PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftWie Neuer seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärtStand: 23:44 UhrLesedauer: 6 MinutenNach dem klaren Auftaktsieg gegen Curaçao sieht Ex-Nationalspieler Marcell Jansen die kommenden WM-Spiele als echten Härtetest für die deutsche Mannschaft. Vor allem gegen die Elfenbeinküste werde sich zeigen, wo das DFB-Team tatsächlich steht.Mit 40 Jahren spielt Manuel Neuer seine fünfte WM. Die Torwart-Legende verrät jetzt Details zu seiner Rückkehr in die Nationalelf. Er gibt ein großes Ziel für das Turnier in den USA aus – und private Einblicke.Aura. Das Jugendwort des Jahres 2024 und auch in diesem Sommer ständig gebraucht. Zumindest bei den deutschen Fußball-Nationalspielern. Sie schwärmen immer wieder von der Aura Manuel Neuers, der mit 40 Jahren ins Tor der Auswahl zurückgekehrt ist. Aber was macht diese eigentlich konkret aus?„Das müssen Sie ja sagen. Ich bin ja gerade in den Raum gekommen“, antwortete Neuer am Donnerstagmittag augenzwinkernd auf die Frage eines Journalisten im Hörsaal der Wake Forest University. Gelächter im Saal, in dem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor internationalen Reportern seine Pressekonferenzen abhält.Manuel Neuer – es ist eine der Personalien dieser WM. 2010 erlebte er seine erste WM, jetzt ist es seine fünfte. Neuer ist inzwischen Vater – sein zweijähriger Sohn heißt Luca – und erwartet mit seiner Ehefrau Anika das zweite Kind. „Ich habe den Kleinen gerade quasi ins Bett gebracht. Vorher war er in der Badewanne und beim Kinderturnen. Es läuft alles“, sagte Neuer lächelnd, offenbar nach einem Video-Telefonat mit seiner Familie. Das Ziel sei, dass seine Liebsten ihn bald in den USA besuchen.In Sachen Aura gehe es vor allem darum, den Mitspielern ein gutes Gefühl zu geben, so Neuer. Natürlich weiß der Routinier, was seine Mitspieler mit dem Wort meinen. Und wie sehr sie ihn schätzen. Der 20-jährige Assan Ouédraogo von RB Leipzig, den Bundestrainer Julian Nagelsmann für den verletzten Jungstar Lennart Karl vom FC Bayern nachnominierte, wollte ihn sogar siezen.„Aura hat für mich was zu tun mit dem Erscheinungsbild“, sagte Neuer. Er wolle jemand sein, auf den man sich verlassen kann. Das versuche er „mit einer positiven Energie immer weiterzugeben. Und das kann eventuell damit gemeint sein.“Lesen Sie auchIst seine Rückkehr so eine Toni-Kroos-Aktion, wollte ein Reporter wissen. Der einstige Mittelfeldprofi war vor der EM 2024 in Deutschland einzig für das Turnier in die Nationalmannschaft zurückgekehrt. Neuer rechnet nicht mit weiteren Einsätzen über die WM hinaus. Er will sich mit einem dann endgültigen Karriereende in der Nationalmannschaft aktuell aber nicht beschäftigen. „Ich habe jetzt nicht vor, irgendwie in zwei Jahren dann wieder bei einer Europameisterschaft zwischen den Pfosten zu stehen“, sagte der deutsche Rekordtorhüter.Lesen Sie auchWas sich zunächst nach einer Rücktrittsankündigung für die Zeit nach dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko anhörte, wurde von ihm aber relativiert. Er wolle sich jetzt nicht damit auseinandersetzen, dass seine „letzten Spiele für Deutschland“ anstehen könnten. „Ich möchte mich dahingehend auch mit nichts mehr in dieser Richtung beschäftigen, weil ich nach vorn schaue und mich auf alle Spiele freue und nicht an irgendeinen Abschied von einem besonderen Trikot denke.