PfadnavigationHomeSportGolfWyndham ClarkAusgebuht und verspottet – Wirbel um US-Open-SiegerStand: 11:52 UhrLesedauer: 4 MinutenZielscheibe vieler im Shinnecock Hills Golf Club: Wyndham ClarkQuelle: Getty Images via AFP/CHRISTIAN PETERSENGolf gilt als Sport, bei dem gute Sitten und Etikette zählen. Am letzten Tag der US Open sieht das anders aus. Zuschauer versuchen, den Sieg von Wyndham Clark zu verhindern.US-Golfstar Wyndham Clark hat zum zweiten Mal in seiner Karriere den Titelgewinn bei den US Open perfekt gemacht. Der 32-Jährige gewann im Shinnecock Hills Golf Club auf Long Island nahe New York mit einem Gesamtergebnis von 276 Schlägen und einem Versuch Vorsprung auf seinen Landsmann Sam Burns. Clark hatte sich den Gewinn der US Open bereits vor drei Jahren in Los Angeles gesichert. „Der erste Sieg war wie ein Durchbruch, die Erkenntnis, dass ich es schaffen kann“, sagte er nach seinem Sieg beim dritten Major-Turnier des Jahres. „Ich verlasse diesen Ort als Champion, und ich bin einfach unendlich dankbar.“ Für den Sieg auf einem der schwersten Golfplätze der Welt kassierte der US-Profi ein Preisgeld von 4,5 Millionen US-Dollar (3,9 Millionen Euro).Clark musste zum Ende noch einmal um den Triumph zittern. Er war am Finaltag mit einem Vorsprung von sechs Schlägen auf den Weltranglistenersten Scottie Scheffler aus den USA sowie vier weiteren schlaggleichen Profis gestartet. Mit einer durchwachsenen letzten Runde und 73 Schlägen hätte er fast noch seinen großen Erfolg verspielt. Das lag auch am Publikum, welches am Finalsonntag für einen Eklat sorgte. Clark wurde von den Fans systematisch runtergeputzt. Fans riefen seinem Ball hinterher, er solle im Bunker oder im Rough landen. Ein Zuschauer wurde des Platzes verwiesen, nachdem er gerufen hatte: „Versag nicht, Wyndham!“ Die Fans jubelten bei verzogenen Bällen oder vergebenen Putts. „Wyndham wird das noch verlieren“, sagte ein Mann, als Clark am zehnten Loch zu seinem Ball ging.Die New Yorker wollten einen anderen Sieger sehenClark ist nicht sehr beliebt. Man kann die Störfeuer der Fans als Reaktion darauf sehen, dass er vergangenes Jahr bei den US Open im Oakmont Country Club wütend einen Spind beschädigte, nachdem er am Cut gescheitert war. Oder darauf, dass er im Fernsehen sagte, von Kindern beim Masters Par-3-Contest umgeben zu sein, sei eine „großartige Empfängnisverhütung“. Vor allem aber wollten die New Yorker auch einen anderen Sieger sehen: Scottie Scheffler, der dem Karriere-Grand-Slam nachjagte – nur die US Open fehlen dem Weltranglistenersten noch in seiner Sammlung der vier Major-Titel. Und so wird es auch noch mindestens ein Jahr bleiben. Der viermalige Major-Champion und Olympiasieger kam mit vier Schlägen Rückstand auf den geteilten vierten Platz.Lesen Sie auchEs ist selten, dass ein Golfspieler derart verhöhnt wird. Rory McIlroy erlebte das im vergangenen September beim Ryder Cup in Bethpage Black, ebenfalls auf Long Island. Doch das war ein Teamwettbewerb. McIlroy war der Star des siegreichen europäischen Teams auf fremdem Boden. Clark aber ist Amerikaner. Clark sagte, er habe versucht, sich am Sonntag in die Rolle eines „Underdogs“ zu versetzen: „Immer, wenn jemand etwas Negatives zu mir sagte, habe ich es durch etwas Positives ersetzt. Einiges davon habe ich mir selbst zuzuschreiben. Ich habe es mir irgendwie selbst eingebrockt, aber ich verstehe es auch. Scottie spielte um den Karriere-Grand-Slam, und das kommt nicht besonders oft vor.“Fröhlicher Jubel, als der Ball vom Grün rolltScheffler, der mit Clark in der letzten Gruppe spielte, war mit der einseitigen Stimmung auf dem Platz nicht ganz einverstanden. „Man freut sich, wenn die Fans einen anfeuern. Aber manchmal kann es auch ein bisschen zu viel werden, wenn Bälle von den Grüns wegrollen und man dann Jubel hört“, sagte er: „Das war für mich etwas zu viel.“„Ab ins Rough!“, rief ein Fan nach Clarks Abschlag an der 13. Als sein zweiter Schlag auf einem heiklen Teil des Grüns landete, skandierte die Menge: „Weiter! Weiter! Weiter!“ – und brach in fröhlichen Jubel aus, als der Ball hinten vom Grün rollte.Spott gab es auch auf der 17. Bahn, als Clark vor seinem Par-Putt aus rund zweieinhalb Metern noch einmal absetzte – und dann verschob. Als er mit der Mütze in der Hand zum Abschlag der 18 ging und sich am Kopf kratzte, sang ein Fan auf der Tribüne „Under Pressure“.Doch der Verspottete hielt stand. „Ja, es war hart, aber ich bin stolz auf mich, dass ich mich da durchgekämpft habe“, sagte Clark. „Ich meine, es hätte mir wirklich entgleiten können. Ich bin standhaft geblieben. Klar hätte ich gern deutlicher gewonnen, aber solange man gewinnt, ist es egal.“Deutschlands Golf-Hoffnung Matti Schmid war bereits nach zwei Runden klar am Cut gescheitert und hatte damit die Qualifikation für die beiden Runden am Wochenende auf dem Golfplatz rund 150 Kilometer östlich von New York verpasst. Vor fünf Wochen hatte der 28-jährige Regensburger bei der PGA Championship mit seinem vierten Platz noch für Aufsehen gesorgt.mit dpa und AP
Golf: Ausgebuht und verspottet – Eklat um US-Open-Sieger Wyndham Clark - WELT
Golf gilt als Sport, bei dem gute Sitten und Etikette zählen. Am letzten Tag der US Open sieht das anders aus. Zuschauer versuchen, den Sieg von Wyndham Clark zu verhindern.











