Zwischen Freundschaft und Partnerschaft hat sich in den letzten Jahren ein Zustand etabliert, der inzwischen so verbreitet ist, dass er fast schon zum Alltag gehört. Auch wenn ihn kaum jemand wirklich definiert. Die sogenannte „Situationship“. Gemeint ist damit eine Verbindung, die mehr ist als Freundschaft, aber auch keine Beziehung.Willkommen im Berliner Dating-Alltag, in einer Stadt, in der rund 56,5 Prozent der Haushalte aus genau einer Person besteht. Mehr als jeder Zweite lebt allein, ist unabhängig, hat volle Tage, volle Kalender – und ist trotzdem nicht komplett uninteressiert an Nähe.

Genau aus dieser Mischung entsteht dieses Modell, das inzwischen so normal geworden ist, dass es kaum noch auffällt.

Berlin kann alles – außer sich festlegen

„Situationship“ klingt dabei viel eleganter als es eigentlich ist. Es klingt nach New Work für Gefühle, nach einer Beziehung mit flexiblem Stundenmodell und ohne Betriebsrat. In Wahrheit ist es meist sehr viel einfacher und gleichzeitig viel widersprüchlicher: Man sieht sich regelmäßig, man kennt sich, man teilt halbe Wochenenden, schlechte Laune, Wolt-Bestellungen, läuft händchenhaltend durch die Straßen und irgendwann steht da ganz selbstverständlich eine zweite Zahnbürste im Becher. Doch offiziell ist es: nichts. Und dieses Nichts wird mit einer Ernsthaftigkeit verteidigt, als hinge die Verfassung dran.