Als US-Medien die New Yorker Skandal-Performance von 1967 in der westlichen Kunstwelt verbreiteten, weil der Video-Avantgardist Nam June Paik mit seiner Kollegin, der Cellistin Charlotte Moorman, oben ohne ein Straßenkonzert gegeben hatte und das Duo verhaftet wurde, da war Wulf Herzogenrath aus dem brandenburgischen Rathenow noch Student – weit weg also von der US-Medien-Avantgarde, die später seinen Weg so sehr prägen würde.

Der Weg zum Pionier der Moderne

Irgendwer muss ihm an der Wiege gesungen haben, dass er dereinst Deutschlands renommierter Videokunst- und Bauhaus-Fachmann werden würde. Wulf Herzogenrath, Jahrgang 1944, war bald nach dem Abitur in den Westen gegangen, brennend neugierig auf alles Neue in der Kunst. Er studierte in Kiel, Bonn und West-Berlin. Bald war er gefragt als führender Kenner der damals in Deutschland gänzlich neuen Disziplin Video und ebenso für die Kunst des Bauhauses. Mit 28 wurde er zum bis dahin jüngsten Direktor eines deutschen Kunstvereins berufen, dem Kölnischen, dem er knapp 17 Jahre vorstand. Bei der Documenta 6 von 1977 war er für die Videokunst zuständig, zehn Jahre später holte man ihn ins Leitungsteam der Documenta 8. Er hat sie alle kennengelernt, ihre Werke ausgestellt, über sie geschrieben – vor allem die großen Video-Künstler dieser Welt des letzten Jahrhunderts.