Berlin, Düsseldorf. Hochrangige Manager in Dax-Konzernen, Anwälte in Topkanzleien oder Ärzte: Viele Deutsche haben eine klare Vorstellung davon, in welchen Berufen Beschäftigte das meiste Geld verdienen können. Tatsächlich müssen Angestellte kein Millionengehalt bekommen, um zu den Topverdienern zu gehören, wie eine exklusive Auswertung der Jobplattform Stepstone zeigt.Analysten von Stepstone haben für das Handelsblatt ausgewertet, welche Jahresgehälter nötig sind, um zu den obersten ein, fünf oder zehn Prozent zu zählen. Die Schwelle liegt dabei niedriger, als viele vermuten dürften. Welche Jobs das höchste Gehalt bieten – und auch in Zukunft ein hohes Einkommen garantieren.Jan Schulz-Gebhard, Vermögensforscher an der Universität Bamberg, sagt: „Nahezu alle Menschen ordnen sich in der Mittelschicht ein – ganz gleich, ob sie tatsächlich sehr wenig oder sehr viel besitzen.“ Zwischen Selbstwahrnehmung und der Faktenlage scheint also eine Differenz vorzuliegen.Um belastbare Vergleichswerte zu schaffen, hat Stepstone auf mehr als eine Million Vergütungsdaten zugegriffen. Diese wurden zwischen Januar 2022 und November 2025 auf der Plattform abgegeben, inklusive Boni, Provisionen und Prämien.Einkommen: Die bestbezahlten Berufe im ÜberblickLaut der Auswertung von Stepstone liegt das Mediangehalt des am besten verdienenden ‚einen Prozents‘ in Deutschland bei 139.000 Euro – und ist damit mehr als doppelt so hoch wie das von einem durchschnittlichen Beschäftigten.Das Mediangehalt ist der Betrag, bei dem die Hälfte der Menschen in einer Gruppe weniger und die andere Hälfte mehr verdient. Es zeigt ein typisches Einkommen einer Gruppe genauer als das Durchschnittsgehalt, das von extrem hohen oder niedrigen Werten beeinflusst werden kann.Die obersten fünf beziehungsweise zehn Prozent kommen laut Stepstone auf 101.250 Euro und 87.000 Euro brutto im Jahr.So stark unterscheiden sich die Gehälter regionalIm Schnitt sind die Gehälter laut Stepstone im Stadtstaat Hamburg am höchsten, dicht gefolgt von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Deutlich darunter liegt das Gehalt der Top-Verdiener in den neuen Bundesländern. In Sachsen-Anhalt etwa kommt das am besten verdienende eine Prozent nur auf ein Mediangehalt von 101.500 Euro – und liegt damit rund 40.000 Euro unter dem Spitzengehalt in Hamburg oder Hessen.„Hamburg, Hessen sowie Bayern und Baden-Württemberg profitieren von einer hohen Konzentration wirtschaftsstarker Branchen und internationaler Unternehmen“, erklärt Stepstone-Ökonom und Gehaltsexperte Dennis Dittrich.In Hessen, wo unter anderem die Bankmetropole Frankfurt liegt, spielt die Finanzwirtschaft eine zentrale Rolle. In Bayern und Baden-Württemberg sorgen dagegen die vielen Industrieunternehmen, der Maschinenbau und die Automobilwirtschaft nach wie vor für hohe Gehälter.Und Hamburg ist laut Dittrich ein bedeutender Logistik-, Handels- und Medienstandort. Dort gibt es viele große Unternehmen wie etwa den Flugzeugbauer Airbus oder Logistiker wie Hapag-Lloyd – und dementsprechend auch viele gut bezahlte Führungspositionen.Als weiteren wichtigen Faktor, warum in diesen Bundesländern überdurchschnittlich hohe Gehälter gezahlt werden, nennt Dittrich den „Urban-Effekt“:„In großen Arbeitsmärkten treffen viele spezialisierte