Auch zu ihrem zweiten WM-Spiel in Los Angeles waren die Iraner wieder aus Tijuana angereist, also von jenseits der Grenze, aus Mexiko. Über den Mit-Gastgeber, der den Iranern spontan ein Trainingsquartier angeboten hatte, weil sie in den USA nicht länger bleiben dürfen als nötig, sagte der Verteidiger Alireza Jahanbakhsh nach der Partie in bemerkenswertem Spanisch: „Muchas Gracias, Mexico!“Die Lage zwischen dem Weltverband Fifa, dem iranischen Team, dem WM-Hauptgastgeber USA und den iranischen oder iranisch-stämmigen Zuschauern in Los Angeles darf hingegen weiterhin als kompliziert gelten, trotz der politischen Teilentspannung zwischen Washington und Teheran. Zu erkennen war das am Sonntagabend, ehe die Partie gegen Belgien angepfiffen wurde, zum Beispiel an den Menschen in Iran-Trikots, die zu Beginn der iranischen Hymne pfiffen, etwa ein Viertel der mehr als 70 000 Zuschauer. Was fiel Alireza Jahanbakhsh dazu ein? Das seien eben „Menschen mit unterschiedlichen Ideen, Ideologien, Kulturen, aus verschiedenen Städten Irans: Sie sind heute ins Stadion gekommen. Das bringt die Leute zusammen, das ist Einheit.“Wenn es so einfach wäre.Alireza Jahanbakhsh nach dem 0:0 gegen Belgien. Gregory Bull/APRein sportlich ist die Partie schnell erzählt: Zunächst hatte Belgien deutlich mehr Ballbesitz, aber keine klare Offensiv-Idee. Die wenigen Chancen, die sich meist eher zufällig ergaben, wurden vergeben. Nach der roten Karte für Belgiens Nathan Ngoy in der 67. Minute wegen einer Notbremse hatte Iran den Ball öfter, aber seinerseits keine Idee, wie man zu Torchancen kommen könnte. 0:0 also, ein Sommerkick bei 25 Grad in LA, der nicht in Erinnerung bleiben wird. Jedenfalls nicht wegen des Sports.Aber da ist halt weiter die (sport-)politische Komponente der iranischen WM-Mission. Deshalb mussten am Sonntag die iranischen Spieler beim Abspielen der Hymne gegen die Pfiffe aus mindestens 20 000 Mündern ansingen – und diese Zerrissenheit, siehe Alireza Jahanbakhsh, danach als angebliche „Einheit“ preisen. Wie schon rund um ihr erstes Spiel gegen Neuseeland wurden die Spieler von ebendiesen Fans wieder als „Terroristen“ beschimpft. Auch von Landsleuten wohlgemerkt, Exil-Iranern, die das Team als Repräsentanten des Teheraner Terrorregimes ansehen.Zugleich mussten die Spieler wieder Fragen nach Unterkunft und Reisestrapazen beantworten, obwohl sie betonten, nur über Fußball reden zu wollen. Noch mal Alireza Jahanbakhsh, der gegen Belgien nach der Pause eingewechselt worden war: „Wir bitten doch lediglich um das gleiche Protokoll wie für alle anderen 47 Teams. Das ist normale Fairness, wir verlangen wirklich nicht viel.“Der iranische Verband hat mittlerweile offiziell Protest eingelegt, auch wenn die Mannschaft zu ihrem dritten Spiel, am Freitagabend (Ortszeit) in Seattle gegen Ägypten, offenbar zwei Tage vorher anreisen darf, wie es die meisten Teams tun. Das Argument von Trainer Amir Ghalenoei: „Wir mussten viel reisen, die Spieler sind müde, es war mental sehr fordernd.“ Ein Unentschieden brauchen sie wohl gegen den Tabellenführer der Gruppe G, um noch eine Chance zu haben, als einer der besten acht Gruppendritten weiterzukommen.„Diese WM findet nicht nur in Stadien statt, sondern auch auf Straßen und öffentlichen Plätzen“, sagt dazu Mohammad Reza Gilani von der iranischen Botschaft in Mexiko und mithin ein Vertreter des Teheraner Regimes. „Die WM-Geschichte zeigt: Der wichtigste Wettbewerb ist der um Gastfreundschaft.“ Ja, die US-Behörden machen sich gar nicht erst die Mühe, mit der iranischen WM-Delegation fair umzugehen – und machen es ihr gerade dadurch leicht, eine Opferrolle zu betonen.
