Die Oberschlauen der deutschen Medien und Politik sind wie so oft einer Meinung: Jens Spahn hätte niemals die Einladungen zu Peter Thiels Dialog-Treffen annehmen dürfen. „Fragwürdig“ heißt es aus Reihen der SPD, „unwürdig“ befindet der innenpolitische Sprecher der Grünen und für die Linke ist es eine „Zumutung“. In die gleiche Kerbe schlagen ihnen nahestehenden Publikationen. Das Gegenteil ist wahr. Deutsche Politiker, die eine Einladung zum Austausch mit einer der wirtschaftlich und politisch einflussreichsten Personen der Gegenwart ausschlagen, wären nicht nur dumm, sie würden auch unseren Interessen schaden.

Jens Spahn hat fünfmal an Treffen von Thiels „Dialog“-Netzwerk teilgenommen. Das kam jüngst durch einen Leak ans Licht über den das US-Magazin Wired berichtete. Damit hat der CDU-Fraktionsvorsitzende aber nur getan, was jeder ernsthafte Politiker tun sollte: mit den Leuten reden, die die Welt bewegen.

Man kann Thiels demokratiekritische Thesen ablehnen. Man kann ihn als libertären Sonderling abtun. Das ist legitim. Aber bestreiten, dass der deutschstämmige Unternehmer zu den einflussreichsten Figuren im Silicon Valley und im Trump-Universum gehört, kann man nicht. Thiel war Mitgründer von PayPal, erster externer Investor bei Facebook, Geldgeber bei LinkedIn und Yelp, Mitgründer von Palantir – kaum jemand hat über zwei Jahrzehnte konsequenter auf die prägenden Technologien seiner Zeit gewettet, und kaum jemand hat dabei so oft richtig gelegen.