Fachkräfte auf viele Unternehmen“, sagt er. Dadurch komme es öfter dazu, dass es für die vorhandenen Qualifikationen auch die richtige Stelle gibt. Was wiederum zu einer höheren Produktivität und entsprechend höheren Gehältern führen kann.Spitzengehalt: In diesen Positionen haben Sie gute ChancenBesonders gut verdienen nach den Gehaltsdaten von Stepstone unter anderem Ärzte, Chief Information Security Officer und Leiter aus der Forschung und Entwicklung. Ein Chefarzt bekommt im Median demnach 200.000 Euro brutto im Jahr. Bei einem Chief Information Security Officer sind es 117.250 Euro. Zum Vergleich: Ein Elektrotechniker verdient laut den Daten von Stepstone nur 49.100 Euro brutto im Jahr.Neben dem Berufsprofil und dem Standort haben weitere Faktoren Einfluss darauf, wie viel jemand verdient. Der wohl wichtigste ist, ob jemand Personalverantwortung hat. Wer bereits ein kleines Team mit bis zu vier Mitarbeitern leitet, hat laut einer weiteren Auswertung von Stepstone eine mehr als doppelt so hohe Chance auf ein sechsstelliges Gehalt wie jemand ohne Führungsverantwortung.Unter denjenigen, die ein Team von mehr als 50 Mitarbeitern führen, bekommen rund 18 Prozent ein Gehalt von mehr als 100.000 Euro. Und von Chefs, die mehr als 100 Mitarbeiter leiten, verdienen 31,6 Prozent sechsstellig.Michael Kind ist Gehaltsexperte bei der Personalberatung Kienbaum. Am wahrscheinlichsten, sagt er, sei ein Spitzenverdienst von 130.000 Euro und mehr in Jobs, in denen die Wertschöpfung pro Kopf hoch ist, die Ergebnisverantwortung groß und die Skills knapp. „Branchen, in denen man solche Berufe findet, sind beispielsweise der Finanzsektor, die Pharmaindustrie, Teile der Tech-Branche sowie die Industrieunternehmen, die gerade stark in einer Transformation sind.“Stepstone-Experte Dittrich sagt, ein Spitzengehalt sei zwar auch ohne Führungsverantwortung möglich. Dafür brauchen Angestellte aber eine hochspezialisierte Fachfunktion. In der IT können das Skills im Bereich Künstliche Intelligenz, Cloud-Architektur oder Cybersecurity sein. Aber auch Spezialisten im Finanzsektor, in der Strategieberatung oder im Ingenieurwesen können mit einer Fachkarriere sehr gut verdienen.Zu den obersten fünf Prozent der Bestverdienenden gehören laut Stepstone etwa Patentanwälte (Median: 104.750 Euro). Gleiches gilt für Wirtschaftsprüfer mit 102.250 Euro.Unter die bestverdienenden zehn Prozent schaffen es mit einem Mediangehalt von 87.000 Euro etwa auch der Fachanwalt für Verwaltungsrecht oder ein Meister im Bereich Elektrochemie mit 87.250 Euro brutto im Jahr.Gehaltsentwicklung: Welche Jobs künftig ein sehr gutes Einkommen garantierenGute Einkommenschancen entstehen laut Dittrich bei hochproduktiven Tätigkeiten, für die es nur ein begrenztes Angebot an Fachkräften gibt. Neben Anwälten und Ärzten zählen damit zukünftig auch Beschäftigte in technologiegetriebenen Bereichen wie der KI-Entwicklung zu den Spitzenverdienern. Aber auch in der Logistik, im Handwerk und Gesundheitswesen hat sich laut Dittrich der Bedarf vervielfacht, etwa bei Elektronikerinnen und Elektronikern.Beratungen So funktionieren Aufstieg und Einfluss bei den Big Four 2026 Der Experte geht davon aus, dass sich viele dieser Tätigkeiten nicht oder nur begrenzt automatisieren lassen und Unternehmen