Mr MarketDer Börsenwert des Nahrungsmittelkonzerns ist seit Ende 2021 um fast 55% geschrumpft. Damit ist auch die Bewertung deutlich zurückgekommen.Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nestlé-Aktien kommen nicht vom Fleck. Seit vergangenem Herbst pendelt der Kurs mit kleiner werdender Amplitude um 80 Fr. Am Seitwärtstrend können auch die weitere Schärfung der Strategie und die Massnahmen zur Kostensenkung unter dem neuen CEO Philipp Navratil bisher nichts ändern. Dies, obschon sein Engagement und seine offene Art bei Investoren bisher gut ankommen, wie ich höre.Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern ist in Sachen Marktkapitalisierung seit dem Hoch Ende 2021 um fast 45% geschrumpft und bringt mit 211 Mrd. Fr. gar deutlich weniger auf die Börsenwaage als zum Tief nach Ausbruch der Covid-Pandemie.Die Kehrseite: Die Bewertung ist zumindest auf den ersten Blick deutlich von den Höchstwerten zwischen Sommer 2020 und Anfang 2022 zurückgekommen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des für 2026 geschätzten Gewinns liegt bei 18, für 2027 bei 17. Das ist klar weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (21,4).Gemäss Daten von Bloomberg ist der Konzern auch gegenüber den Wettbewerbern attraktiv bewertet. Wurden die Valoren in den vergangenen fünf Jahren üblicherweise mit einer Prämie gegenüber dem Branchenschnitt gehandelt, weisen sie mittlerweile einen Discount von 13% auf.Nestlé ist ein anderer Konzern als noch 2021Die Nestlé-Führung musste sich in den vergangenen Monaten und Jahren viel Kritik anhören: Die Abhängigkeit von Preiserhöhungen statt von «echtem» Wachstum, sprich Volumenwachstum, sei zu stark, die Produkt- und Markenentwicklung dagegen zu schwach. Gleichzeitig sorgte der Konzern wegen Governancefragen und seiner Verantwortung gegenüber den Kunden (Stichworte: zu viel Zucker und gefiltertes Mineralwasser) wiederholt für negative Presse. Der Fokus auf das Wesentliche sei verloren gegangen, monierten Investoren.Und es stimmt: Der Konzern aus Vevey ist nicht mehr derselbe wie in den Jahren 2019 bis 2021, als der Gewinn kräftig wuchs. Das Mengenwachstum (Real Internal Growth) betrug 2025 nur noch 0,7%, was weit entfernt ist vom Höchst im Jahr 2021 (5,5%), als Nestlé nach dem ersten Pandemieschock kaum mit der Nachfrage Schritt halten konnte. Die damalige Strategie von Ex-CEO Mark Schneider, die Profitabilität unter anderem durch Einsparungen bei Markenpflege und Marketing zu steigern, wirkt bis heute nach: Die Wettbewerbsposition des Konzerns hat sich sichtbar verschlechtert.Die Verschuldung ist dagegen stark gestiegen: Unter Schneider nahm Nestlé Schulden auf, um gleich drei grosse Aktienrückkaufprogramme zu finanzieren. Per Ende des letzten Jahres lag das Verhältnis von Nettoverschuldung zum Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda bei knapp 3 – Ende 2016 hatte es noch weniger als 1 betragen. Und so befürchteten kritische Investoren gar, dass die Dividende für 2025 herabgesetzt werden könnte, um die Schuldensituation in den Griff zu bekommen.Soweit ist es nicht gekommen. Am 22. April 2026 schüttete Nestlé zum dreissigsten Mal in Folge eine höhere Dividende aus als im Vorjahr. Die Aktionäre erhielten 3.10 Fr. je Titel. Diese Historie spiegelt die Verlässlichkeit und die langfristige Ausrichtung des Konzerns wider, gerade auch im Sinne der Investoren. Und doch stellt sich heute die Frage: Ist die tiefere Bewertung schlicht Ausdruck der schlechteren Wachstumsaussichten und der gesunkenen Anlagequalität der