Zerrissenheit, die offiziell „Einheit“ genannt wird
Auch zu ihrem zweiten WM-Spiel in Los Angeles waren die Iraner wieder aus Tijuana angereist, also von jenseits der Grenze, aus Mexiko. Über den Mit-Gastgeber, der den Iranern spontan ein Trainingsquartier angeboten hatte, weil sie in den USA nicht länger bleiben dürfen als nötig, sagte der Verteidiger Alireza Jahanbakhsh nach der Partie in bemerkenswertem Spanisch: „Muchas Gracias, Mexico!“Die Lage zwischen dem Weltverband Fifa, dem iranischen Team, dem WM-Hauptgastgeber USA und den iranischen oder iranisch-stämmigen Zuschauern in Los Angeles darf hingegen weiterhin als kompliziert gelten, trotz der politischen Teilentspannung zwischen Washington und Teheran. Zu erkennen war das am Sonntagabend, ehe die Partie gegen Belgien angepfiffen wurde, zum Beispiel an den Menschen in Iran-Trikots, die zu Beginn der iranischen Hymne pfiffen, etwa ein Viertel der mehr als 70 000 Zuschauer. Was fiel Alireza Jahanbakhsh dazu ein? Das seien eben „Menschen mit unterschiedlichen Ideen, Ideologien, Kulturen, aus verschiedenen Städten Irans: Sie sind heute ins Stadion gekommen. Das bringt die Leute zusammen, das ist Einheit.“Wenn es so einfach wäre.Alireza Jahanbakhsh nach dem 0:0 gegen Belgien. Gregory Bull/APRein sportlich ist die Partie schnell erzählt: Zunächst hatte Belgien deutlich mehr Ballbesitz, aber keine klare Offensiv-Idee. Die wenigen Chancen, die sich meist eher zufällig ergaben, wurden vergeben. Nach der roten Karte für Belgiens Nathan Ngoy in der 67. Minute wegen einer Notbremse hatte Iran den Ball öfter, aber seinerseits keine Idee, wie man zu Torchancen kommen könnte. 0:0 also, ein Sommerkick bei 25 Grad in LA, der nicht in Erinnerung bleiben wird. Jedenfalls nicht wegen des Sports.Aber da ist halt weiter die (sport-)politische Komponente der iranischen WM-Mission. Deshalb mussten am Sonntag die iranischen Spieler beim Abspielen der Hymne gegen die Pfiffe aus mindestens 20 000 Mündern ansingen – und diese Zerrissenheit, siehe Alireza Jahanbakhsh, danach als angebliche „Einheit“ preisen. Wie schon rund um ihr erstes Spiel gegen Neuseeland wurden die Spieler von ebendiesen Fans wieder als „Terroristen“ beschimpft. Auch von Landsleuten wohlgemerkt, Exil-Iranern, die das Team als Repräsentanten des Teheraner Terrorregimes ansehen.Zugleich mussten die Spieler wieder Fragen nach Unterkunft und Reisestrapazen beantworten, obwohl sie betonten, nur über Fußball reden zu wollen. Noch mal Alireza Jahanbakhsh, der gegen Belgien nach der Pause eingewechselt worden war: „Wir bitten doch lediglich um das gleiche Protokoll wie für alle anderen 47 Teams. Das ist normale Fairness, wir verlangen wirklich nicht viel.“Der iranische Verband hat mittlerweile offiziell Protest eingelegt, auch wenn die Mannschaft zu ihrem dritten Spiel, am Freitagabend (Ortszeit) in Seattle gegen Ägypten, offenbar zwei Tage vorher anreisen darf, wie es die meisten Teams tun. Das Argument von Trainer Amir Ghalenoei: „Wir mussten viel reisen, die Spieler sind müde, es war mental sehr fordernd.“ Ein Unentschieden brauchen sie wohl gegen den Tabellenführer der Gruppe G, um noch eine Chance zu haben, als einer der besten acht Gruppendritten weiterzukommen.„Diese WM findet nicht nur in Stadien statt, sondern auch auf Straßen und öffentlichen Plätzen“, sagt dazu Mohammad Reza Gilani von der iranischen Botschaft in Mexiko und mithin ein Vertreter des Teheraner Regimes. „Die WM-Geschichte zeigt: Der wichtigste Wettbewerb ist der um Gastfreundschaft.“ Ja, die US-Behörden machen sich gar nicht erst die Mühe, mit der iranischen WM-Delegation fair umzugehen – und machen es ihr gerade dadurch leicht, eine Opferrolle zu betonen.