daher weiter auf menschliche Fachkompetenz angewiesen sind. Wegen des demografischen Wandels werde der Wettbewerb um diese Fachkräfte außerdem weiter zunehmen, was sich mittelfristig positiv auf die Gehälter auswirken werde.Kienbaum-Berater Kind geht davon aus, dass der Weg an die Spitze der Unternehmenshierarchie auch weiterhin der vielversprechendste für einen sehr hohen Verdienst ist. Zudem sei die Chance auf ein sehr gutes Einkommen hoch, wenn man sich für eine Karriere im KI- oder Cybersecurity-Bereich entscheidet. Oder für eine Laufbahn als Ingenieur in der Energie- und Industrietransformation.Gehaltsungleichheit zwischen Frauen und MännernFrauen haben auch im vergangenen Jahr im Schnitt 16 Prozent weniger verdient als Männer. Ihr durchschnittlicher Bruttostundenlohn lag laut dem Statistischen Bundesamt bei rund 23 Euro – 4,24 Euro unter dem der Männer.In den oberen Einkommensklassen zeigt sich jedoch ein anderes Bild, sagt Kienbaum-Berater Kind. Frauen, die schon länger in Führungspositionen arbeiten, hätten nur noch einen vergleichsweise kleinen Gender-Pay-Gap.4,24Euroverdienen Männer durchschnittlich pro Stunde mehr. Quelle: DestatisAnders sieht es bei Frauen aus, die erst vor Kurzem in hohe Gehaltsklassen aufgestiegen sind. Hier fallen die Unterschiede oft noch größer aus. Laut Kind hat das jedoch häufig den Hintergrund, dass viele Unternehmen Führungspositionen verstärkt mit Frauen besetzen. Dadurch ist der Anteil weiblicher Spitzenverdienerinnen gestiegen.Wenn diese Frauen neu in ihrer Funktion sind, verdienen sie in Relation zu langjährigen Führungskollegen zunächst weniger. Mit zunehmender Erfahrung dürfte sich der Abstand jedoch weiter verringern, sagt Kind.Ab wann gilt man in Deutschland als reich?Ab wann man in Deutschland reich ist, ist laut Vermögensforscher Schulz-Gebhard unterschiedlich definiert. Wichtig sei, zwischen dem Einkommen und dem Vermögen zu unterscheiden.„Die Verteilung von Vermögen ist weit ungleicher als die von Einkommen, weil Vermögen oftmals über mehrere Generationen hinweg angehäuft und vererbt werden kann“, sagt Schulz-Gebhard, „während Einkommen in der Regel aus laufender Erwerbstätigkeit stammen.“Gehaltsreport 2026 1,3 Millionen Gehaltsdaten im Vergleich: Gehören Sie zu den Besserverdienern in Deutschland? Laut Umfragen seien 90 Prozent der Befragten der Auffassung, dass Menschen mit einem Nettovermögen von mehr als einer Million Euro inklusive Immobilien reich sind. „In wissenschaftlichen Debatten taucht daneben häufig der Begriff Superreiche auf.“ Dieser greife bei einem Vermögen ab einer Milliarde Euro. Je nach Quelle – etwa dem „Manager Magazin“, „Forbes“ oder Oxfam – gebe es davon in Deutschland allerdings lediglich 100 bis 250 Personen. Verwandte Themen StepstoneDeutschlandHamburgBaden-WürttembergBayernAirbusGenerell entstünde sehr großer Reichtum eher durch Kapitalerträge als durch Arbeit. In Deutschland, sagt der Forscher, beruht mittlerweile mehr als die Hälfte der Vermögensbestände auf Erbschaften, vor allem in den obersten Gruppen. Die persönliche Arbeitsleistung spiele damit bei außergewöhnlich hohen Vermögen nur eine untergeordnete Rolle.Dieser Artikel erschien bereits im Februar 2026. Der Artikel wurde am 03.03.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.