Besser golfen in sieben Tagen? So einfach ist es nichtGolfferien im Ausland sind attraktiv. Wer allerdings hofft, danach ein Crack zu sein, wird enttäuscht werden. Was man wissen muss, um tatsächlich profitieren zu können.Kathrin Reimann21.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIllustration Jasmin Hegetschweiler / NZZEine Woche Golfferien unter Anleitung, und schon kann man deutlich besser golfen – das ist eine schöne Vorstellung, jedoch nicht realistisch. Das sagen Georges Müller, Golfreiseexperte von Sphinx Travel, und der Golfprofi James Johnson vom Golfklub Limpachtal, der seit über zwanzig Jahren Trainingsreisen als Coach begleitet. Fortschritte entstünden über Monate. Nutzlos seien intensive Trainingswochen aber keineswegs.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Weshalb lohnen sich Golfferien?«Eine Golfreise kann ein guter Kickstart sein», sagt Müller. Gerade Spielerinnen und Spieler, die zu Hause regelmässig trainieren, können viel profitieren. Neue Bewegungsabläufe werden durch die regelmässige Wiederholung schneller verankert. Viele Coaches arbeiten mit Videoanalysen, damit man später weiter üben kann.Besonders wertvoll seien Trainingsreisen, weil dort nicht nur auf der Driving-Range geübt werde. «Auf der Range liegen viele Bälle perfekt», sagt Müller, «auf dem Platz beginnt das eigentliche Golf.» Schräglagen, hohes Gras, Bunker, taktische Entscheidungen oder die richtige Schlägerwahl liessen sich kaum simulieren. Genau dort begleiteten viele Profis ihre Gruppen direkt auf der Runde. Course-Management nennen Golfer und Golferinnen diesen Teil des Spiels – also die Fähigkeit, Situationen richtig einzuschätzen und kluge Entscheidungen zu treffen.«Der Coach sieht auf dem Platz oft Dinge, die auf der Range gar nicht auffallen», sagt Johnson. Etwa Nervosität, falsche Entscheidungen oder Probleme beim Kurzspiel. Deshalb legen die Organisatoren vieler Trainingsreisen heute grossen Wert auf gut ausgebaute Übungsanlagen. «Die Infrastruktur ist entscheidend. Nur Bälle schlagen reicht nicht», sagt Müller.Wie anstrengend sind Golfreisen?Mit klassischen Ferien haben Golfreisen wenig gemeinsam. «Die Tage sind lang», sagt Johnson. «Wir starten oft früh am Morgen mit Fitness oder Mobilisation, danach folgen zwei Stunden Training, später 18 Loch auf dem Platz.» Am Abend wird analysiert, diskutiert, manchmal auch Videomaterial ausgewertet. Nicht selten dreht sich während der ganzen Woche fast alles um Golf.Der typische Rhythmus umfasst fünf Trainingstage, dazwischen gibt es allenfalls einen Ruhetag. Gespielt wird meist täglich – ausser bei Gewitter. Für viele sei das zwar anstrengend, gleichzeitig aber auch erholsam. «Man ist draussen, bewegt sich und kann komplett abschalten», sagt Müller. «Viele kommen motiviert und mental erholt zurück.»Welche Destinationen und Saisons sind beliebt?Schottland, Irland oder Schweden – diese Länder stehen zurzeit hoch im Kurs. «Weil es dort im Sommer in der Regel nicht allzu heiss ist», so Müller. Die meisten Golferinnen und Golfer würden ihre Ferien aber im Winter, Frühling und Herbst planen, da im Sommer auch gut in der Schweiz gespielt werden könne.Viele Schweizer Golfer reisen in den Wintermonaten gezielt in den Süden. Besonders gefragt sind dann Destinationen wie Spanien, Portugal, die Türkei oder Ägypten. Müller sagt: «Ägypten ist wettersicher, und viele unterschätzen es golferisch noch.» Die Motivation hinter den Golfreisen ist nicht bei allen dieselbe. Manche möchten schlicht Sonne tanken und wieder auf den Platz. Andere nutzen die Woche bewusst als Intensivtraining oder Saisonvorbereitung – oft gemeinsam mit eigenem Coach.Für viele Reisende spielt das Drumherum eine wichtige Rolle – mit gemeinsamen Abendessen, guten Restaurants oder lokalen Spezialitäten. Gerade Destinationen wie Portugal, Spanien oder Ägypten kombinieren Golf zunehmend mit Kulinarik, Wellness oder kulturellen Ausflügen und machen die Trainingswoche auch abseits des Fairways attraktiv.Wie viel kosten Golfreisen?Trainingsreisen mit Flug, Hotel und Unterricht bewegen sich je nach Destination und Komfort meist im Bereich zwischen 2000 und 4000 Franken pro Woche. Luxusresorts oder Fernreisen können deutlich teurer werden. Auch ins Gewicht fallen dabei Greenfees, Golfgepäck und Transfers. Viele Anbieter empfehlen, genau zu prüfen, welche Leistungen im Preis enthalten sind.Was ist wichtig bei der Vorbereitung?Wer eine Golfreise plant, sollte laut Müller und Johnson nicht nur auf Hotelstandard oder Sonnengarantie achten. Entscheidend seien vor allem die Trainingsmöglichkeiten. Auch bei der Ausrüstung lohnt sich gute Vorbereitung. Regenjacke, Sonnenschutz, Ersatzhandschuhe und Schirm gehören laut Johnson selbst bei sonnigen Destinationen ins Gepäck. Wetterumschwünge, Wind oder lange Tage auf dem Platz würden häufig unterschätzt.Ein weiterer Punkt, in dem sich die Experten einig sind: Die Qualität einer Golfreise hängt von der Gruppengrösse ab. «7 Personen sind das Maximum», sagt Johnson. Grössere Gruppen seien wirtschaftlich attraktiv, qualitativ aber problematisch. «Wenn 12 oder 15 Leute dabei sind, kann der Trainer nicht individuell arbeiten.» Müller empfiehlt Gruppen mit ähnlichem Spielniveau. Wenn komplette Anfänger mit tiefen Handicaps trainieren, werde es für beide Seiten schwierig. Viele ambitionierte Golfer und Golferinnen reisen deshalb bewusst mit ihrem Coach. «Der Trainer kennt die Spieler und weiss, woran gearbeitet werden muss», sagt Müller.Was braucht es für rundum gelungene Golfferien?Trotz aller Trainingsintensität geht es auf Golfreisen nicht nur um Leistung. Gerade die Mischung aus Sport, Gemeinschaft und Feriengefühl macht den Reiz aus. Manche Resorts bieten Wellnessanlagen, andere liegen nahe bei Städten oder Sehenswürdigkeiten.Gleichzeitig braucht es Selbstdisziplin. «Viele unterschätzen, wie anstrengend sieben Tage Golf am Stück sind», sagt Johnson. Wer jeden Tag Hunderte Bälle schlage, sei schnell erschöpft. «Man muss seine Energie einteilen.» Am Ende gehe es ohnehin um mehr als nur um das Handicap. «Die Leute wollen Fortschritte machen», sagt Johnson. «Aber sie wollen auch eine gute Woche erleben.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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