Gutes Timing oder Glück? Der Benzinpreis fällt rechtzeitig zur amerikanischen FeriensaisonDonald Trump kann vorerst aufatmen: Der Spritpreis an Amerikas Tankstellen ist unter die psychologische Marke von 4 Dollar pro Gallone gefallen. Ob der Frieden mit Iran seinen Republikanern die Zwischenwahlen im Herbst rettet, bleibt ungewiss.20.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIm Sommer legen die Amerikaner noch mehr Kilometer als sonst im Auto zurück. Entsprechend ärgern sie sich über hohe Preise an der Zapfsäule.Kevin Carter / GettyDie Amerikaner beziehen weniger Ferien als die Europäer. Aber sie verstehen sich meisterlich darauf, ihre Feiertage im Sommer in lange Wochenenden zu verpacken. Und diesen Sommer haben sie Glück: Der Gedenktag Juneteenth, an dem die USA die endgültige Abschaffung der Sklaverei 1865 feiern, fiel auf einen Freitag. Millionen von Amerikanern setzten sich mit ihrer Familie ins Auto und fuhren los. Sei es, um Martin Luther Kings Geburtshaus in Atlanta zu besuchen oder um an den Strand, zum Zeltplatz oder zu einem Nationalpark zu gelangen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Tiefere Preise zur richtigen ZeitDie Fahrt an die Zapfsäule dürfte sie dabei angenehm überrascht haben. Der Benzinpreis ist in Amerika in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Vor einem Monat hätten die Amerikaner im Schnitt 4.53 Dollar für eine Gallone Benzin gezahlt (97 Rappen pro Liter), jetzt seien es noch 3.97 Dollar (85 Rappen pro Liter), berichtet der amerikanische Automobilklub AAA. Zahlreiche Medien nahmen das Unterschreiten der psychologisch wichtigen 4-Dollar-Marke zum Anlass, über die Situation an den Tankstellen zu berichten.Aus innenpolitischer Sicht, könnte man sich denken, hat Donald Trump somit den perfekten Zeitpunkt für den Friedensschluss mit Iran gefunden: Im Sommer fahren die Amerikaner so viel Auto wie sonst nie im Jahr. Und sie würden sich noch mehr als sonst ärgern über hohe Spritpreise.So präzis wird sich Trumps Timing jedoch kaum an Amerikas Autofahrern ausgerichtet haben. Der Benzinpreis reagiert zudem mit etwas Verzögerung auf den Rohölpreis. Der jüngste Rückgang ist somit nicht auf die angekündigte Öffnung der Strasse von Hormuz zurückzuführen, sondern auf all jene Faktoren, die den Rohölpreis in den vergangenen Wochen gedrückt hatten: gesunkene chinesische Importe und ein steigendes Angebot unter anderem aus den USA selbst.Aber es ist klar, dass Trump bei den Verhandlungen die Zwischenwahlen im Herbst im Kopf hatte. Wenn die Benzinpreise jetzt rasch sinken, so die Hoffnung der Republikaner, haben die Wähler ihren Ärger an der Tankstelle bis im November wieder vergessen.Die Reserven müssen wieder gefüllt werdenDie Regierung in Washington hat zur Preisdämpfung beigetragen, indem sie im März in Koordination mit anderen Staaten begonnen hatte, Öl aus ihren strategischen Reserven zu entnehmen. Der Prozess lief langsam an, doch seit Anfang Mai verliessen etwas mehr als 1 Million Fass pro Tag die staatlichen Lager beim Golf von Mexiko.Das hatte einen spürbaren Einfluss auf die Preise, war aber nicht gratis zu haben: Am vergangenen Freitag fielen die Ölreserven der USA auf 340 Millionen Fass, den tiefsten Stand seit 1983 – als sie im Nachgang der Ölkrisen erstmals überhaupt befüllt worden waren. Auch die Lager der Ölhändler, etwa am zentralen Handelsplatz in Cushing, Oklahoma, leeren sich zusehends. «In etwa vier Wochen geht uns das Öl aus», sagte Donald Trump am Mittwoch am G-7-Gipfel in Frankreich, als er seinen Friedensschluss mit Iran begründete. Das werde zu «Chaos» führen.Der amerikanische Präsident führte nicht aus, ob er seine Aussagen auf die US- oder die globalen Reserven bezog. Die Lager der Amerikaner sollten beim jetzigen Entnahmetempo wenn nötig eigentlich noch Öl für ein paar weitere Monate liefern können. Mike Sommers, der CEO der Erdölbranchenvereinigung American Petroleum Institute, sagte gegenüber dem Fernsehsender CNN, dass die Tanks zu mindestens 20 Prozent befüllt sein müssten, damit die Systeme funktionieren könnten. Das sind rund 150 Millionen Fass. Sommers warnte dennoch bereits davor, dass man sich einem Niveau annähere, «das uns Sorgen bereitet».Immerhin könnte sich die Situation mit einem dauerhaften Kriegsende in Iran mittelfristig wieder erholen. Das amerikanische Energieministerium hat bereits im März sogenannte Swap-Verträge mit Ölfirmen abgeschlossen, um die staatlichen Reserven später wieder zu befüllen. Man versprach den Partnern also, bis zu 172 Millionen Fass rasch verfügbares Öl auszuliefern; diese verpflichteten sich im Gegenzug, den USA später mehr als 200 Millionen Fass zurückzugeben. Unter dem Strich ist das ein profitables Geschäft für die USA.Ob sich auch Iran und Israel an das Drehbuch von Trumps Sommermärchen halten, die Strasse von Hormuz tatsächlich geöffnet wird und der Benzinpreis in den USA weiter sinkt? Die nächsten Wochen werden es zeigen. Aber es ist klar: Nicht nur im Weissen Haus, sondern auch in Teheran verfolgt man mit grossem Interesse, wie viel die amerikanischen Autofahrer an der Tankstelle gerade zahlen.Passend zum Artikel
Weniger als 4 Dollar pro Gallone: Der US-Benzinpreis fällt rechtzeitig zur Feriensaison
Donald Trump kann vorerst aufatmen: Der Spritpreis an Amerikas Tankstellen ist unter die psychologische Marke von 4 Dollar pro Gallone gefallen. Ob der Frieden mit Iran seinen Republikanern die Zwischenwahlen im Herbst rettet, bleibt ungewiss.
















