Leopold Aschenbrenner: Was weiss dieses Wunderkind, das die Börse nicht weiss?Der ehemalige Open-AI-Mitarbeiter ist heute Profispekulant. Er entdeckt die KI-Aktien von morgen und zieht Milliarden an.20.06.2026, 21.45 Uhr3 LeseminutenLeopold Aschenbrenner zerstritt sich mit dem Open-AI-Chef Sam Altman.Josh Edelson / Situational AwarenessDie KI-Revolution hat etwas von einer Religion. Ihre Anhänger erwarten ein neues Zeitalter, in dem Intelligenz unbegrenzt verfügbar ist. Auch an Propheten mangelt es nicht: Sam Altman von Open AI, der Nvidia-Gründer Jensen Huang – und seit neuestem Leopold Aschenbrenner. Der Deutsche ist erst Mitte zwanzig. Trotzdem hören viele KI-Investoren auf seine Prognosen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bis 2024 arbeitete Aschenbrenner für den Chat-GPT-Entwickler Open AI, bevor er sich mit der Führung überwarf und sich mit einem eigenen Hedge-Fund selbständig machte. Das Vehikel startete mit 225 Millionen Dollar Startkapital, die Aschenbrenner von Investoren im Silicon Valley eingesammelt hatte. Ende März verwaltete der Fonds bereits 13,7 Milliarden Dollar – mehr als das Sechzigfache des ursprünglichen Kapitals.Als früherer Mitarbeiter von Open AI kennt Aschenbrenner die KI-Predigt in- und auswendig. Als er vor zwei Jahren einen Essay mit dem Titel «Situational Awareness» veröffentlichte, wurde das Papier für viele KI-Enthusiasten zur Pflichtlektüre. Darin beschreibt Aschenbrenner den Wettlauf zur Superintelligenz, die seiner Prognose nach bereits 2027 erreicht wird. «Wir bauen Maschinen, die denken können.» Noch vor Ende des Jahrzehnts würden sie den Menschen an Intelligenz übertreffen.Aschenbrenners Börsenerfolg beruht auf einer einfachen Idee: Der KI-Sektor umfasst weit mehr als Sprachmodelle wie Claude oder Chat-GPT. Hinter jedem neuen Modell steht ein industrieller Prozess. Um diesen zu ermöglichen, braucht es gewaltige Rechenzentren, neue Kraftwerke und zusätzliche Chipfabriken. Wer langfristig vom KI-Boom profitieren will, sollte deshalb nicht nur auf Software setzen, sondern auf die Infrastruktur dahinter.Spekulieren gegen KI-StarsDie Anhänger Aschenbrenners verfolgen seine Investitionen genau. In den bei der US-Börsenaufsicht ausgewiesenen Aktienpositionen erhalten Interessierte Einblick in die Anlagestrategie des jungen Hedge-Fund-Managers. «Wenn dieser Typ etwas anfasst, wird es zu Gold», sagte der bekannte amerikanische Börsenkommentator Jim Cramer kürzlich. Tatsächlich lag Aschenbrenner mit mehreren frühen Wetten richtig. Besonders erfolgreich war sein Investment in den Speicherchiphersteller Sandisk, und er gehörte zu den frühesten Investoren von Anthropic.Aschenbrenner setzt sein Geld auch auf Energiefirmen wie Bloom Energy oder sogenannte Neocloud-Spezialisten wie Nebius, Coreweave oder Iren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Cloud-Anbietern wie Amazon, die allgemeine Kapazitäten verkaufen, stellen Neocloud-Firmen Rechenleistung nur für KI zur Verfügung. Aschenbrenner investiert zudem in Aktien von Bitcoin-Mining-Firmen, die auf KI umgerüstet haben.Wenig Aufwärtspotenzial sieht der Hedge-Fund-Manager bei den zwei grössten Chipherstellern Nvidia und AMD – und hat grosse Wetten gegen die Valoren am Laufen. Auch sonst setzt er mit sogenannten Put-Optionen auf fallende Aktienkurse bei den populärsten KI-Aktien. Er glaubt, dass diese früher oder später von ihren heutigen Niveaus abstürzen werden.Das klingt zunächst widersprüchlich, stimmt aber mit Aschenbrenners Überzeugung überein: Nicht die KI-Sprachmodelle sind der Flaschenhals des KI-Booms, sondern die Elektrizität und die Rechenkapazitäten.«Effektiver Altruist» wie Sam Bankman-FriedDass Aschenbrenner eine solche Anziehungskraft auf das Silicon Valley und Wall-Street-Investoren ausübt, ist alles andere als selbstverständlich. In bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, wollte Aschenbrenner die Volksschule in Deutschland verlassen. Dort werde Talent nicht gefördert und die Meritokratie sei nicht ausgeprägt genug, erklärte er vor zwei Jahren in einem Podcast.Im Alter von 15 Jahren wechselte er an die Columbia-Universität in New York, studierte Mathematik und Statistik und schloss mit 19 Jahren ab. An der Columbia begann er sich für «effektiven Altruismus» zu interessieren. Das ist eine in der amerikanischen Tech-Branche verwurzelte philosophische Bewegung, die mit rationaler Analyse maximal viel Gutes in der Welt bewirken will. So engagierte sich Aschenbrenner beim philanthropischen Arm der bankrotten Krypto-Börse FTX des verurteilten Betrügers Sam Bankman-Fried, ebenfalls ein Vertreter des effektiven Altruismus.Nach dem FTX-Kollaps ging Aschenbrenner 2023 zu Open AI, wo er Sicherheitsmethoden entwickelte. Dort verlor er jedoch bald seine Stelle. Offizieller Grund: Er soll interne Dokumente weitergegeben haben. Der inoffizielle: Aschenbrenner soll die Führung auf Sicherheitsmängel aufmerksam gemacht haben.In seinem Essay «Situational Awareness» sieht sich Aschenbrenner auch als Teil einer visionären Elite, die nun in der Verantwortung stehe, die KI-Revolution in geordnete Bahnen zu lenken: «Wie viele Wissenschafter vor uns hoffen die grossen Geister aus San Francisco, dass sie das Schicksal des Dämons kontrollieren können, den sie erschaffen haben.» Das hofft man nicht nur in San Francisco.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Leopold Aschenbrenner: Was der KI-Wunderknabe der Börse voraushat
Der ehemalige Open-AI-Mitarbeiter ist heute Profispekulant. Er entdeckt die KI-Aktien von morgen und zieht Milliarden an.
Leopold Aschenbrenner verwaltet als ex-OpenAI-Mitarbeiter einen Hedge-Fund mit $13.7B Assets. Seine These: KI-Engpässe entstehen nicht durch Modelle, sondern durch Infrastruktur (Energie, Rechenzentren, Chips). Dies signalisiert: Investments in Compute-Kapazität werden strategischer als reine Modell-Lizenzen für Tech-Teams.







