Ganz zum Schluss schlägt Markus Söder (CSU) vorsichtige, ja fast schon demütige, für ihn jedenfalls ganz und gar untypische Töne an. So antwortet der Ministerpräsident auf die Reporterfrage nach einem Tipp für das deutsche WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste: „Es wird auf jeden Fall knapper als gegen Curaçao. Mit einem 1:0 oder 2:0 wäre ich schon zufrieden.“So viel Zurückhaltung passt so gar nicht zu den selbstbewussten Worten, mit denen nicht nur Markus Söder, sondern auch die übrigen Rednerinnen und Redner an diesem Nachmittag vor dem Schloss Nymphenburg die Münchner Olympia-Bewerbung in den strahlend blauen Himmel loben. Deren vertieftes Konzept ist zuvor den 42 olympischen Spitzenverbänden vorgestellt worden – mithin ein „wichtiger Termin“, wie Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) unterstreicht.Schließlich sind es jene Sportfunktionäre etwa vom Deutschen Basketball Bund oder vom Deutschen Tennis Bund, die bis Ende August die Olympia-Bewerbungen aus Berlin, der Region Köln-Rhein-Ruhr und eben München zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) prüfen und bewerten. Am 26. September fällt dann die Entscheidung, welcher Kandidat für Deutschland ins internationale Rennen um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 geht.„Hier in München ist ein neues Sommermärchen möglich“, wirbt Söder vor der märchenhaften Kulisse des Nymphenburger Schlosses für Olympia in der Landeshauptstadt. „Mein Idealfall wäre: Erst Olympische Spiele, dann Paralympische Spiele, und danach gehen wir gemeinsam auf die Wiesn.“ Mit München könne man international punkten, findet der Ministerpräsident – ein Seitenhieb in Richtung Konkurrenz, den Innenminister Joachim Herrmann (CSU) anschließend noch genauer ausführt. Es dürfe bei der Entscheidung für einen deutschen Olympia-Bewerber nicht darum gehen, welche Region man hierzulande fördern wolle, sagt der Minister. „Sondern wir müssen daran denken, mit welcher Stadt wir eine Chance haben, in einem IOC-Wettbewerb zu gewinnen. Und da hat München die besten Chancen.“Am Geld werde es in Bayern jedenfalls nicht scheitern, versichert Söder – ein Satz, den sicher auch Dominik Krause gerne hört. Der Oberbürgermeister verspricht sich von Olympischen Spielen in München einen „Booster für die Infrastruktur“ und nennt sie „eine gigantische Chance für diese Stadt“. Entsprechend habe man an diesem Donnerstag „alles gegeben, um die Olympischen Spitzenverbände vom Standort München zu überzeugen“, sagt Krause. Hierzu wurden die Funktionärinnen und Funktionäre zunächst in den SAP-Garden eingeladen – eine der modernsten Multifunktionshallen Europas, in der im Falle von Olympischen Spielen in München die Basketballwettbewerbe stattfinden würden.Großer Aufruhr vor malerischer Kulisse: Innenminister Joachim Herrmann, OB Dominik Krause, Reiterin Jessica von Bredow-Werndl, Ministerpräsident Markus Söder, Bayern-Präsident Herbert Hainer und Paracyclist Michael Teuber (von links). Robert HaasIm Anschluss zog der Tross weiter zum Schloss Nymphenburg, das ebenfalls Teil des Bewerbungskonzepts ist. So könnten im dortigen Schlosspark – wie schon bei den Sommerspielen 1972 – die Dressurwettbewerbe stattfinden. Mit Blick darauf ist ein weiteres prominentes Gesicht an diesem Werbetag geladen: die Reiterin Jessica Bredow-Werndl. Sie hat bei den Sommerspielen 2021 und 2024 vier Goldmedaillen in der Dressur geholt und betont: „Nichts kann die nächste Generation so begeistern, so inspirieren und so packen wie Olympia.“ Sie selbst habe als zehnjähriges Mädchen 1996 gebannt vor dem Fernseher gesessen und die Spiele in Atlanta verfolgt, erzählt Bredow-Werndl. „Und da habe ich zu meinen Eltern gesagt: Das will ich auch schaffen.“Eine persönliche Anekdote liefert auch Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München. Er habe als Chef eines großen Sportartikelherstellers sieben Olympische Spiele miterlebt, sagt er. „Aber am meisten inspiriert hat mich 1972, als ich als junger Kerl Getränke bei den Spielen in München verkauft habe.“ Nun wirbt Hainer also für eine Rückkehr des weltgrößten Sportereignisses in die „Weltsportstadt mit Herz“, wie er es nennt. „München hat vor mehr als 50 Jahren bewiesen, dass man nicht nur Olympische Spiele hervorragend organisieren, sondern auch Menschen weltweit begeistern kann.“Auch Michael Teuber stimmt in die Lobgesänge auf die bayerische Bewerbung ein. „Die Paralympischen Spiele sind im Münchner Konzept sehr prominent platziert“, freut sich der am Tegernsee lebende Paracyclist, der von 2004 bis 2016 fünf paralympische Goldmedaillen gewonnen hat. Entscheidend sei, dass die Spiele sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderung „gemeinsam gedacht werden“, sagt Teuber. Und dies sei in München der Fall – etwa durch die geplanten „Event-Inseln“ in der Innenstadt. „Dort kann der Bogen über beide Spiele entstehen“, glaubt Teuber. „So blieben die Spannung und die Begeisterung in der Stadt erhalten.“