Die neue Sparsamkeit der Deutschen gefährdet die KonjunkturWegen höherer Inflation und gewachsener Unsicherheit halten sich die Konsumenten immer weiter zurück. Nicht alle Branchen sind gleich betroffen.Cornelius Welp, Frankfurt19.06.2026, 17.48 Uhr3 LeseminutenDie Deutschen achten beim Einkauf stärker auf Rabatte.Gian Ehrenzeller / KeystoneVor wenigen Tagen konnte Stefan Genth wenigstens von einem kleinen Lichtblick berichten. «Grosse Sportereignisse können sich positiv auf die Konsumstimmung auswirken und für Umsatzimpulse sorgen», sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Handelsverbands HDE. In einer Umfrage unter 400 Unternehmen rechneten die meisten aber nur mit geringen Effekten der Fussball-Weltmeisterschaft auf den Konsum. Ausnahmen gelten nur für direkt mit dem Ereignis verbundene Spezialisten wie den Sporthandel. Das Interesse an Fussballtrikots soll trotz hohen Preisen und unsicherer Wirtschaftslage gross sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das ist jedoch eine von wenigen Ausnahmen. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage verzichten die Deutschen auf Konsum und legen das Geld lieber zurück. Aus Angst vor Arbeitslosigkeit verschieben sie grössere Anschaffungen wie Küchen oder Autos auf unbestimmte Zeit, wegen der höheren Inflation achten sie beim alltäglichen Bedarf auf Rabatte und Sonderangebote. Das mag verständlich sein, kann die Sorgen aber mittelfristig weiter verschärfen. Schon jetzt belastet die Zurückhaltung die ohnehin schwachen Prognosen für die Konjunktur.Die Energiepreise dämpfen die KaufkraftGerade erst hat die Deutsche Bundesbank eine für die nähere Zukunft ernüchternde Prognose abgegeben. «Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben», heisst es in ihrem neuen Monatsbericht. Wenn der Tankrabatt Ende Juni ausläuft, dürften die Preise zunächst wieder anziehen. Auch Lebensmittel könnten sich bald spürbar verteuern, wenn die Produzenten die höheren Kosten an die Konsumenten durchreichen. Im Sommer werde die Wirtschaft deshalb stagnieren, im Herbst nur moderat anziehen. Erst 2028 rechnen die Frankfurter Volkswirte wieder mit einer deutlichen Belebung.In den vergangenen Monaten hatte sich das Konsumklima deutlich verschlechtert, zuletzt hatte es sich leicht erholt. «Die Verbraucherstimmung beendet, zumindest für den Moment, ihren Sinkflug», hiess es im Monatsbericht des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen. Die Neigung zu Anschaffungen bleibe aber «weiterhin eingetrübt», die Konsumenten fänden es derzeit «nicht besonders ratsam», grössere Investitionen zu tätigen.Die Deutschen kaufen weniger Mode und gehen seltener ausEine neue Umfrage des Umfrageinstituts Kantar im Auftrag des Vergleichsportals Idealo zeigt, bei welchen Produkten und Dienstleistungen sich die Deutschen einschränken. Bei Konsumgütern nannten 52 Prozent der 2000 Befragten Bekleidung, 42 Prozent Hobby- und Freizeitbedarf und 41 Prozent Elektronik. In der Freizeit hielten sie sich besonders mit Besuchen von Restaurants (52 Prozent), Kinos (46 Prozent) sowie Konzerten zurück (jeweils 45 Prozent).Auch eine Anfang Juni veröffentlichte Studie der Beratungsfirma Boston Consulting Group diagnostiziert, in «nahezu allen Produktkategorien» herrsche erhöhte Sparsamkeit. Ausgenommen seien lediglich Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Tiernahrung oder Haushaltspflege. Bei bis zu 74 Prozent der Käufe spielten Rabatte eine Rolle. 55 Prozent der Deutschen griffen bei Lebensmitteln häufig oder fast ausschliesslich zu den günstigen Eigenmarken der Händler. «Verbraucher priorisieren ihre Ausgaben neu, achten stärker auf Preise und hinterfragen Konsumentscheidungen kritischer als noch vor einem Jahr», lautet das Fazit der Untersuchung.Selbst bei den Ferien zeigen sich die Deutschen weniger spendabel. In einer neuen Untersuchung des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Tourismuswirtschaft gaben 40 Prozent der Befragten an, in diesem Jahr weniger für die Ferien ausgeben zu wollen. Als Gründe nannten sie vor allem die gestiegenen Kosten und die Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft.Passend zum Artikel
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Wegen höherer Inflation und gewachsener Unsicherheit halten sich die Konsumenten immer weiter zurück. Nicht alle Branchen sind gleich betroffen.











