Einer von inzwischen vielen Tagen am Potsdamer Platz oder Brandenburger Tor. Schüler halten Plakate hoch: „Sterben steht nicht auf dem Stundenplan.“ Die Polizei zählt allein im März bei einer Demo rund 3000 Teilnehmer, die Veranstalter sprechen von 6000 – bundesweit streiken an diesem Tag etwa 50.000 Jugendliche gegen die drohende Wehrpflicht. Wenige Wochen später steht fest: Jugendoffiziere der Bundeswehr dürfen weiter an Berliner Schulen auftreten, erstmals geregelt durch eine förmliche Vereinbarung zwischen Senat und Truppe. Zugleich übt das Wachbataillon in der Hauptstadt den Verteidigungsfall. Und im Bundeshaushalt steigen die Mittel für Nachwuchswerbung auf 70,5 Millionen Euro.

So sieht Zeitenwende im Alltag aus: nicht als Sirene, sondern als Termin, Formular, Plakat, Unterrichtsbesuch.

Der Krieg ist nicht da. Aber seine Möglichkeit hämmert sich von allen Seiten in die Köpfe ein. Sie kommt nicht mit Marschmusik, sondern mit Powerpoint-Folien. Nicht als Ausnahmezustand, sondern als Kooperationsvereinbarung. Berlin ist dabei mehr als Kulisse. Hier sitzen Bundesregierung, Bundestag, Ministerien, Botschaften. Hier demonstrieren Jugendliche gegen Wehrpflichtpläne, hier übt der Staat, was er im Ernstfall können müsste.