“Manuel Neuer traut dem Team den WM-Titel zuSo habe er es auch während der EM 2024 in Deutschland gehalten. Einige Tage nach dem Turnieraus im Viertelfinale gegen Spanien hatte der Weltmeister von 2014 dann seinen Rücktritt erklärt, der nun wieder zurückgenommen wurde. Einen konkreten Zeitpunkt für seine Comeback-Entscheidung für diese WM benannte Neuer Donnerstag auf Fragen der Journalisten nicht. Im „Februar, März“ habe es allgemeine Gespräche mit Bundestrainer Nagelsmann gegeben, in denen es um seine Trainingsintensität angesichts der Verletzungen der vergangenen Monate gegangen sei.Ein Grund für seine Rückkehr war für Neuer die Aussicht auf den Titelgewinn. Vor zwölf Jahren gewann er mit der deutschen Mannschaft um Thomas Müller die WM in Brasilien. Bald könnte Neuer doppelter Weltmeister sein. Das Finale des Turniers steigt am 19. Juli. Neuer ist der letzte Weltmeister von 2014 im aktuellen Kader. Bislang konnte kein deutscher Fußballer zweimal als Spieler Weltmeister werden. „Ich traue es der Mannschaft auf jeden Fall zu, sonst wäre ich nicht hier“, sagte Neuer über einen möglichen WM-Triumph. „Für mich ist es ein absolutes Geschenk. Es wäre etwas ganz Besonderes.“Wichtig sei aber, zunächst nur Schritt für Schritt zu denken. Am Samstag (22 Uhr, ZDF, MagentaTV und im Liveticker bei WELT) spielt er mit Deutschland in der zweiten Gruppenpartie in Toronto gegen die Elfenbeinküste. „Es wird eine sehr starke Mannschaft auf uns treffen“, sagte der Torwart. Es werde ja schon viel über Frankreich als möglichen Gegner im Achtelfinale gesprochen, das wolle man innerhalb der Mannschaft überhaupt nicht machen, so Neuer.Thomas Müller, bei dieser WM als Experte für MagentaTV im Einsatz, verglich die aktuelle Nationalelf kürzlich mit der von 2010. „Da wird Thomas nicht Unrecht haben. Die Mannschaft hat die richtige Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen, frechen Spielern“, so Neuer.Lesen Sie auchMit 40 Jahren eine WM spielen – wie geht das? Neuer hört immer wieder in seinen Körper hinein. Und nutzt mitunter digitale Technik. Vor zwei Jahren bei der EM erklärte er in WELT AM SONNTAG, dass er auf einige Fischsorten verzichtet, weil diese Schwermetalle enthalten können. Und bei seiner Entscheidungsfindung vor seiner Unterschrift beim FC Bayern (neuer Vertrag bis 2027) setzte er auf eine Ampel-App, die er wie ein Tagebuch nutzte. In dem Programm bewertete er seine Leistungen im Training und im Spiel, und nutzte es als eine Art Performance-Tagebuch. „Wichtig ist, dass es mir gut geht. Wir müssen hier alle drei bis vier Tage auf dem Peak sein“, sagte Neuer auf der Pressekonferenz auf Frage von WELT zu dem Thema. Vor allem Schlaf und Ernährung seien wichtig. Er habe ein System aufgestellt, das für ihn passe. In Sachen Regeneration komme ihm seine Erfahrung zugute. Er wisse jetzt noch genauer, was ihm guttut, als mit Anfang 20.Die neue Spielergeneration um Ouédraogo, Nathaniel Brown und Aleksandar Pavlović gefällt Neuer. „Mich hält es jung“, sagt Neuer über das Trainieren, Spielen und Unterhalten mit seinen jungen Kollegen.Eigentlich wäre Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim die deutsche Nummer 1 bei dieser WM gewesen. Doch Nagelsmann entschied vor dem Turnier anders. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis“, sagte Neuer über seinen Ersatzmann Baumann. Er habe mit ihm kürzlich im Trainingslager in Herzogenaurach lange gesprochen. „Wie es dazu gekommen ist. Wir haben offene Worte gefunden.“Ihr Bundestrainer Nagelsmann wirke auf ihn sehr selbstsicher. „Jeder entwickelt sich weiter“, so Neuer. Es gebe wenig Rückfragen aus der Mannschaft.Manuel Neuer sendete an diesem Donnerstag in Winston-Salem eine klare Botschaft. Er sieht sich und die Mannschaft bereit für bessere Gegner. Und große Erfolge.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit zwei Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die deutsche Auswahl bei der WM.