So positiv wie die Absichtserklärung für ein Kriegsende im Iran ist, so wenig lässt sich voraussagen, wie es weitergeht. Knackpunkt ist der Libanon.

D utzende Male wurde verkündet, dass eine Einigung kurz bevorstünde. Ebenso oft, dass alles noch scheitern könnte. Aber nun ist sie unterzeichnet: die Absichtserklärung zwischen den USA und Iran, den Krieg an allen Fronten zu beenden – am Golf, aber auch im Libanon. Beide Seiten werden sich misstrauisch beäugen, ob die jeweils andere sich an das Vereinbarte hält.

Die zunächst größte Frage: Was hat US-Präsident Donald Trump, der zusammen mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu diesen Krieg begonnen hat, tatsächlich erreicht? Die konkretesten Absichten wie die Öffnung der Straße von Hormus und das Ende der US-Seeblockade gegen Iran stellen die freie Schifffahrt am Golf wieder her, einen Zustand, wie er vor diesem Krieg geherrscht hatte.

Vieles bleibt offen. Der Schlüsselsatz, der immer wieder auftaucht, lautet: Bis ein endgültiges Abkommen Näheres regelt. Das betrifft auch die Atomverhandlungen, so sie denn tatsächlich innerhalb von 60 Tagen beginnen werden – Trumps größtes Problem. Er muss erst einmal zu dem Punkt kommen, den der damalige US-Präsident Barack Obama nach 21 Monaten Verhandlungen mit Iran mit seinem damaligen Atomabkommen erreicht hatte. Wenn Trump diesen Deal nicht zerrissen hätte, hätten die Iraner ihr Uran nicht so weit anreichern können, wie es international vermutet wird.