Aktien?Die Free-Cashflow-Rendite liegt im fairen BereichUm die Bewertung unter unterschiedlichen Wachstumserwartungen einordnen zu können, versuchen Aktienanalysten oft, das KGV um die Wachstumsrate zu bereinigen (Price/Earnings-to-Growth, PEG). Im Fall von Nestlé beträgt die PEG-Ratio derzeit 5. Sie liegt damit – wie auch das vorwärtsgerichtete KGV – unter dem Niveau der vergangenen Jahre. Ein Wert von mehr als 2 gilt aber gemeinhin als sehr hoch.Die Interpretation der PEG-Ratio ist schwierig. Die Kennzahl hat Schwachstellen: So hängt sie etwa stark vom erwarteten Wachstum ab, und wenn, dann kommt sie vor allem bei schnell wachsenden Unternehmen zum Zug. Defensive Qualitätstitel weisen oft über Jahre ein wachstumsadjustiertes KGV im mittleren einstelligen Bereich aus.Lieber schaue ich mir deshalb die Free-Cashflow-Rendite an. Denn interessanter als die Frage, wie schnell das Unternehmen wächst, ist hier: Wie viel nachhaltigen Cashflow erwirtschafte ich relativ zum heutigen Kurs?Der freie Cashflow gibt an, wie viel Geld nach Investitionen übrig bleibt und für Dividenden, Aktienrückkäufe, Schuldenabbau oder Übernahmen verwendet werden kann. Das Wachstum Nestlés mag nicht mehr so hoch sein wie in früheren Jahren, und auch die Marge ist geschrumpft. Doch der Konzern bleibt eine Cashmaschine: 2025 hat er bei einem Umsatz von knapp 90 Mrd. Fr. einen freien Cashflow von 11,4 Mrd. Fr. erwirtschaftet. Das ist immer noch so viel wie zu den besten Zeiten.Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zum gegenwärtigen Unternehmenswert – Marktkapitalisierung plus Nettoverschuldung –, ergibt sich eine Free-Cashflow-Rendite von immerhin 4,3%. Sie liegt damit für ein wenig konjunkturabhängiges Unternehmen mit einstelligen Wachstumsraten in einem fairen Bereich. Besonders attraktiv wirken die Valoren dadurch aber nicht.Nestlés Dividende ist ein KaufargumentAngesichts dieses freien Cashflows und der langen Dividendenhistorie halte ich eine weitere kleine Anhebung der Ausschüttung im kommenden Frühjahr für beinahe sicher. Bei einer erwarteten Dividende von 3.15 Fr. je Aktie und einem Kurs von knapp 80 Fr. beträgt die Rendite immerhin 4%.Das ist gerade für Frankeninvestoren interessant: Wo kriegt man derzeit sonst für eine so risikoarme Anlage eine Bruttorendite von 4% in der stärksten Währung der Welt? Und solange der Franken derart stark bleibt und tendenziell aufwertet, ist die Dividendenrendite gar für US-Anleger ein Kaufargument. Zwar werfen dort selbst zweijährige Treasury Notes mittlerweile nominell mehr als 4% ab, doch zieht man die hohe Inflationsrate ab, ist der reale Zinssatz deutlich niedriger.Fazit: Die Aktien von Nestlé sind derzeit fair bewertet. Eine klare Unterbewertung, wie sie bisweilen kolportiert wird, sehe ich dagegen nicht. Vielmehr waren sie wohl über Jahre schlicht zu teuer.Bei einem Kurs von 80 Fr. scheint sich nun ein Boden zu bilden. Wie lange ein solcher Seitwärtstrend anhält, lässt sich nicht genau sagen. Kann sich das Unternehmen aber in diesem schwierigen Umfeld behaupten, sprich, sollte sich mit den Halbjahreszahlen (Publikation am 23. Juli) nur schon abzeichnen, dass die Prognosen für 2026 trotz viel Gegenwind erreicht werden, so dürfte das den Aktien einen schönen positiven Impuls geben.Freundlich grüsst im Namen von Mrs MarketGabriella Hunter
Sind die Aktien von Nestlé derzeit günstig bewertet?
Der Aktienkurs des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns notiert fast 40% unter dem Rekordhoch. Auch die Bewertung ist deutlich zurückgekommen.






