Die Ideologien unterscheiden sich – aber ziehen Rechtsradikalismus, Linksradikalismus und religiöser Fundamentalismus ähnliche Typen an? Der Soziologe Marc Helbling hat das in einer Studie untersucht.DIE ZEIT: Herr Helbling, Sie haben die Gemeinsamkeiten von Menschen mit extremistischen, mit rechtsradikalen, linksradikalen und religiös fundamentalistischen Einstellungen untersucht. Welche sind das?
Marc Helbling: Der gemeinsame Nenner ist das Gefühl, sozial, politisch und kulturell isoliert zu sein. Diese Menschen sind – oder fühlen sich – sozioökonomisch benachteiligt und empfinden sich als bedeutungslos in der Gesellschaft. Sie glauben, keine Rolle zu spielen. Es sind vor allem junge Männer mit relativ geringer Bildung, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, fundamentalistische, radikale oder extremistische Haltungen zu entwickeln.
ZEIT: Wie lässt sich denn gefühlte Bedeutungslosigkeit messen?
Helbling: Wenn Befragte etwa Aussagen wie diesen zustimmen: »Ich bin unzufrieden mit dem, was ich habe, verglichen mit dem, was andere Leute wie ich haben. Ich fühle mich benachteiligt.« Oder: »Echte Freunde zu finden, wird heutzutage zunehmend schwierig.« Politische Entfremdung lässt sich beispielsweise ermitteln über die Zustimmung zu Sätzen wie »Die meisten Parteien und Politiker sind korrupt« oder »Die meisten Politiker betreiben Politik lediglich zu ihrem eigenen Vorteil«. Wir haben mit unserem Team insgesamt 6.000 Personen in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden befragt. Eine repräsentative Umfrage, bei der Alter, Bildung und Geschlecht der jeweiligen Bevölkerungsstruktur entsprechen.









