den zukünftigen König?» Sultana verband ihr Statement mit einem Aufruf zur Abschaffung der Monarchie.Auch der Post des unabhängigen Parlamentsabgeordneten Karl Turner triefte vor Sarkasmus: «Na prima, das wird ihn bestimmt auf dem Boden der Tatsachen halten.» Lewis Goodall, ein ehemaliger BBC-Moderator, erinnerte auf Social Media daran, dass die hochrangigen Mitglieder anderer europäischer Königshäuser häufig staatliche Schulen besuchten. «Was für ein Zeichen wäre das doch, wenn die Windsors es einmal versuchen würden.»FYI- it’s not unusual at all in Scandinavia and the Netherlands for senior royals to attend state schools. What a statement it would be (as well as good for the future head of state) if the Windsors were to give it a try.— Lewis Goodall (@lewis_goodall) June 16, 2026