Der Postbote muss abrupt in die Bremsen steigen – nicht, dass er hier am Sankt-Jakobs-Platz den fast ein Dutzend Fotografen und Kameraleuten noch ins Bild rauscht. Neben dem Mann in Gelb warten mehrere Passanten ebenfalls geduldig, bis jene Aufnahmen im Kasten sind, für die sich sämtliche Ehrengäste vor dem Bauzaun des Münchner Stadtmuseums aufgestellt haben.Schon zuvor bei der Pressekonferenz anlässlich des Baustarts der Generalsanierung sind vor den Rednerinnen und Rednern immer wieder Radfahrende vorbeigerollt, Touristen entlangspaziert und eine Frau mit Einkaufstaschen interessiert stehen geblieben. Doch den Chef des Museums, das noch bis 2031 für mehr als 270 Millionen Euro renoviert und umgebaut wird, stört das nicht – im Gegenteil.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.„Das passt sehr gut ins Bild, wie wir uns das Stadtmuseum künftig vorstellen“, sagt dessen Direktor Markus Speidel. So soll das Haus im Herzen der Altstadt nach seiner Wiedereröffnung nicht nur ein Ort sein, an dem Einheimische und Auswärtige mehr über die Geschichte Münchens erfahren und wo obendrein „gesellschaftlicher Dialog“ stattfindet, wie es Inken Wuttke vom städtischen Kommunalreferat formuliert, dem Eigentümer des Gebäudes. Geht es nach Markus Speidel, dann wird sein Museum vielmehr künftig auch „ein Treffpunkt inmitten der Stadt und kostenfreier Aufenthaltsort“.Erreicht werden soll dies vor allem durch eine Öffnung des bislang abgeschotteten Gebäudes, das im Zuge der Generalsanierung einen neuen Haupteingang am Rindermarkt erhält. Von dort gelangen Museumsgäste, aber auch Spaziergängerinnen und Touristen künftig zu einem öffentlichen Atrium – „das pulsierende Zentrum des Museums“, so Speidel. Um dieses zu schaffen, habe man einen neuen Ausstellungskubus leicht verdreht in einen bislang weitgehend unbeachteten Innenhof gesetzt, erläutert Architekt Moritz Auer, aus dessen Büro Auer Weber die Pläne für die Generalsanierung stammen.Bereits seit 2015 beschäftige sich sein Team mit dem Stadtmuseum, blickt der Architekt zurück. Und zwischenzeitlich habe es immer wieder Hürden und Phasen gegeben, „in denen wir dachten, das kommt gar nicht mehr“. Tatsächlich wurden die Arbeiten mehrfach verschoben, bis das Stadtmuseum schließlich 2024 seine Türen schloss und die Generalsanierung vorbereitet wurde. Dass das Rathaus auch in Zeiten knapper Kassen mehr als 270 Millionen Euro für das Haus in die Hand nimmt, sei „ein leidenschaftliches Bekenntnis der Stadt zu ihrer kulturellen Infrastruktur“, findet Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne). Derweil gibt sich Kulturreferent Marek Wiechers überzeugt: „Das Museum wird zu einem zentralen Highlight für alle Menschen in München und darüber hinaus.“Seit dem Auszug des Stadtmuseums seien in dem historischen Gebäude, dessen älteste Trakte aus dem 15. Jahrhundert stammen, unter anderem Leitungen verlegt, die Fassade abgebaut und Bohrpfähle für den neuen Eingang gesetzt worden, sagt die städtische Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer. Nun solle es im Herbst mit den eigentlichen Bauarbeiten losgehen.Der Bauzaun erzählt die Geschichte des Münchner Stadtmuseums – angefangen mit seiner Gründung 1888. Robert HaasDie Präsentation stößt bei Passanten auf Interesse. Robert HaasBeim offiziellen Startschuss für die Bauphase (von links): Inken Wuttke, stellvertretende Leiterin des Kommunalreferats, Direktor Markus Speidel, Kulturreferent Marek Wiechers, Bürgermeisterin Mona Fuchs und Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer. Robert HaasSichtbares Zeichen hierfür ist der Bauzaun, der sich jetzt auch am Sebastiansplatz und an der Nieserstraße um das Museum schlängelt. Und für diese Absperrung wiederum hat sich die Stadt etwas Besonderes einfallen lassen, quasi eine Ausstellung am Bauzaun. So ist dort auf einer Länge von 100 Metern eine Präsentation zu sehen, die anhand historischer Aufnahmen und Visualisierungen mit Begleittexten die Geschichte des Münchner Stadtmuseums erzählt – angefangen mit seiner Gründung 1888.Wobei die Ausstellung nicht nur auf die Geschichte des Hauses blickt, sondern auch auf die Geschehnisse hinter dem Bauzaun. So führen QR-Codes zu tiefergehenden Informationen über die Generalsanierung, weshalb Bürgermeisterin Fuchs von einer „Mischung aus Historie und Inhalt des Hauses“ spricht. Ganz nebenbei lässt sich die Bauzaun-Ausstellung auch als Selbstverpflichtung der Stadt verstehen, den Zeitplan fürs Stadtmuseum tunlichst einzuhalten. Denn am Ende der Präsentation wird ein Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2029 in Aussicht gestellt. Und eine Wiedereröffnung des Stadtmuseums 2031.