Für Rosa Sticki und ihre Kinder, die in Auschwitz ermordet wurden, sind Stolpersteine in Zürich gesetzt worden. Nun muss das kleine Mahnmal wieder weichenDie vier Gedenksteine für die Shoah-Opfer an der Dufourstrasse werden herausgeschnitten und zwischengelagert. Der Grund ist eine grosse Baustelle.22.06.2026, 14.15 Uhr3 LeseminutenRosa Makow heiratet 1928 den Franzosen Bernhart Sticki. Damit verliert sie die schweizerische Staatsbürgerschaft.PDEs ist ein bewegender Gedenkanlass gewesen. Am 7. Mai wurden an der Dufourstrasse 70 in Zürich vier Stolpersteine ins Trottoir gesetzt. Sie erinnern an das tragische Schicksal der Jüdin Rosa Sticki-Makow, die in dem Gebäude aufwuchs, und an dasjenige ihrer Kinder. Sie und ihre drei Töchter wurden Opfer der Nationalsozialisten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dutzende von Angehörigen, einige von ihnen reisten extra aus Israel an, wohnten der Setzung bei. Edith Fromer-Edelmann hat Rosa Sticki-Makow persönlich gekannt. Diese war ihre Tante. Die 92-jährige Fromer-Edelmann sprach an der Setzung. Für sie bedeute diese den Abschluss eines schlimmen Kapitels, sagte sie damals. Doch nun kann sie nicht abschliessen.Denn Ende Juli oder Anfang August kommen die Stolpersteine wieder weg. Wieso?Der Grund ist eine grosse Baustelle an der Dufourstrasse 70. In dem 1895 errichteten Gebäude befindet sich das Hotel Seegarten. Dieses soll umfassend umgebaut werden. Aus dem 3-Sterne-Haus soll ein 5-Sterne-Boutiquehotel mit Gourmetrestaurant und Spa-Bereich werden.Steinsetzung hätte sich um Jahre verzögertRes Strehle, ehemaliger Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», gehört zur Regionalgruppe Zürich des Vereins Stolpersteine. Er schildert die Hintergründe. Der Verein habe gerade die Steinsetzung geplant, als er vom Umbau erfahren habe. Doch auf den Abschluss der Bauarbeiten zu warten, hätte die Steinsetzung um mehrere Jahre verzögert. Üblich sei das nicht, doch in einer Stadt mit zahlreichen Bauprojekten könne so etwas vorkommen.Das mit dem Umbauprojekt beauftragte Architekturbüro habe dem Verein Stolpersteine zwei Möglichkeiten vorgeschlagen. Entweder hätten die Bauherren die Steine während der Umbauphase abgedeckt oder bei Beginn herausgeschnitten und zwischengelagert. In Absprache mit den Angehörigen entschied sich der Verein für die letztere Variante.Momentan stehen der Verein, die Angehörigen und die Bauleitung bezüglich des Zwischenlagerns in Kontakt. Die vier Gedenksteine kommen vermutlich in die Obhut der Angehörigen von Rosa Sticki-Makow.Rosen und Kerzen liegen neben vier Stolpersteinen während der Setzung am 7. Mai an der Dufourstrasse.Michael Buholzer / KeystoneVom Roten Kreuz abgelehntRosa Makow wurde 1908 geboren und wuchs im Zürcher Seefeld auf. Als sie 20 Jahre alt war, heiratete sie den Franzosen Bernhart Sticki. Dadurch verlor sie das Schweizer Bürgerrecht. Sie zog nach Frankreich, wo ihre Kinder zur Welt kamen. Mit dem Einmarsch der Deutschen wurde die Situation für Juden immer schlimmer.Rosa Sticki-Makow wollte ihre Töchter Florentine, Marie und Mauricette durch einen «Erholungsurlaub» des Roten Kreuzes in die Schweiz bringen. Die Angehörigen sagen, das Rote Kreuz habe die Kinder jedoch kurz vor der Reise abgelehnt. Ein Verwandter habe derweil in Bern auf sie gewartet und sich gewundert, weshalb sie nicht angekommen seien. Das dürfte nach 1942 gewesen sein.Für ihre Kinder und Rosa Sticki-Makow selbst war der Entscheid des Roten Kreuzes fatal. Sie kamen ins Gefangenenlager Drancy bei Paris. Von dort wurden während der deutschen Besetzung 60 000 französische Juden in Konzentrationslager verschleppt. Rosa, Florentine, Marie und Mauricette Sticki wurden am 13. April 1944 mit dem Transport Nummer 71 von Drancy nach Auschwitz deportiert. Wenige Tage später, am 18. April 1944, wurden Rosa, Florentine, Marie und Mauricette in Auschwitz ermordet.Bernhart Sticki überlebte als Einziger der Familie das Konzentrationslager. Doch das sei für ihn kein richtiges Leben mehr gewesen, sagte eine Angehörige an der Stolpersteinsetzung im Mai.Mitarbeiter des Stadtzürcher Tiefbauamts hatten die Steine in den Asphalt eingelassen. Wie das Tiefbauamt auf Anfrage mitteilt, werden sie die Steine nach Abschluss der Bauarbeiten wieder einsetzen. In Zürich gibt es insgesamt 22 Steine an 15 Standorten.Passend zum Artikel