Nach monatelangem Leerlauf kommt Bewegung in die Debatte: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) fordert seine Stellvertreter in einem Brief auf, bis Oktober eine gemeinsame Bewerbung mit Brandenburg für die Expo 2035 zu prüfen. Die Initiative „Global Goals für Berlin e.V.“ drängt indes schon lange auf eine Bewerbung und hat ein selbstfinanziertes Konzept erarbeitet.Der Entwurf bricht mit alten Mustern: Die Weltausstellung soll nicht „wie ein Ufo“ landen und wieder verschwinden, sondern als transformatives Event fest in die Stadtentwicklung integriert werden.Der Architekt Tobias Wallisser ist an dem Konzept beteiligt. Er bringt die entsprechende Erfahrung mit: Für 2025 designte er den Deutschen Pavillon in Osaka, aktuell arbeitet er am Masterplan für die Expo 2030 in Riad. Im Interview erklärt er, warum Berlin der ideale Standort für eine neu gedachte Weltausstellung wäre.
Herr Wallisser, Sie sind Teil der Initiative, die die Expo 2035 nach Berlin holen will. Was reizt Sie an dieser Idee?Das Tolle an der Berliner Initiative ist, dass sie „bottom-up“ funktioniert, also aus der Zivilgesellschaft kommt. Die meisten Weltausstellungen, ob in Shanghai 2010 oder Osaka 2025, werden von Regierungen von oben verordnet. In Berlin gibt es eine privatwirtschaftliche Initiative. Die Bevölkerung ist also einmal nicht gegen etwas, sondern setzt sich aktiv für etwas ein. Sie will die Qualitäten ihrer Stadt nutzen.Welche Qualitäten wären das?Berlin ist durch den Weltkrieg, die Teilung und das Wiederzusammenwachsen der Inbegriff der Transformation. Wenn Transformation das zentrale Thema für die Zukunft des Bauens ist und es nicht mehr darum geht, auf der grünen Wiese alles neu zu erfinden, haben wir in Berlin ein weltweit einzigartiges Feld. Denken Sie nur an die dreieinhalb Flughafengelände in der Stadt: Tegel, Tempelhof, Schönefeld und den BER.Orte, die Sie als Standorte der Expo vorschlagen. Die offiziellen Regeln des Bureau International des Expositions (BIE) sehen aber vor, dass eine Weltausstellung an einem zentralen Ort stattfindet. Wir wollen das neu denken. Eine Expo sollte nicht länger wie ein UFO vom Himmel fallen und auf einem abgeriegelten Gelände außerhalb der Stadt landen. Paris hat mit der Olympiade 2024 wunderbar vorgemacht, wie man Großevents reformieren kann. Dort ging es nicht darum, das größte Stadion auf der grünen Wiese zu bauen, sondern temporär Orte für das Event zu schaffen – zum Beispiel Tribünen im Schlosspark von Versailles. Genau das brauchen wir für die Expo. Sie sollte temporär zu Gast in der Stadt sein, internationale Gäste mit den Bewohnern zusammenbringen und die Vielfalt der Metropole zeigen.







